Digitale Souverenität

Digitale Souveränität beschreibt „die Fähigkeiten von Individuen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können.
DIGI
Author

Gerd Welzl

Published

September 25, 2024

Digitale Souveränität beschreibt „die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Individuen und Institutionen, ihre Rolle(n) in der digitalen Welt selbstständig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können.

Der europäische Referenzrahmen beschreibt die digitale Kompetenz als eine der wichtigen Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Sie ist damit ähnlich wichtig wie beispielsweise sprachliche oder mathematische Kompetenzen, welche uns dabei unterstützen, fachbezogenes Wissen zu erlernen und anzuwenden.

Digitale Souverenität und digitale Kompetenz haben zahlreiche Facetten. Auch hier nur einige Splitter zu diesem Themenfeld,

1 Schutz vor agressiven Geschäftsmodellen von Tech-Konzernen

Thomas Metzinger in der 3sat Sendung scobel - Fresh Brain am 23.11.2023

[…] All das hat auch eine politische Dimension. […] Es gibt eine ganze Industrie seit über 10 Jahren, die die Zerstörung von mentaler Autonomie monetarisiert; große amerikanische Tech-Konzerne, die wissen genau was sie anrichten in den Gehirnen unserer Kinder und Jugendlichen. Die können aber nicht aus ihren Geschäftsmodellen raus, weil sie sonst untergehen würden. Also, man braucht nicht zu hoffen, dass die sich ändern. Es gibt eben auch so was wie eine Fürsorgepflicht unserer Bundesregierung für ihre Bürger, für ihre Kinder und Jugendliche - auch der EU - um einfach zu schützen vor diesen aggressiven amerikanischen Geschäftsmodellen, die geistige Autonomie zerstören.
Thomas Metzinger
scobel am 23.11.2023 (min 53.00 bis 54.14)
https://www.3sat.de/wissen/scobel/scobel----fresh-brain-100.html

Aus philosophischer Perspektive stellen die neuen medialen Umwelten deshalb ein Risiko für Kinder und Jugendliche dar, weil sie ihre mentale Autonomie gefährden. „Mentale Autonomie“ ist die Fähigkeit zur geistigen Selbstbestimmung und sie hat zwei Hauptbestandteile. Das erste Element ist das Wissen darum, wie man seine eigene Aufmerksamkeit erfolgreich stabilisiert, wie man sie ganz bewusst als endliche innere Ressource wahrnimmt und bei sich behält, wie man dann sie lenkt und zielgerichtet kontrolliert. Aufbauend darauf muss das zweite Element kultiviert werden: Die Fähigkeit zur kritischen Rationalität, dasWissen darum, wie man wirklich logisch denkt, gewaltfrei mit anderen Menschen kommuniziert und dabei auf vernünftige, evidenzbasierte Weise für seine eigenen Ziele argumentiert. […] Die Argumentationstheorie schult auch systematisch die Fähigkeit zum kritischen Denken und die intellektuelle Konfliktfähigkeit. Solche kognitiven Kompetenzen werden jetzt verstärkt gebraucht, um diejenigen Risiken beim Gebrauch des Internets zu minimieren,die mit politischer Manipulation in sozialen Netzwerken durch social bots und targeted advertising zusammenhängen oder durch medienwissenschaftliche Stichworte wie fake news, „Filterblase“ oder „Echokammer“ angedeutet werden.
https://www.philosophie.fb05.uni-mainz.de/files/2017/12/Metzinger_AAA_bpjm-aktuell-201704-zeitgemaesser-jugendmedienschutz.pdf

2 Schutz vor Massenüberwachung durch Online-Plattformen

Die weltweit größten Internet-Plattformen haben ein riesiges Überwachungsnetzwerk aufgebaut, um die persönlichen Daten ihrer Nutzer insbesondere mit gezielter Werbung zu Geld zu machen. Dabei schützen sie die Privatsphäre der Verbraucher – insbesondere von Kindern und Jugendlichen – bei Weitem nicht ausreichend. Zu diesem Schluss ist die Federal Trade Commission (FTC) nach einer vierjährigen Untersuchung der einschlägigen Praktiken von Amazon nebst Tochter Twitch, Meta mit Facebook und WhatsApp, YouTube von Google, Twitter (X), Snap, der chinesischen TikTok-Mutter ByteDance, Discord und Reddit gekommen. Der ausgemachte Überwachungskapitalismus bedrohe die Grundfreiheiten der Bürger, warnt die FTC-Vorsitzende Lina Khan. Er setze sie “einer Reihe von Gefahren aus”, die von Identitätsdiebstahl bis zu Stalking reichten.
Die US-Handelsaufsicht dokumentiert in dem jetzt vorgelegten, einstimmig angenommenen Bericht, dass die großen Social-Media- und Streaming-Portale “Unmengen an Daten” einschließlich Informationen undurchsichtiger Marktplätze und Auskunfteien über User und Nichtnutzer ihrer Plattformen sammeln. Sie hebt hervor, dass viele der einbezogenen Konzerne einen “umfassenden Datenaustausch” betreiben, der “ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Angemessenheit der Kontrollen und Aufsicht” aufwerfe. Teils könnten die Unternehmen selbst nicht sagen, mit wem sie alles persönliche Informationen teilten. Insbesondere konstatiert die FTC, dass die Praktiken der Betreiber zur Datenerfassung, -minimierung und -aufbewahrung “völlig unzureichend” seien. Einige löschten selbst auf Anträge von Nutzern hin nicht alle deren Daten.

Die Geschäftsmodelle vieler der analysierten Unternehmen förderten “die Massenerfassung von Nutzerdaten”, heißt es weiter. Einige setzten “datenschutzverletzende Tracking-Technologien” wie Cookies oder spezielle Pixel ein, um den Usern Reklame auf Basis ihrer Vorlieben und Interessen zu servieren. Die Plattformen speisten im großen Stil persönliche Daten von Nutzern sowie deren Kontaktpersonen in ihre automatisierten Systeme ein und verwendeten Algorithmen und Künstliche Intelligenz (KI) für Big-Data-Analysen. Die Betroffenen hätten oft gar keine Möglichkeit, dem zu widersprechen. Es gebe nur “unterschiedliche, inkonsistente und unzureichende Ansätze zur Überwachung und Prüfung der Nutzung” solcher Techniken.
Die Social-Media- und Streamingdienste behandeln Kinder und Jugendliche häufig genauso wie erwachsene User, lautet eine weitere Erkenntnis. Die meisten gestatteten diesen Altersgruppen die Nutzung ihrer Plattformen ohne Kontobeschränkungen. Die Verfasser verweisen auch auf potenzielle Wettbewerbsprobleme: Unternehmen, die große Mengen an Nutzerdaten anhäufen, könnten eine marktbeherrschende Stellung erlangen und auf weitere schädliche Geschäftspraktiken verfallen.
Die FTC fordert den Kongress daher auf, “umfassende Datenschutzgesetze” zu verabschieden und grundlegende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Konzerne sollten die Datenspeicherung und -weitergabe begrenzen, personalisierte Werbung einschränken und den Jugendschutz stärken. Laut der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) unterstreicht der Bericht ein grundsätzliches Problem: “Bei diesen Datenschutzverletzungen handelt es sich nicht um gelegentliche Fehltritte.” Vielmehr seien diese “ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells der verhaltensbasierten Online-Werbung.”
https://www.heise.de/news/FTC-Bericht-Massenueberwachung-durch-Online-Plattformen-ist-ausser-Kontrolle-9956430.html

3 Schutz vor Kontrollverlust über von staatlichen Institutionen und Unternehmen erzeugte Daten

Verantwortungsträger in Politik, Verwaltung und Wirtschaft haben erkannt, dass nicht nur Bürger, sondern auch staatliche Institutionen und Unternehmen in Deutschland und Europa Gefahr laufen, die Kontrolle über die von ihnen generierten Daten zu verlieren oder diese bereits verloren haben. Ein solcher Kontrollverlust hat fatale Folgen für staatliches Handeln, für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft, vor allem aber auch für die Sicherung unserer humanistischen europäischen Werte und der darauf basierenden demokratischen Grundordnungen. Die OSB Alliance betrachtet Open Source und offene Standards als zwingende Grundlagen für digitale Souveränität, Flexibilität und Sicherheit im digitalen Wandel und damit als die Antwort auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.
https://osb-alliance.de/ueber-uns/was-ist-die-osb-alliance

4 Digitaler Humanismus

Buch von Hannes Werthner

Eine pdf-Kopie des Buches von Hannes Werthner kann kostenlos heruntergeladen werden:

https://digital.wienbibliothek.at/wbrup/content/titleinfo/5420881

5 digitalcourage

Digitalcourage engagiert sich seit 1987 für Grundrechte, Datenschutz und eine lebenswerte Welt im digitalen Zeitalter. Wir sind technikaffin, doch wir wehren uns dagegen, dass unsere Demokratie „verdatet und verkauft“ wird. Seit 2000 verleihen wir die BigBrotherAwards. Digitalcourage ist gemeinnützig, finanziert sich durch Spenden und lebt von viel freiwilliger Arbeit.
https://digitalcourage.de/

Die Preisträger des BigBrotherAwards 2025:

Einer der zahlreichen interessanten Blogbeiträge befasst sich z.B. mit dem Thema Digitaler Ablasshandel: Vier Regeln fürs Bleiben Informationen zum Thema.