
Ernst Käsbauer besuchte 1965 die Klasse 9a der Weidener Oberrealschule . 51 Jahre später waren bei den ab 2016 jährlich stattfindenden Klassentreffen seine Gedichte in Form eines Vortrages - mündlich oder mit PowerPoint präsentiert - oder als Mail verschickt ein fester Tagesordnungspunkt. Nachfolgend eine kleine Auswahl aus seinen - häufig im Oberpfälzer Dialekt verfassten - Gedichte.
1 Großer Geist
Großer Geist,
der unbemerkt
den Weg mir weist,
der meinen Mut verstärkt
zu fragen:
Wann wird sie schlagen,
die letzte Stund´ in meinem Leben?
Er wird sehr ruhig sagen:
Das lass mal eben
ganz allein
meine Sorge sein!
Großer Geist,
der Du alles weißt.
Gerne hätt´ ich Kunde,
wie wird sie werden,
meine letzte Stunde
hier auf Erden?
Er wird sehr ruhig reden:
Das lass mal eben
ganz allein
meine Sorge sein!
Großer Geist,
ich bin so viel gereist.
Hab´ sehr viel gesehen
und würde gerne wissen:
Wo wird es geschehen?
Wo werd´ ich aus meinem
kurzen und so kleinem
Lebenskreis gerissen?
Ruhig spricht er
als mein Richter:
Auch in diesem Fall
lass das mal
ganz allein
meine Sorge sein!
Großer Geist,
der Du die Luft mir leihst,
die ich zum Atmen brauche.
Wenn ich sie zurück Dir hauche,
sei mir der Ort vertraut,
nicht fremd, nicht laut.
Auch, dass eine traute Hand
die meine dabei fest umspannt.
Dann kann ich zu allen Zeiten
getrost in Deine Arme gleiten,
um dann mit Dir, das wünsch´ich mir -
nach des Lebens Mühen
ins Unendliche zu fliehen,
von einem Stern zum andern
im Weltenall umher zu wandern,
in andre Galaxien springen,
um dort, sollte das gelingen,
auf einer andern Erden
neu gestrickt zu werden.
Wie viele
Millionen Moleküle
ich da zur Verfügung habe?
Stell´ ich gleich die Frage!
Da lacht mein Geistiger Begleiter
und meint ganz heiter:
Das überlasse ich im All
… dem Zufall.
© Ernst Käsbauer
2 Waal ma nix de:in!
… rein vam Gfül gits sua vül,
wos ma dou me:in.
Statt voa uns hea sche:im,
uns d´Wouad zrecht be:ing,
uns d´Huck sua lang vull le:ing,
bis ma oine aafn Houd gre:ing.
Waal ma nix de:in!
Wiad d´Wölt
uns bal um d´Ouan fle:ing?
Uns as Holsbandl sua zou ze:ing,
bis ma koi Luft me:ina gre:ing?
Daschdign me:in?
Waal ma nix de:in?
Oda niad gnouch gre:ing!
Allas hom me:in!
Und niad saa le:in,
wos ma in uns ei ne:in,
wos ma zum Leem …
goua niad hom me:in.
Obwohl ma wissn de:in,
wos ma am Ne:idigsdn he:in!
Owa´s trotzdem niad de:in!!
Is wiagle … zum Be:ing!!!
© Ernst Käsbauer
3 As is … wöis is
Wennst in alla Fre:ih scha spannst,
dassd den Dooch vagessn kannst,
waal aaf da Uhr dei Zeit varinnt,
nu dazou as Weeda spinnt.
Wos mi ganz naarisch eachad,
waale gean a Sunna seachad,
de:i vanam blaua Himml schaut
und koine Wolgn … zamma braut.
Wennst in surana Stimmung hengst,
und langsam schpiast,
dassd heind … nix me:ina reißn wiast,
waals niad leicht zum ändern is,
dann resigniast und denkst:
„As is … we:is is!
E:itza mousst easchd recht wos dou!
Lou de:i Stimmung goa niad zou!
Dou niad waddn bis wos gschiad,
des am End … di schickaniad!
Mia kinna mid zwoa Augn
scha va Weiddn … zwoa Seiddn vanara Sach oa schaugn.
Danou mous Hian vül dengn
und Meinunga vaschengn.
Aa nemma kannst dann oine,
meglichaweis … a koine.
Wemma va oin hean:
„As is … we:is is!“
Wiad a andana draf pläan:
„Nix bleibt sua … we:is is!“
Wenn zwoa sua afananda brumma,
we:i solln de:i … zuananda kumma?
Als Le:isung he:ide dou:
Ajeda gitt … sua nou und nou
… a bissal nou!!
© Ernst Käsbauer
4 Schnöi 2
Mia kina uns freia,
as doud wieda schneia!
Niad jedan freid,
wenn se Schne:i-flockn,
we:i a moind, zua unrechtn Zeit
vua sei Hausdier hi hockn,
und woind:
„Dean weißn Salat
he:ide vül le:iwa,
ogseang vam Gsche:iwa -
zu Weihnachtn gern khat.“Dazou he:ide
a Idee … a ble:ide!
Wenn ka Schne:i
zu uns zua Weihnacht
niad kumma moch,
nou sche:ima doch,
- sua kannt´s ge:i,
a wenns a Gwiach macht -
Weihnachtn iwe zum Schne:
Wea lamentiad,
dass uns zu Weihnachtn
da Schne:i ignoriad,
der sollt scho draaf achtn,
dass a neamd provoziad.
Waal dea a boa Wochn draaf,
wecha dean sauble:idn Gwaaf,
sua vül Schne:i oia schickt,
dass ma fast drin dastickt.
Woiss da Geia,
ich dou me freia!
Ich kann zum Schne:i
asse ge:i
zum Ramma und Schippm
vua meina Hittn.
Unds Beste is,
des woiße gwieß,
noum Schwitzn
deafe wieda drinna sitzn.
Und ich drauma sogoa soong,
mid meim Weiwal vadroong.
Ou-ja!
Sche:i is heid!
S´houd wieda gschneid
© Ernst Käsbauer
5 Fizerl
Irgendwann
dengsd dran
oda sagst sogoa
e:itz bagg es oa
… as Schreim
Oda ma dengd:
„Bevoa ses Hirn varenkt,
lou es le:iwa bleim!“
Owa wenn suara Idee aaf blitzt,
oin nix annas iware bleibt,
als dass mas aa glei nieda schreibt,
waal ma grod am Schreibtisch sitzt,
wenn des Fizerl niad aaf he:iad
und niad roud,
di sogoa beim Schnaufn ste:iad,
waals beim Reim nu holpern doud,
dann … ja dann
woas irgendwann
fias Aafhe:ian
… scho zschbaad
und´s Umke:ian
… zoudraad.
Eichendle langads dia … fias Easchde
und ich sooch zu mia: „Beheasch de!“
Dous niad iwadreim,
niad jedas Fizerl nieda schreim,
waal d´Leit niad gean
he:ian oda leesn wolln,
wos deam
und wos niad dou solln.
Owa we:i scho gsagt,
wenn an dia a Fizerl nagt
und nou an grobm Fetzn schreid,
dia nix annas iwa bleibt,
als unda staadn Flouchn
an fetzn Reim zun souchn.
As Ble:ide is an dera Gschicht,
vül Reime san nu koi Gedicht.
Dann sitzt und schaust und denkst,
sua, dass´di halwe Nacht niad pennst.
Houst dann gnouch rum gschbuna
und an fetzn Reim grod gfuna,
deafst de deastweng,
aaramal kuaz nieda legn.
As is vatrakt.
Du housd vül gredt,
ins Zeich di glegt,
owa niad vül gsagt.
Ob jedas Fizerl dafia daugt,
dass ma di grouße Trumml haut,
mechte zwoa bezweifln,
owaraa niad ganz vadeifln.
Da Depp bist e:iana du,
wennst spannst,
dass´d blouß nu …
reimisch denkn kannst.
D´Leit san drollich
und Katzn rollich.
Warum ´s sua is
woiß koina gwieß.
As Schlauste is
deastweng fia mich,
sua he:ide dacht,dass a jeda sich
sein eichnan Reim draaf macht.
© Ernst Käsbauer
6 Eine Quadrologie
1 Von Fall zu Fall
Bevor ich erste Schritte wage
ich leise zu mir selber sage,
damit ich´s auch beachte:
„Tu langsam, Bub, gaaanz sachte!“
Selbst vor wackeligem Gehen
musst du erst mal sicher stehen.
Nach langer Nacht, auch kurzem Sitzen, muss man sich vorm Fallen schützen.
Stürze gilt es zu vermeiden, um an den Folgen nicht zu leiden.
Bevor das Hirn versucht zu lenken,
muss es erst warm sich denken.
Was es nach langer Nacht
gar nicht gerne macht.
Denn das nächtlich lange Liegen,
lässt die Denkarbeit versiegen.
Und nach des Tages Frust
auch die Bewegungslust.
Die Gelenke rosten ein.
Und das nicht nur an einem Bein.
Zudem verhärten Muskelstränge
auf nahezu gesamter Länge.
Diverse Eiweißlumpen
nach und nach verklumpen.
In den Muskelzwischenräumen
reichern sich die Biester an.
Man kann nur davon träumen,
wie man sie wieder los wer´n kann.
Meine Lauf-Geschwindigkeit
war gut … in der Vergangenheit.
Jetzt ist sie auf Null gesetzt,
auf moderates Geh-Tempo gedämpft,
selbst dann, wenn jemand hetzt
und für flotte Märsche kämpft.
Mein Bewegungsmelder sagt mir klar
ich bin nicht mehr der,
der ich mal war
und nicht erst seit dem letzten Jahr.
Oh Mann, das fällt echt schwer.
Außerdem tut er mir kund,
mein Laufstil eiere unrund.
Zwar wär´s dem Alter angemessen,
am besten aber sollt ich ihn vergessen.
Denn es gilt bei jedem Schritt,
Mister Parkinson läuft mit
und der … kann nicht gut laufen,
nur teure Medizin versaufen.
Der Doktor mahnt in seinem Schreiben,
der Patient möge viel Sport betreiben
und nicht lang am Stuhle kleben,
sondern oft ein paar Gewichte heben.
So scheue er sich nicht,
sein eignes Leibgewicht
so oft vom Sitzen in den Stand zu hieven,
bis Schweißtropfen von der Stirne triefen.
Nach einer Sitz-Session
- ob lang, ob kurz … ist ganz egal,
beim Aufsteh´n merk ich´s allemal:
ist die Steh-Position
noch instabil,
zumindest grob labil.
2 Der Sturz
Das Gleichgewicht verlieren
kann daher sehr leicht passieren
und du setzt dich immer wieder
auf deinen Badehocker nieder.
Dann darfst du dich
gleich mehrmals schinden,
um hoffentlich
heraus zu finden,
ob sich´res Stehen funktioniert,
bevor man Gehen ausprobiert.
Willst auf einem Bein nur stehen,
musst dazu die Hand noch nehmen,
und dich senkrecht halten,
trotz der zittrig Hand, der alten.
Denn, kippst du aus dem Lot,
färbt sich das Körperteil blaurot,
welches zuerst den Boden küsst.
Fragt dich jemand couragiert
aus purer Neugierde verführt:
„Wie konnte das passieren?“
wirst´ kleinlaut reagieren:
„Tja, wenn ich das nur wüsst!“
Natürlich weißt du es genau,
hieltest dich für superschlau:
„In das zweite Hosenbein
komme ich freihändig rein!“
Doch tückisch sind die Hosenröhren,
noch dazu die modisch engen.
Willst du dort hinein dich zwängen,
solltest du auf Stimmen hören,
die schon lange darauf schwören,
das Freihändige zu lassen,
sonst kommt die Frage nach den Tassen!
… und dem Schrank!
Na dann: schön Dank!
Jetzt lauscht auf die Geschichte
über die ich nur verkürzt berichte:
Langsam tat der Leib sich senken.
Der Kipppunkt wurde überschritten.
Der Befehl vom Hirn zum Gegenlenken
ist an verklumpten Muskeln abgeglitten.
Du merkst, du fällst,
obwohl du es nicht willst.
Ist es ein Traum? Geschieht das echt?
Ich noch im Fallen wissen möcht.
Wie lange dauert das denn noch?
und wie tief ist dieses ominöse Loch?
Bautz!!! Hat es gemacht,
als mein Körper auf den Boden kracht.
Jaja! Schwerkraft kennt kein „sacht!“
Hart gelandet, aber nichts gebrochen.
Ich bewund´re … meine alten Knochen.
Hab mich mühsam wieder aufgerichtet
und beschließ noch unter Schock:
Auf etwas wird ab heut verzichtet:
Ich steige nicht mehr auf den Bock!
Ich muss nicht rennen, radeln, sausen.
Solln doch Jüngere durchs Leben brausen.
Um meine Sinneskraft zu schärfen,
muss ich mich nicht zu Boden werfen.
Spazieren gehen, Leut´ studieren,
Gegend sehen, Fotografieren,
oder nur Schauen beim Flanieren,
tun das auch … sagt mein Bauch!
3 Die Untat
Mein asymmetrisches Gerippe,
geerbt von meiner Sippe,
das Schlüsselbein verwachsen,
verzogene Längsachsen,
sind Ergebnisse
meiner Erlebnisse,
sowie einiger Untaten.
Ich werde eine gleich verraten.
Da wären noch Unglücke und Unsinn,
ein Wunder, dass ich so alt geworden bin!
Als kleiner Bub hab ich gesehen,
der Opa tat am Leiterwagen,
der, vom Heu entladen,
auf des Hofes Schräge stand,
mit seiner starken Hand an etwas drehen.
Meine Neugier wart geweckt:
Was hat der Opa denn
mit dieser Kurbelei, die ich nicht kenn,
bezweckt?
Versunken in Gedanken, keine bösen,
tat ich die Kurbel etwas lösen.
Daraufhin sah ich entsetzt,
wie das Gefährt sich in Bewegung setzt.
Aha, denk ich, das ist der Sinn.
Nur gut, dass ich zugegen bin.
Doch kein Helfer war in Sicht,
man hörte meine Rufe nicht,
denn die Leute warn indessen,
weil Mittag war, beim Mittagessen.
Das Kurbeln hätt ich lieber nicht getan,
denn das Gefährt begann
der Schräge wegen
sich langsam schneller zu bewegen.
Eine massive Säule aus Granit,
fest am Gartenrand
in den Boden reingerammt,
brachte das Gefährt zum Glück
fast unbeschadet zum Stillstand.
Jetzt gibt’s was auf die Hose,
dachte ich mit Schrecken.
Sah in Gedanken schon den Stecken
auf meine frei gelegte bloße
Hinterseite niedersausen.
Doch statt verärgert aufzubrausen,
haben alle nur verdutzt geschaut,
wirkten etwas konsterniert.
Da sagt plötzlich einer laut:
„D´Habtsach is, an Boum is nix passiert!“
Ich stelle mir bis heute Fragen,
was wär geschehen, wenn …
ja wenn an solchen Unglückstagen
eine wohl gesinnte Hand,
- auch Schutzengelchen genannt, -
in die Speichen meines Lebensrades
nicht hinein gegriffen hätte,
und die Kurven meines Lebenspfades
nicht begradigt hätte.
Bei der Vielzahl an Malheuren
möcht ich die Antwort gar nicht hören.
Nur ganz selten ist es Glück,
triffst du auf eine Säule aus Granit!
4 Der Tag
Schon beim Aufrichten
halb spät im neuen Tage
erlebe ich die erste Plage
und würde gern darauf verzichten.
Die Muskeln sind
nicht locker,
sondern steif!
Der Kreislauf zwingt
mich auf den Badehocker
und ich begreif,
wenn Stehen nicht gelingt,
werde ich mich wieder setzen,
still verhalten und nicht hetzen.
Tiefes hinunter Bücken,
um Füß´ mit Socken zu bestücken,
befördert im Bewusstsein Lücken.
Der Kreislauf fängt zu trudeln an.
Ich fahre schwindlig Achterbahn.
Damit ich überlebe,
ich schnell der Frau die Socken gebe,
denn sie kommt von vorne dann,
viel leichter … an meine Füße ran.
Dazwischen schlucke ich Tabletten.
Sie werden mich erst später retten,
denn die Wirkung dieser Pillen
geschieht verzögert und im Stillen.
Bin immer noch etwas benommen.
Hab´ sie wohl zu spät genommen
oder zu früh? … ich weiß es nie.
Dann: Unterwäsche, Hemd und Hose,
alles dran am Mann, nichts ist mehr lose.
Endlich kann ich es riskieren,
ein paar Schritte absolvieren.
Zunächst wird erst mal seehr
laangsam los geschlurft.
Für „schnell“ hätte es vorher
mehr stabiles Steh´n bedurft.
Die Füße heben, nur nicht stolpern,
die Bewegungen tun eh schon weh.,
Dann, nach kurzem Holpern,
heißt es endlich: Schmerz ade!
Erstaunlich, wie schnell ein Tag vergeht,
den man zeitlupenartig grad verlebt.
Es ist gar nicht so lange her,
da peste ich mit 100 übern Teer.
Jetzt haftet an mir Wandersmann
ein 6-km-Schild vorne dran.
Die Störung einer Nervenbahn,
- das nehm ich an,
ja behaupt ich glatt -
liegt an deren … Wa ckel kon takt.
Solche Wackler lassen Muskeln zittern.
Betroffene können übers Zittern twittern.
Denn mit Onkel Parkinson im Haus
gehst du geradewegs
… nicht mehr gerade aus.
Es ist nicht leicht,
mich Parkinson verseuchten Alten
täglich in der Spur zu halten.
Aber: Nicht ums Verrecken
möchte ich mit Wanderstecken
über unsere Fluren zieh´n!
Owa e:iamal … machts halt Sinn!!
© Ernst Käsbauer
7 Ein Schatz
Ich wohn´ in einem Haus,
aus dem sind längst
die Kinder raus.
Das heißt, du hängst,
bei reichlich Platz
in lichten Räumen,
allein mit deinem Schatz
rum … wie in Tagträumen.
Es ist nicht bloß dahin gesagt,
nicht mutig oder sehr gewagt,
bevor man es vergisst
zu äußern, … wie es ist:
Ein Schatz, ein süßer Fratz,
wenn auch etwas betagt,
durch unsre Flure eilt
zu retten den, der sehr verpeilt,
frohgemut und unverzagt
oft in andren Sphären weilt.
Ein Schatz, ein Juwel,
ein Lotteriegewinn!
Ja meiner Seel,
wie froh ich bin,
mit ihm allein
im Haus zu sein.
Ein Diamant, Smaragd, Rubin!
Du findest ihn
… auf keinen Fall … überall.
Selten sind beizeiten
die Gelegenheiten,
so ´nen Schatz zu finden.
Ihn an sich zu binden,
ist des Glückslos zweiter Teil,
wenn sie - noch nicht betagt -
dann endlich sagt:
„Oh geil!
Ich will bei diesem Fritzen
bis auf weiteres einsitzen.
All die andern
Verehrer“
(es waren derer
… mehrer)
„sind mir jetzt einerlei.
Es bleibt dabei:
Die soll´n weg wandern.“
Seitdem ist dieser Fratz bei weitem
das Best´ an meiner Seiten.
Denk ohn´ Gedächtnistrübung
und mit mir im Reinen
ich später mal zurück,
dann würd´ ich meinen:
Es war Fügung
… oder einfach Glück!
© Ernst Käsbauer
8 Malädda
Aaf oimal iss dou:
des Neie!
Kam oina woiss va wou
des Neie … heakummt
. Weas uns aafbrummt!
As is malädda goud ganga!
Woarum um himmlswüln
wos Neis oafanga?
As kamma koina vazüln,
dass wos Bessas noucha kummt!
As is doch immahin
in jedan Joua sogoa
agrad asua bliem
we:is e:itzad is,
malädda woa,
scha allawaal gween is.
Dou wiad niad lang noudacht,
waals hoißt - we:isd woißt:
Homma scha imma sua gmacht!
Is malädda sua gween!
Also fia wos brauch mas denn?
Und assadeem … fia ween?
As braucht eh koina,
soong di oina.
Vo di andan heasd,
dassd beidld kheasd,
wennst nix Neis prowiasd,
niad a bissal fantasiasd,
dass dea as Leem vapennt,
dea blouß nu zruckrisch rennt,
anstatt sei Leem aaf frischt,
bis oin am End
da Boinane dawischt.
Owa as is halt sua,
dass im Hian dahind
bei manche Leit
- egal we:i gscheid -
a freie Denkstruktua
koin Blootz niad find.
Also wiad
ma weidda schtrein!
Wea recht houd und wea niad,
- hintnouche oda zeaschd -
wiad eh easchd
d´Zukunft zeign.
As is malädda sua gween
und as wiad a sua bleim!
Obs Nei güld odas Ald
Du wiasd as seegn,
wos wou hi fald!
As Beste bleibt und is
nou allm Schtrein
a Kompromiss!
© Ernst Käsbauer
9 Fußabdruck
Eine milliardenfache Menschenherde
mit kleinem Hirn aber großen Füßen
trampelt derzeit über Mutter Erde.
Die Herde wird dafür noch büßen.
Eigentlich … ist es schon so weit,
denn seit erdgeschichtlich kurzer Zeit,
- in Jahren nicht mal hundert -
merken Menschen ganz verwundert,
dass die einst fast zahme Welt
sich gar nicht mehr so zahm verhält.
Statt Regenschauer schüttets Güsse.
Aus Bächen werden große Flüsse,
die schnell zu einem Strom anschwellen,
dessen immense Wasserkraft,
gepaart mit hohen Wellen,
einfach alles … mit sich rafft.
Lange Hitzeperioden
zieh´n die Feuchte aus dem Boden.
Die dadurch ausgedörrten Wälder
und vertrockneten Getreidefelder
brennen schier wie Zunder nieder.
Kaum gelöscht, lodern sie schon wieder,
angefacht von heißem Wind,
weshalb auch sie … bedrohlich sind.
Zurück bleibt schwarze Erde,
und eine verstörte Menschenherde.
Jeder kriegt für seine Kreise
auf seiner kurzen Erdenreise
- wenn man es gründlich überdenkt -
die Ressourcen, die er zum Leben braucht,
von Mutter Erde glatt geschenkt,
ohne dass es sie groß schlaucht.
Jahrtausende schon schafft
es der Planet,
dass die Herde überlebt,
weil er mit seiner Sonne Kraft,
mehr Ressourcen produziert,
als die noch kleine Herde konsumiert.
Doch plötzlich wird es schwierig:
Die Herde wächst und wird sehr gierig,
will es partout nicht bleiben lassen,
mit Millionen Edelkutschen
über zu geteerte Felder rutschend,
die Ressourcen übermütig zu verprassen.
Bis sie erschreckt erkennt,
als wieder ein Stück Wald abbrennt
und eine Regenflut ein ganzes Tal ersäuft,
dass das Klima aus dem Ruder läuft.
Egal, … wo ein Unwetter passiert;
egal, … wie entfernt du davon wohnst;
egal, … ob du Ressourcen schonst!
Du bist involviert! … Kapiert?!
Ich fürchte, ihr vergesst:
niemand … muss … auf den Mount Everest.
Allein schon dies erkannten
unsre fellbehaarten Halbverwandten.
Sie bleiben deshalb gern
diesem Hochgebirge fern.
Nur der Mensch, der Vollidiot,
riskiert dort seinen Heldentod,
und lässt zu all dem Missgeschick
noch tonnenweise Müll zurück.
Will die Menschheit überleben
und die Hoffnung nicht aufgeben,
sollte sie mal folgendes probieren:
Keinen Müll mehr produzieren,
ihn zumindest minimieren,
und da, wo einer liegt,
nicht liegen lassen,
in der Hoffnung, dass er weiterfliegt,
sondern beherzt zu fassen
und säuberlich entsorgen!
Heute … und nicht Übermorgen!
Aus biologischem Kalkül
sollte man ein Molekül
mit erwiesener Tendenz
zu hoher Abbauresistenz
erst gar nicht generieren,
denn auf seine lange Lebensdauer
reagiert die Natur so richtig sauer.
Dann wird die Erde uns verlieren,
die Gattung Mensch … nicht mehr existieren!
Trotzdem machen viele weiter
wie bisher,
bleiben unbeeindruckt heiter,
nehmen alles nicht so schwer.
Da behauptet einer unverhohlen:
„Solche Wetterkapriolen
gab es - auch in dieser Dichte -
schon mehrmals in der Erdgeschichte.
Ich mach mir wegen Morgen
deshalb keine großen Sorgen,
selbst, wenn ich es müsste.“
Eine witzige Gewissheit bleibt:
je mehr der Meeresspiegel steigt,
umso kürzer wird der Weg zur Küste.
Ich fürchte aber, ihr vergesst,
wenn das Steigen nicht nachlässt,
verlebt der letzte Menschenrest
seine Endzeit … auf dem Everest.
Ein Ignorant
mit Logik kaum vertraut,
meint süffisant:
„Warum das Klima Krisen braut,
habe ich noch nie begriffen.
Ich brauch zur Not nur etwas Kraut
… zum Kiffen!“
Kommt des Menschen Innung
doch noch zur Besinnung
und stoppt die Erderwärmung,
reduziert sie gar,
so wie sie mal war,
dann, ja dann … Entwarnung!
Aber wenn das Fieber weiter steigt
und der letzte Wald verbrennt,
der letzte Mensch zu spät bekennt:
„Wir haben es … vergeigt!“
Die winzig kleinen Teilchen,
die man Atome nennt,
oder auch als Ionen kennt,
existieren schon ein langes Weilchen.
Seit Trillionen Lichttagen,
sie bereits durchs Weltall jagen.
Wer das begreifen will
erkennt etwas verwirrt:
Die haben … gar kein Ziel,
sondern sich im All … verirrt.
Erst am Tage X, dem Bösen,
wird ein Endknall sie erlösen.
Dann wird man sehen,
welchen Weg sie gehen,
welche Atome in einem
großen oder kleinem
schwarzen Loch verschwinden
… und welche einen Fluchtweg finden,
auf diesem dann auch weiterziehen,
und mit unbändigem Bemühen
unter neuem Himmelszelt
eine bessere Welt
mit klügeren Halbaffen
… erschaffen!
© Ernst Käsbauer