Fritz Gärtner und Hermann Finsterlin: Maler, Grafiker, Illustrator und Bildhauer der eine, utopischer Architekt, Maler, Dichter, Essayist, Spielzeugmacher und Komponist der andere. So unterschiedlich die Ausbildung, die Arbeitsweisen, das künstlerische Umfeld auch waren - mindestens einen Berührungspunkt hat es gegeben: Schönau a. Königssee.
Königssee Fritz Gärtner |
Königssee Hermann Finsterlin |
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Selbstbildniss Fritz Gärtner |
Selbstbildniss Hermann Finsterlin |
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Es folgt der Versuch, einzelne subjektiv ausgewählte bedeutende und weniger bedeutende Ereignisse aus dem Leben der beiden Künstler parallel darzustellen, um einen kleinen Eindruck von Ort und Zeit vor dem Hintergrund zweier Weltkriege zu gewinnen.
Fritz Gärtner
Fritz Gärtner wurde am 28.02.1882 im böhmischen Aussig als Sohn des Oberlehrers Julius Gärtner geboren.
Nach einer kurzen Ausbildung an der Baugewerbeschule in Aussig erfolgte auf Anregung seines Vater eine fachliche Anleitung durch den befreundeten Maler Josef Reiner. Dabei war Fritz Gärtner an der Gestaltung der Innenräume in der Villa des Bergbauunternehmers Eduard Jacob Weinmann beteiligt und schuf für das Treppenhaus ein Triptychon, drei Freskengemälde mit der Allegorie der Industrie und des Handels. In der allegorischen Darstellung hielt Reiner zusammen mit Fritz Gärtner die Porträts aller Repräsentanten des Vereins einschließlich des Direktors Max Schaffner fest.
Fritz Gärtner
Ab 1900 Naturklasse von Gabriel von Hackl / Münchner Kunstakademie
Eintrittsdatum 14.05.1900
Weitere Ausbildung an der Kunstakademie als Schüler von Ludwig von Löfftz, Carl von Marr, Alexander Wagner und Peter Halm. Das künstlerische Hauptinteresse Gärtners galt der Malerei, daneben der Grafik und auch - in geringerem Maß - der Bildhauerei. Thematisch fand er vielleicht durch einen Akademie-Wettbewerb 1904 mit der Aufgabenstellung »Arbeit« seinen Schwerpunkt.
Mit seinen Gemälden und Grafiken fand Fritz Gärtner viel Anerkennung: 1906 und 1908 wurde er jeweils mit der silbernen Medaille der Münchener Akademie ausgezeichnet.
Fritz Gärtner
Beim Studium in München lernt Gärtner Hans Jordan jr., den Sohn des Kommerzienrates Hans Jordan sen. (Jurist und Bankier) kennen. Nach dem frühen Tod von Jordan jr. im Jahr 1903 gaben dessen Eltern Fritz Gärtner auf Schloss Mallinckrodt bei Wetter an der Ruhr (heute Herdecke) eine Wohn- und Arbeitsmöglichkeit. Im Park von Schloss Mallinckrodt wurde 1908 ein Atelierhaus nach Gärtners Plänen gebaut und bis 1933, dem Todesjahr von Cläre Jordan, lebte Gärtner wechselnd dort und in seinem Atelier in München in der Hiltenspergerstraße 40.

Fritz Gärtner
Gärtner wurde Mitglied in der Münchener Secession und im Deutschen Künstlerbund, hatte große Ausstellungserfolge und bekam überregionales Presseecho. Bemerkenswert war die Einzelausstellung: »Kollektion ‘Arbeit’», in der Gärtner zwischen 38 und 50 Werke zu diesem Thema an verschiedenen Orten zeigte: 1912 im Kunstsalon May in Dortmund und 1913 im Rudolfinum in Prag im Rahmen einer Künstlerbund-Ausstellung sowie in der Münchener Galerie Thannhauser.

Fritz Gärtner
Ein Hinweis aus der Zeit des Ersten Weltkrieges findet sich bei einer Auktion zum Verkauf des Bildes Leuchtende Stunde:
Das hier angebotene Gemälde entstand in dem Atelier in Mallinckrodt, wurde aber wahrscheinlich in München fertig gestellt. Fritz Gärtner hat es rückseitig bezeichnet »No. 415 Leuchtende Stunde«. Ein ungewöhnlicher, eher lyrischer Titel, der im Gegensatz steht zu der zweiten, von anderer Hand hinzugefügtem Titel: »Deutsche Waffenschmieden 1916, Berlin«. So bezeichnet erschien die Abbildung des Gemäldes auch in der Zeitschrift »Die Jugend«, 1914. Da Fritz Gärtner selbst Mitarbeiter der Zeitschrift »Jugend« war, ist davon auszugehen, dass er mit dem neuen Titel einverstanden war. Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse und dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde das spätimpressionistische »Industrieportrait« durch den neuen Titel völlig umgewertet und ein Bild nationaler Propaganda.

Fritz Gärtner
Ebenfalls aus dieser Zeit: ein Beitrag für die Zeitschrift Der Türmer.
Der Türmer. Monatsschrift für Gemüt und Geist war der Name einer nationalkonservativen, protestantischen Kulturzeitschrift, die von 1898 bis 1943 erschien und lange Zeit von dem baltendeutschen Schriftsteller Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß herausgegeben wurde. Zerfallserscheinungen in der deutschen Kulur, etwa den Materialismus in imperialistischer wie in sozialistischer Ausprägung, setzte der Türmer einen Kulturbegriff entgegen, der der aufkommenden Heimatkunstbewegung nahestand. Der Türmer steht als eine maßgebliche Quelle für einen prekären Traditionszusammenhang des frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland: Er zeigt, wie der Kulturbegriff der Heimatkunst vor 1914 in den der Konservativen Revolution nach 1918 mündete und diese dann ab 1933 in die neuheidnischen Blut-und-Boden-Konzepte des Nationalsozialismus einfloß.
Als Beilagen der einzelnen Hefte des Türmer gab es Notenblätter und Kunstdrucke. (nach Harald Fischer Verlag und Wikipedia)
![]() Der Türmer Kriegsausgabe 1914 - 1915 |
![]() Seite 792 Ran an den Feind von Fritz Gärtner |
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Fritz Gärtner
Aus der Zeit kurz nach Ende von Weltkrieg I werden einige Plakate mit politischem Inhalt Ftitz Gärtner zugeschrieben:
- ein Wahlaufruf für die Bayerische Volkspartei
- ein Plakat mit dem Titel Wehr und Arbeit.
![]() Fritz Gärtner 1918 |
![]() Plakat Fritz Gärtner1918 |
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Unklar ist zu welcher Wahl durch das Plakat eine Aufruf erfolgte.
https://www.iwm.org.uk/collections/item/object/10489 https://www.barnebys.de/endpreise/fritz_g%C3%A4rtner.html
Es konnten auch keine Informationen über eine Ausstellung vom 15. Juni bis 15. Juli 2018 im WEISSEN SAALE des POLIZEIGEBÄUDES in München gefunden werden.
Fritz Gärtner
Fritz Gärtner bezeichnete sein Atelier als sein Festspielhaus. Schloß Mallinckrodt entwickelte sich Anfang der 20er Jahre zu einem Treffpunkt von Kultur- und Kunstinteressierten. Hier lernte er auch seine spätere Frau Franziska kennen, die später auch Modell für Bildwerke und Skulpturen wurde (z.B.für das Bild Die große Garbe oder für die Bronzeplastik Rast).
![]() Die große Garbe |
![]() Rast, München-Medizinische Lesehalle |
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Fritz Gärtner
Im Umfeld von Schloß Mallinckrodt schuf Fritz Gärtner in der Mitte der 20er Jahre seine bedeutensten Werke. Das belegt auch die Sammlung Ludwig Schönefeld, die mit über 1.500 Gemälden, Aquarellen und Grafiken zu den wichtigsten Sammlungen zur Industriemalerei im Ruhrgebiet zählt.
240 ausgewählte Gemälde und Grafiken aus dieser Sammlung sind in der Ausstellung Das Land der tausend Feuer. Industriebilder aus der Sammlung Ludwig Schönefeld Ruhr Museum, Essen, 7. April 2025 bis 14. Februar 2026. zu sehen.Laut Aussage von Ludwig Schönefeld ist das Initialbild der Sammlung das Gemälde Hochofenabstich von Fritz Gärtner, welches er 1986 im Keller eines Verwaltungsgebäudes der Frankfurter Hoechst AG entdeckte.

Fritz Gärtner
Um 1920 dürfte das Spiel Unter rauchenden Schloten Ein Reise-Würfelspiel im Verlag Jos. Scholz Mainz erschienen sein. Die Illustrationen (Schachteldeckel und Spielplan) wurden von Fritz Gärtner gezeichnet. Auf den 60 Spielfeldern sind etliche Motive zu sehen, die in seinen Gemälden verarbeitet sind.

Fritz Gärtner
Unter rauchenden Schloten

Spieleschachtel
Auf dem Spielplan sind sowohl die Titel einiger seiner Gemälde, als auch Motive aus seiner Umgebung (z.B. Schloss Mallinckrodt) abgebildet.
![]() Brot und Eisen |
![]() Schloss Mallinckrodt |
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Sogar die Zinn-Spielfiguren sind nach Motiven von Fritz Gärtner gestaltet.
![]() Zinnfigur |
![]() Bronze |
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Fritz Gärtner
Aus dem Handbuch des Kunstmarktes (1926):
Gärtner Fritz. Werke in öffentlichen Sammlungen: Frühling in der Gärtnerei, Malerin, Melkplatz, Mäher.

Fritz Gärtner
Aus: Das größte Industriegemälde der Welt (9.05.1925 Der Bildereinrahmer und Vergolder)
Februar bis August 1924: Das Thema lautete für mich: Die Sonne als Urquell der Kräfte. Damit war die unbedingte Notwendigkeit gegeben, von diesem Urquell auszugehen und was überhaupt an Kraft zu Wasser und zu Lande, in der Luft und den Tiefen de Erde vorhanden ist, bildlich und malerisch zu erfassen und in eine gegenseitig verbindende und in allen Haupt- und Nebenmotiven einheitlich zusammenklingende Sinfonie zu bringen.
November 1924 Bau der Gerüste in der Kraftmaschinenhalle des Deutschen Museums
Ende Februar 1925 konnte mit Riesengewinden das Gemälde, mit Rahmen und Leinwand 18 Zentner schwer, von einer Kolonne von Arbeitern an die Giebelwand gebracht werden.
Mitte April 1925 Fertigstellung und Überreichung einer goldeingerahmten Urkunde:
Dem begeisterten und opferwilligen Schöpfer des prächtigen Gemäldes „Die Sonne als Urquell der Kräfte“, der durch seinen genial erdachten Aufbau und die meisterliche Ausführung eines der hervorragendsten Kunstwerke des Deutschen Museum ist, spendet die Vorstandschaft des Deutschen Museums vollste Anerkennung und herzlichen Dank.
Dr. Oskar v. Miller, Dr. W. v. Dyck, Dr. Georg Kerschensteiner.
Fritz Gärtner

Zerstörung von Die Sonne als Urquell der Kräfte
In den letzten Kriegsjahren 1944 und 1945 treffen bei sechs Luftangriffen mehrere Tausend Brand- und Sprengbomben das Deutsche Museum. Die Tagesangriffe der US Air Force am 12. und 21. Juli 1944 verursachen schwere Zerstörungen am Museumsgebäude, vor allem in den Abteilungen Schiffbau, Flugtechnik, Kraftmaschinen und Lokomotiven. Als Folge muss das Museum dauerhaft geschlossen werden. Am Kriegsende sind 80 % der Gebäude beschädigt oder zerstört.
Fritz Gärtner
Teilnahme an der Münchener Kunstaustellung im Glaspalast 1931
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Beim Brand des Glaspalasts in der Nacht zum 6. Juni 1931 wurden über dreitausend Gemälde unter anderm von Caspar David Friedrich, Moritz von Schwind, Schinkel und Runge verbrannt. Auf der Liste beim Brand des Münchner Glaspalastes zerstörter Werke stehen auch zwei von Fritz Gärtner.

Aus Liste beim Brand des Münchner Glaspalasts zerstörter Werke
Fritz Gärtner
Fritz Gärtner war in den Jahren 1939, 1941 und 1942 mir jeweils einem Gemälde bei der Großen Deutschen Kunstausstellung in München vertreten.
Neuzeitige Hochofenanlage GDK 1939 Saal 12 |
Verladehafen GDK 1941 Saal 39 |
Reifenschneider GDK 1942 Saal 30 |
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Die Teilnahme an den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Münchner Haus der Kunst seit 1937 ist kein Kriterium für das Verhältniss eines Künstlers zu der offiziellen Kunstideologie.
Günter Aust in Ausstellung: Die Dreissiger Jahre. Schauplatz Deutschland p 88.
Fritz Gärtner
Tragischerweise wurden die Wohnung und das Atelier in München durch einen Bombenangriff am Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört. Ein großer Teil seines Lebenswerkes ging verloren. Die Familie Gärtner wurde evakuiert, erhielt zunächst eine Bleibe in Prien am Chiemsee. Wenig später siedelte sie nach Schönau am Königssee über. Dort versuchte Fritz Gärtner, sich wieder als Maler zu etablieren. In der kleinen Schornkapelle des ehemaligen Schlosses Hubertus konnte er für die erste Zeit ein provisorisches Atelier einrichten. Den Lebensunterhalt mußte er mit den wenigen Aufträgen und mit dem Verkauf seiner Bilder bestreiten. Er malte jetzt Landschafts- und Blumenbilder mit Motiven aus dem Berchtesgadener Land. Ferner gab er Kunstunterricht an einer Privatschule. Im Jahr 1956 zog es ihn wieder nach München.
Die Schornkapelle oder Schornkirche wurde offenbar schon kurz nach 1860 erst als Maleratelier und am Ende nur noch als Rumpelkammer genutzt. Erst 1957 wurde sie wieder als evangelisches Gotteshaus mit dem Namen Hubertuskapelle geweiht.
Laut handschriflicher Notiz im Archiv von Schönau wohnte Fritz Gärtner vom 27.3.1945 im Hs. Antonie und ab 31.10.1949 im Ldhs. Grundmühle (schräg gegenüber der Schornkapelle) bis zu seinem Wegzug nach München am 30.7.1956.
Schornkapelle Bild 2011 Wikipedia |
Landhaus Antonie Schönau |
Landhaus Grundmühle Postkarte 1986 |
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Fritz Gärtner
Warum zum Beispiel durfte der in München ausgebombte Maler, Grafiker und Zeichner Fritz Gärtner, der unmitelbar nach dem zweiten Weltkrieg ins Berchtesgadener Land kam, nicht Mitglied im Berchtesgadener Künstlerbund werden. […] Gärtner kam mit einem Professoren-Titel in die Alpen. Nun kann ein solcher Titel durchaus förderlich sein bei potentiellen Kunsterwerbungen, sprich: Der Käufer, der oft ein Laie in Sachen Kunst ist, orientiert sich an seinem Geschmack, wenn er einen hat. Schwankt er noch zwischen verschiedenen Arbeiten, könnte der „Professor“ eventuell den Ausschlag geben. Dachten zumindest einige der seinerzeit in Berchtesgaden ansässigen Maler und Bildhauer, denn Gärtner führte auch Bildhauer und Medailleur als Berufsbezeichnungen auf seiner Visitenkarte, und sahen sich offensichtlich vor dem geistigen Auge verarmt und in der Schlange vor der Suppenküche stehend. […] Es gibt einen erhaltenen Briefwechsel, der genau diese Sorge zum Thema macht. Wenn auch nicht immer ehrlich als solches benannt. Es ging um den Professoren-Titel. Wieso ist Fritz Gärtner Professor und wenn er es schon ist, dann muss er es (uns) nachweisen. Also Bringpflicht den Platzhirschen gegenüber. […] Mit dem offiziellen Briefkopf des Künstlerbundes schrieb der damalige Vorsitzende im März 1952 an den Kollegen Gärtner. […] Es ging um den Titel, natürlich. […] Man habe, schrieb der Vorsitzende nichts diesbezügliches finden können, was Zweifel „nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Kollegen“ hervorrief und worüber man lächelnd hinweggehen würde, „wenn wir nicht mit der Tatsache rechnen müssten, dass das oft urteilslose Publikum (nicht der Kenner) sich beim Erwerb eines Kunstwerkes von dem Titel Professor erheblich beeinflussen ließe. Dieter Meister“
Aus: Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Berchtesgadener Künstlerbundes e.V. 2019
Fritz Gärtner

Nach 12 Jahren Evakuierung - Rückkehr nach München
Hermann Finsterlin
Hermann Finsterlin wurde 18.08.1887 in München als Sohn des Chemikers und Fabrikbesitzers Robert Finsterlin und dessen Frau Bertha Edle von Berueff geboren. Sein Urgroßvater war Hofmaler und Freund Ludwigs I..
Sein Vater war Besitzer eines Landhauses in Schönau a. Königssee. Der Meldezettel (Archiv der Gemeinde Schönau) enthält kein Zuzugsdatum (die Berufsbezeichnung Rentner weist auf einen Zuzug um 1900 hin) und eine unverständliche Adressenangabe. (Gnotschaft OS I Finsterlin ?)
Hermann Finsterlin
1905–08 privater Kunstunterricht in München, unter anderem bei Walter Thor und Hermann Groeber. Mit Freunden Gründung eines freien Ateliers; Finsterlin führt die Berufsbezeichnung Kunstmaler.
Zu Walter Thor:
Nach einem Studium an der Münchner Kunstakademie gründete Walter Thor in München eine private Mal- und Zeichenschule (seit 1904 Wohnung und Atelier in München), die er bis 1921 leitete.
Zu Hermann Groeber:
Nach seinem Kunststudium an der Münchner Akademie, Studienreisen nach Holland, Frankreich und Italien, gründete Hermann Groeber 1898 in München eine eigene Malschule. Ab 1907 lehrte er an der Münchner Kunstakademie deren “ordentlicher Honorarprofessor” er ab 1913 wurde.
Hermann Finsterlin
1908 bis 1914 wohnt Finsterlin abwechselnd in Schönau und München
Gedichte bilden einen umfassenden Komplex des Finsterlischen Gesamtwerkes, mit ersten Anfängen um 1904.
Gedicht mit dem Titel Schönau 1908 \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Gedicht, zwischen 1908 und 1910
Die alten Berge, der alte Wald, \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Wurmstichig ist mein Wanderstab
Der alte Mond über den Feldern, \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) vom Stiefel bis zum Knauf,
Der alte Laut der widerhallt \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Ich wandre die Berge bergauf, bergab
Aus den tuschelnden Wäldern. \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Und halte mich nirgend auf.
Mein Herz nur ist jung, und die Geister der Nacht, \(~~~~~~~~~~~~~~~\) Die Runen in meinem Knotenholz
Die wassergebornen Gestalten, \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Bewundert Snob und Gesind,
Die kämpfen den Kampf um die heilige Macht \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Ich aber lache vor Lust und Stolz,
Des Lichts mit dem Alten, dem Alten. \(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Weils doch die Würmer nur sind.
\(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Erzähl ihnen von meinem Reebenstock
\(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Manch wunderliche Mär,
\(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) und schüttle mein blondes Greisengelock
\(~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~\) Als ob ein Dichter ich wär.
Hermann Finsterlin
![]() etwa 1910 |
![]() etwa 1912 |
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In dieser Zeit des Doppellebens in Berchtesgaden und München entstanden neben einer Vielzahl von Gedichten mit mehreren Veröffentlichungsversuchen in der Zeitschrift Jugend auch Porträts und Landschafts- und Naturdarstellungen, sowie frühe Reklamepostkarten und Wandgemälde (Odol Reklame, Wandgemälde Weinhaus Gilitzer, Photo - unklar ob nur Entwurf).
![]() Postkartenentwurf Odol, etwa 1910 |
![]() Weinhaus Gilitzer in München, etwa 1910 |
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Hermann Finsterlin
Vor dem Kriegsdienst hat mich ein Reitunfall bewahrt. So habe ich den Ersten Krieg in sträflicher Freiheit schaffend überstanden, bis die Inflation Besitz und Vermögen wegfraß bis auf das Landhaus und einen Grundstückrest, der dann später wieder ein bescheidenes Leben und Schaffen in Freiheit ermöglicht.
Naturwissenschaftliches Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Einträge in das Kollegienbuch
Wintersemester 1914/15
Anorganische Experimentalchemie (von Baeyer)
Chemisches Praktikum (Paul)
Sommersemester 1915
Organische Experimentalchemie (Wieland)
Mikroskopisch anatomische Übungen (Mollier)
Abbruch des Studiums - möglicherweise auch aus gesundheitlichen Gründen.
Finsterlins Studium der Chemie wie mein Vater findet also - entgegen eigenen Angaben - erst nach mehreren künstlerischen Anläufen und nur sehr kurzfristig statt.
Hermann Finsterlin
15.01.1916 Heirat Helene Kratz
Umzug nach Schönau a. Königssee Geburt des Sohnes
![]() Ehepaar Finsterlin 1917 |
![]() Portät des Sohnes 1916 |
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Im thaugrünen Tal von Posilipo lebte ein Paar. Sie standen in der Blüte der Jahre und mochten ziemlich gleichaltrig sein; man hätte sie für Zwillinge halten können. Niemand kümmerte sich um die Beiden, die freundlich waren zu jedermann, den zufällig sein Schritt in die Einsamkeit führte, aber die dennoch eine so restlose Geschlossenheit zur Schau trugen, daß man ihnen die Bedürfnislosigkeit nach menschlichem Verkehr von vorneherein ansah. Wenn man ihre Wohnstätte betrat, so vermißte man vor allem jedes Zeugnis der gepriesenen Kultur. (aus: Das höchste Lied um 1916)
Hermann Finsterlin
Der Watzmann ruft (wahrscheinlich Herbst 1918)
Ein Vollmondgang auf den Watzmanngipfel brachte eine fast schicksalhafte Lösung und Erlösung. War mir alle analytische wie syntetische Wissenschaft nur ein winziger Ausschnitt aus einem unabsehbaren endlosen Teppich gewesen, so erschienen mir plötzlich die schöpferischen Künste als einziger grandioser Abglanz der gesamten Schöpfung. Die Allmacht, die Urphänomeme ins Unendliche, komponieren und variieren zu können, zeit- und raumlos gebundene Ereignisse bildhaft, klanglich oder wörtlich entstehen zu lassen in eiem unbeschränkten, grenzenlosen Spiel … war mit höchster Sinn des Lebens.
Der erste Kontakt mit der Außenwelt kam durch ein Ausschreiben einer Ausstellung unbekannter Architekten durch Walter Gropius in einer Zeitung, die mir zufällig in die Hände fiel.
Gerade zu dieser Zeit war in mir eine ganz sonderbare unerklärliche Abneigung aufgekommen gegen das Wohnen in Würfeln, gegen grade Flächen, Ecken und Winkel und die Hausratskisten alias Möbel.

Würfelstadt mit Brillenschlange, Wandmalerei, Haus in der Schönau, um 1920
Hermann Finsterlin
Für die Zeit vor 1920 gibt es wenig - und zum Teil falsche - Informationen über Ausstellungen mit bildnerische Werken von Hermann Finsterlin. Im OFFIZIELLEN KATALOG der MÜNCHENER KUNSTAUSSTELLUNG 1919 IM GLASPALAST ist ein Hinweis auf eine Teilnahme von Hermann Finsterlin zu finden:
![]() offizieller Katalog |
![]() Aus: Freie Kunstausstellung |
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![]() Sonnenaufgang überm Watzmann |
![]() Judith |
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https://www.bavarikon.de/object/bav:ZIK-GLA-00000BSB00002415?cq=&lang=de
Im Widerspruch zu … falls es sich bei der Ausstellung im »Glaspalast« nicht gar um eine Fehlerinnerung Finsterlins handelt.
Hermann Finsterlin
Am 5.09.1919 entsteht ein Zusammenschluss der Berchtesgadener Maler; sie stellen zum ersten Mal ihre Werke in der Königlichen Villa aus - mit einem Beitrag Finsterlins.
1920 hat sich Finsterlin nicht nur an der gemeinsamen Ausstellung beteiligt, sondern diese auch eröffnet.
An der Berchtesgadener Kunstausstellung 1922 nehmen auch Hermann Finsterlin und Gertrud von Kunowski teil.
Ankündigung und Bericht über die Berchtesgadener Kunstausstellung 1922 im Berchtesgadener Anzeiger
![]() Berchtesgadener Anzeiger |
![]() Berchtesgadener Anzeiger |
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Hermann Finsterlin
1922 schließen sich Berchtesgadener Künstler zum Berchtesgadener Künsterbund - dem auch Finsterlin angehört - zusammen.
Ein undatiertes Porträt des Künstlerbund-Mitglieds Gertrud von Kunowski zeigt Hermann von Finsterlin zusammen mit einigen seiner Werke (Stilspiel, Roter Baum).
Hermann Finsterlin
1921 Beginn der Arbeit am Stilspiel,1922 Leipziger Frühjahrsmesse
![]() Plakatentwurf |
![]() Ankündigung in der Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration 1923 |
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Eine Wechselwirkung von Kind-Mensch, nicht ein Parasitismius beider Seiten - lehrend sollen wir lernen und lernend lehren, das veranlassen soll der neue Baukasten, das S t i l - s p i e l. (aus:Frühlicht 1920-1922: Eine Folge für die Verwirklichung des neuen Baugedankens)
Hermann Finsterlin
1924/25 Neues Spielzeug Landesgewerbemuseum
Weitere Arbeiten und Ergänzungen zum Stilspiel in den 20er Jahren: Formdomino, Didym - Durchdringungen geometrischer Körper, Zweifelswagen
![]() Formdomino im Würfel |
![]() Formdomino im Zylinder |
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![]() Didym |
![]() Zweifelwagen |
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Hermann Finsterlin
Im Februar 1922 wird Finsterlin von Erich Mendelsohn (Architekt, hat u.a. von 1920 bis 1922 den Einsteinturm in Potsdam entworfen und realisiert) und seiner Frau Louise in Schönau besucht. Mendelsohn berichtet seiner Tochter über diese Reise.
![]() Einsteinturm |
![]() Brief an Tochter Esther 1922 |
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Bei Finsterlin, Du kennst ihn doch
Er macht so komische Häuschen
Schaun aus wie Schnecken und Mäuschen
Es kommt ihm gar nicht darauf an
Ob jemand drin wohnen kann.
Auch hat er einen Baukasten gemacht
Der ist für seinen Bub und sein Mädel gedacht.
Hermann Finsterlin
Als weiterer Besucher dürfte im August 1922 der Architekt Bruno Taut bei Finsterlin zu Besuch gewesen sein.
Ich war ehrlich gerührt, als ich Bruno gelegentlich eines Besuches in meinem Berchtesgdener Heim auf den Watzmann führte, und er im Anblick des Rieseneinbruchs zwischen den Gipfeln aufschrie: Prometh, dieser gigantische Trichter muß überbrückt werden mit einer mächtigen gläsernen Kette.- ich gab ihm Papier aus dem Rucksack, und den, stets mitgeführten Blei, und er entwarf unter meinen Augen die Skizze zu seiner Vision.

Hermann Finsterlin
In seinen 1987 erschienen Erinnerungen an seinen Vater (Döhl 1988) schreibt Hellmut Finsterlin auch über Vater und die Zivilisation: Vater hatte schon in den 20er Jahren das Umweltbewußtsein heutiger Grüner, die sich so überaus fortschrittlich vorkommen. So lange er in Schönau/Berchtesgaden sein Haus unterhielt - das war bis 1948 - setzte er durch, daß in Schönau […] striktes Autoverbot herrschte. Mitte der 20er Jahre trieb einmal ein Doppeldecker-Pilot mit seinem Aeroplan sein Unwesen. Er hatte eine Wiese gepachtet, auf der er starten und landen konnte, und führte gegen Entgelt Rundflüge aus. […] Vater entschloß sich, nachdem Eingaben nichts genutzt hatten, zur Sammlung von Unterschriften, um diesen Unfug ein Ende zu setzen. […] Als Vater so gut wie alle Unterschriften beisammen hatte, wurde ihm das weitere Verfolgen dieser Angelegenheit erspart. Das Flugzeug stürzte ab.
Einige Belege für diese Aktivitäten sind u.a.in der Studie von Stefan Lülf zu finden (Lülf 2017)
In Bayern lässt sich in den Planungen für neue Verkehrslandeplätze lediglich in Berchtesgaden ein Protest von Anwohnern aufgrund des befürchteten Lärms und Gestanks nachweisen. (Von 41 Haus- und Lehensbesitzern in der Schönau unterschriebener Brief an das Bezirksamt Berchtesgaden vom 28.11.1924; Laut Nachfrage im Marktarchiv Berchtesgaden vorhanden, jedoch ohne Unterschriften). […] Der Berchesgadener Flugpionier Ludwig Gaim war Kampfflieger im ersten Weltkrieg. Ab 1923 war er Junkers-Pilot. Er landete erstmals am 5.9.25 mit einer Junkers F 13 auf der Hanauerwiese in Schönau am Königssee und führte Alpenrundflüge aus. Dabei ereignete sich am 9.9.25 ein Unfall: Seine F 13 streift bei der Landung auf der Hanauerwiese mit einer Tragfläche am Boden und wird zertrümmert. Ludwig Gaim und der Passagier Gustav Leonhard erleiden einen Beinbruch, die übrigen Insassen nur leichte Hautabschürfungen. Danach 1925-27 Pilot der Trans-Europa-Union, ab 1927 bis 1937 Flugkapitän der Lufthansa. 1937 kam er als Flugkapitän zur Flugstaffel des Führers (NSDAP-Nr.: 763 780/SS-Nr.: 279 441) Im Sommer 1925 bemühte sich Schwink [Kurdirektor von Berchtesgaden] erneut um den Platz in der Schönau. Doch angesichts des wieder einsetzenden wütenden Protests gegen den „blinden Ehrgeiz“ und eine „völlig verkehrt eingestellte Kurdirektion“ wurde das Projekt nicht weiter verfolgt. (Eingabe an das Bezirksamt Berchtesgaden mit 134 Unterschriften vom 26.9.1925, Staatsarchiv München).
Hermann Finsterlin
Das Unverständlichste war mir, daß sich das Dritte Reich von Anfang an für mich und meine Arbeit interessierte. Man überhäufte mich mit »ehrenvollen« Aufträgen.Ein großes St. George-Fresko mit Hitlers Portät ans Braune Haus zu München, große Porträts des Führers und seiner Anhänger, Miniaturen - Sammlungen für Goebbels, etc. Ich habe niemals für das dritte Reich gearbeitet. Ein fingierter Rheuma-Anfall am rechten Armes, unterstützt durch Gutachten befeundeter Ärzte, hatte mich zwei Jahre in der Schwebe gehalten. Dann kam das Mißtrauen und man begann mich zu verfolgen, sogar in Berchtesgaden. Man entzog mir die Lebensmittelkarten, zum KZ kam es seltsamerweise nicht; wahrscheinlich hatte man mich in den zunehmenden militärischen und politischen Schwierigkeiten vergessen. (Biographie in großen Zügen)
Hermann Finsterlin
Nach der Zerstörung meines Hauses 1944 [auf dem Frauenkopf] war ich zwei Jahre auf dem Hof meines Sohnes am Bodensee. Nach dem Wiederaufbau arbeitete ich am Ersatz des Verlorenen.
Nachdem Finsterlin 1948 sein Haus in der Schönau verkauft hatte (Hellmut Finsterlin 1987), kam es bereits um 1950 zu einem ausführlichen Briefwechsel mit dem Berchtesgadener Friedrich Carl Lamprecht. Lamprecht war maßgeblich am Aufbau der Volkshochschule Berchtesgaden beteiligt und war deren Leiter von 1948 bis 1950. Für das Eröffnungsjahr 1948 hatte er zwei Literaturvorlesungen angekündigt. In den 50er-Jahren hat er versucht, das Gedichtwerk Finsterlins zu ordnen. Darüber hat er auch in Berchtesgaden öffentlich gesprochen. Für einen Vortrag mit dem Titel Hermann Finsterlin - ein unbekannter Dichter fehlen bisher Belege (Ort, Zeitpunkt). Es gibt auch einen Hinweis, dass das der Versuch einer Würdigung des Dichters Hermann Finsterlin von F. C. Lamprecht auf den ersten Seiten des mit einer Auflage von 1000 Stück 1964 herausgegeben Gedichtbandes Lieder des Pan. Wie auch an anderern Stellen vermerkt, dürfte die Jahresangabe für dieses Vorwort (1930) falsch sein. (Hermann Finsterlin 1964)
Hermann Finsterlin
Im Jahre 1952 konnte Finsterlin zum ersten Mal wieder ausstellen. Zum 30-jährigen Jubiläum des Berchtesgadener Künstlerbundes wurde in der Orangerie der königlichen Villa eine Kunstausstellung eröffnet.Im Berchesgadener Anzeiger wurde Jubiläum und der 65. Geburtstag Finsterlins verquickt (18.08.1952) Berchtesgadener Anzeiger.
Hermann Finsterlin
Vorher, im Jahr 1932, wurde ich noch ganz unerwartet zu Vorträgen über meine Architektur ans Bauhaus in Dessau gerufen. … Der damalige Direktor, Hannes Mayer, berief mich für das nächste Semester an die Schule. Drei Wochen blieb ich dort als Lehrer, doch dann schlossen die Nazis die Anstalt. Diese drei Wochen verschuldeten auch den Titel, den Ausstellungsleitungen, Presse etc. wohl aus Reklamegründen benutzen, den ich privatim selten geführt, nicht nur aus Titelfeindlichkeit, sondern weil es gar nicht mehr nachweisbar war, ob meine Berufung so kurz vor den Kriegswirren noch in die Ministerien gelangt war oder ob sie mit den Archiven im Krieg vernichtet wurde.
Ausstellung “Hermann Finsterlin. Malerei und Architektur”, Kunst- und Museumsverein Wuppertal am 2. Mai 1954
das erste Mal benutzt 1954 bei der Ausstellung des Kunst- und Museumsvereins Wuppertal
Nach 1953
Februar 1953 erste Einzelausstellung nach dem Kriege im Kunsthaus Fischinger, Stuttgart. In ihrem Rahmen am 26. Februar erste nachweisbare Dichterlesung Finsterlins. Hermann Finsterlin
Ich habe ehrlich bedauert, im Laufe der Ausstellung nicht nach Berlin gekommen zu sein. - Ich war ziemlich krank in dieser Zeit. - War es eine achtziger Krise, der Frühling, die Grippe, ich weiss es nicht. - Jedenfalls bin ich nicht gewöhnt, krank zu sein, und hat mich diese doch ziemlich langdauernde Entmachtung doppelt mitgenommen.
Aus einem Brief von Hermann Finsterlin an Rolf Vieten (Hochschule für bildende Künste in Berlin) vom 19.03.1967






























