Forsthaus in BGL

Das (geplante) Forsthaus im Berchtesgadener Talkesse
X-Kritik
Author

Gerd Welzl

Published

July 17, 2024

1 Das Forsthaus im Berchtesgadener Talkessel

1.1 Plan A

Anfang 2021 plant der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten den Bau eines Forsthauses im Mooshäuslmoos (Außengebiet von Bichofswiesen).

Forstzentrum soll gebaut werden: Sturm der Entrüstung bei Bürgern
[…] Der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten plant im Außenbereich, in einem Feucht- und Moorgebiet, ein Forstzentrum. Das passt selbst der Gemeinde nicht ins Konzept: Einen Antrag auf Vorbescheid zum Neubau lehnten die Volksvertreter einstimmig ab. Gebaut werden könnte trotzdem, denn die Staatsforsten sind dazu privilegiert. Widerstand formiert sich.
[…] Noch befinden sich die Planungen zwar in einem frühen Stadium. Tatsache ist aber: Die Eingriffe in das Mooshäuslmoos, das ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Spazierwegen und Wald ist, wären nicht zu übersehen.
[…] Dr. Daniel Müller, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, sagt, dass es einen »großen Bedarf für Wohnraum für Mitarbeiter« gebe. […] In der Vergangenheit hatte der Forstbetrieb im Besitz befindliche Forsthäuser und damit dringend benötigten Wohnraum teils meistbietend verkauft, etwa am Höglwörther See in Anger. In Aufham, Inzell und Bad Reichenhall betreibt der Forstbetrieb Berchtesgaden, der sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt, noch Forsthäuser, wie Daniel Müller bestätigt.
[…] … »immerhin hatte der Forstbetrieb in der Vergangenheit bereits in Bischofswiesen ein Forsthaus, das er verkaufte«.
[…] Bei den Bayerischen Staatsforsten hofft man, noch dieses Jahr eine Bauvoranfrage zu stellen und eine Genehmigung zu bekommen. »Wenn diese positiv beschieden wird, könnten wir bereits im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen.« In den Reihen der Bürger will man sich wappnen und »alles rechtlich Mögliche tun«, um das Forstzentrum zu verhindern.
(Berchtesgadener Anzeiger, 29.04.2021)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/bischofswiesen_artikel,-forstzentrum-soll-gebaut-werden-sturm-der-entruestung-bei-buergern-_arid,629714.html

Wegen der Bürgerproteste wird nach Standortalternativen gesucht.

1.2 Plan B

im September 2021 wird ein weitere möglicher Standort ins Spiel gebracht: Schönau, nahe der Ache gegenüber dem »Achenstüberl«, mit Erschließung über den Königsseer Fußweg.

Berchtesgadener Anzeiger, 29.09.2021

Grünes Licht für Forsthaus gegenüber dem »Achenstüberl«
Die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden wollen auf ihrem Grundstück gegenüber dem Gasthaus »Achenstüberl« ein Forsthaus mit einem Nebengebäude bauen. Dazu muss die Gemeinde ein Verfahren zum Erlass einer Ortsabrundungssatzung einleiten, sodass die Fläche, die nun im Außenbereich liegt, dem Innenbereich zugeordnet werden kann. Den Antrag dazu stellten die Bayerischen Staatsforsten. Der Gemeinderat erteilte dem Antrag in der jüngsten Sitzung das Einvernehmen.
Damit der Forstbetrieb überhaupt bauen kann, muss die Gemeinde das entsprechende Verfahren mit Trägerbeteiligung in Gang setzen. Das ist nötig, um eine Ortsabrundungssatzung erlassen zu können. Nur mit dieser Satzung kann die Gemeinde dem Forstamt den geplanten Bau auf dem Grundstück ermöglichen. Bürgermeister Hannes Rasp informierte den Gemeinderat, dass die Bayerischen Staatsforsten in das angedachte Forsthaus zwei Dienstwohnungen und zwei Büros einbauen wollen. Das Nebengebäude werde als Garage oder Lagerraum genutzt.
Auf Nachfrage erklärte der Leiter des Forstbetriebes der Bayerischen Staatsforsten in Berchtesgaden, Dr. Daniel Müller, der Forstbetrieb brauche dringend eine Unterkunft für zwei Mitarbeiter. In das geplante Forsthaus, für das auch der in der Gemeinde heftig umstrittene Standort Bischofswiesen zur Debatte steht (wir berichteten), sollen nach Dr. Daniel Müller der Revierleiter des Reviers Berchtesgaden West und ein Berufsjäger einziehen. Der Leiter des Berchtesgadener Forstamtes betonte gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«: »Wir brauchen den Wohnraum dringend.« Nach Dr. Daniel Müller prüfe das Landratsamt Berchtesgadener Land derzeit, ob auf dem Grundstück in Schönau am Königssee Baurecht bestehe, weil eben nicht klar sei, ob in Bischofswiesen gebaut werden könne.
Zumindest seitens der Gemeinde sei ein Forsthaus in Schönau am Königssee denkbar. »Es ist eine schöne Sache, wenn das Forstamt einen Sitz in der Gemeinde hat«, sagte Hannes Rasp und machte damit deutlich, dass nach seinem Dafürhalten nach den ihm vorliegenden Informationen nichts gegen das Bauvorhaben spreche.
Andreas Zechmeister (FWG) gab zu bedenken, dass das geplante Forsthaus nahe der Ache dann womöglich hochwassergefährdet sei. Hannes Rasp beruhigte ihn. »Das wird das Wasserwirtschaftsamt genau prüfen.«
Bevor die Kommune die Ortsabrundungssatzung erlassen kann, werden alle Träger öffentlicher Belange beteiligt – auch das Wasserwirtschaftsamt. Dr. Caren Lagler (CSU) erkundigte sich nach der Erschließung des geplanten Forsthauses. Diese könne über den Königsseer Fußweg erfolgen, der öffentlich gewidmet ist, erklärte Hannes Rasp. Anfallende Kosten – wie etwa die Erschließungskosten – hätten die Bayerischen Staatsforsten zu tragen, fügte er erklärend hinzu. Auch um eine Ausgleichsfläche müsse sich der Antragssteller kümmern. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dem Antrag der Bayerischen Staatsforsten seitens der Gemeinde das Einvernehmen zu erteilen.
(Berchtesgadener Anzeiger, 29.09.2021)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/schoenau-am-koenigssee_artikel,-gruenes-licht-fuer-forsthaus-gegenueber-dem-achenstueberl-_arid,656661.html

Auch Plan B wird nicht weiter verfolgt, aber nicht wegen des Widerstands aus der Nachbarschaft, sondern weil die für die Nutzung des Gebäudes vorgesehen Personen »überraschend privat für einen jeweils geeigneten Wohnraum sorgen können«

Doch kein Forsthaus in Schönau am Königssee
Nachdem vor einigen Jahren bereits der Neubau eines forstlichen Betriebsgebäudes in Bischofswiesen gescheitert war, soll nun auch das in Schönau am Königssee geplante Projekt nicht realisiert werden. Allerdings laut Forstbetrieb Berchtesgaden nicht wegen des Widerstands aus der Nachbarschaft, sondern weil die für die Nutzung des Gebäudes vorgesehen Personen »überraschend privat für einen jeweils geeigneten Wohnraum sorgen können«.
Der Forstbetrieb weist darauf hin, dass seit Jahren dringend benötigter Wohnraum für Beschäftigte der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Berchtesgaden fehlt. Weil nun aber privat für Wohnraum gesorgt werden konnte, seien die Gründe für den Neubau des geplanten Forsthauses mit zwei Wohneinheiten für Beschäftigte im südlichen Teil aktuell nicht mehr gegeben.
So zogen die Bayerischen Staatsforsten nun ihren Antrag für den Erlass einer Innenbereichssatzung für eine Teilfläche des Flurstücks 672 Gemarkung Königssee (Bereich Stiller Winkl) bei der Gemeinde Schönau am Königssee zurück. Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, Dr. Daniel Müller, bedankte sich beim Bürgermeister Hannes Rasp und der Gemeinde Schönau am Königssee für die gute Zusammenarbeit beim Planungsverfahren.
Auch wenn sich in der Nachbarschaft Protest formiert hatte, stellt der Forstbetriebsleiter klar, dass die Bayerischen Staatsforsten »selbstverständlich nur dort Anträge stellen, wo sie von einer öffentlich-rechtlichen Genehmigungsfähigkeit überzeugt sind«. Dr. Müller weiter: »Die Sorgen der Bürgerinitiative ›Graf-Arco-Straße‹ wurden immer ernst genommen. Bei mehreren Gesprächen am Forstbetrieb und vor Ort im Rahmen einer Gemeinderatssitzung wurde versucht, auf die Bedenken der Bürger einzugehen. Über die Zeit wurde auf alle wesentlichen Einwände der Behörden, Gemeinderäte und Nachbarn eingegangen und die Planung wurde immer wieder angepasst, bis die beantragte Satzungsänderung absehbar wurde.«
In den vergangenen Wochen und Tagen wurde noch mit zwei Sachverständigenbüros die zeitnahe Erstellung eines artenschutzrechtlichen Gutachtens beziehungsweise eines Gutachtens zur Analyse einer etwaigen Hochwassergefährdung besprochen. »Damit sollten die letzten Bedenken der Kritiker versachlicht werden«, betont Müller.
Die Bayerischen Staatsforsten leisten im Berchtesgadener Land einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Heimat vor Steinschlag, Lawinen und Hochwasser. Als Erholungsraum für Einheimische und Gäste, Lebensraum für seltene und geschützte Arten, Ursprung von ökologischen Rohstoffen und mit seinen Arbeitsplätzen im Ländlichen Raum ist der Wald immens wichtig für die Menschen. Deshalb mahnt Dr. Daniel Müller: »Ohne hoch motivierte und qualifizierte Beschäftigte lässt sich der Staatswald nicht erfolgreich durch den Klimawandel steuern. Mittelfristig wird sich daher ein erneuter Bedarf an Wohnraum für Beschäftigte ergeben.« fb/UK
(Berchtesgadener Anzeiger, 12.07.2023)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/schoenau-am-koenigssee_artikel,-doch-kein-forsthaus-in-schoenau-am-koenigssee-_arid,803756.html

Die Tatsache, dass im Berchtesgadener Talkessel der Wohnungsbedarf für hoch motivierte und qualifizierte Beschäftigte überraschenderweise nun durch private Initiative gedeckt werden konnte, und damit der Antrag für den Erlass einer Innenbereichssatzung für eine Teilfläche des Flurstücks 672 Gemarkung Königssee (Bereich Stiller Winkl) bei der Gemeinde Schönau am Königssee zurückgezogen wurde, könnte außerhalb des Talkessels auf leichte Verwunderung stoßen. Schließlich wird dadurch eine nicht unerhebliche Summe von (Steuer-)Geldern eingespart, von den bereits ausgebebenen Summe für die Planungen, Gutachten durch Sachverständigenbüros usw. ganz abgesehen. In diesem Zusammenhang könnten Informationen über die Zahl der vorhandenen Wohnungen und deren Nutzung, differenziert nach Stadt/Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land, besonders interessant erscheinen. (siehe dazu zensus2022)