1 Bericht im Berchtesgadener Anzeiger vom 21.10.2025
Erstmals sprengten die Motive beim 10. Bildkunst-Wettbewerb »ExTempore« den Themenbereich der Talkessel-Landschaften. […] Die Themen waren heuer neben dem Thema der Heimatorte »Berchtesgadener Landschaften« und »Zeit lassen«. [… ] … variierte den Grassl-Werbespruch »Zeit lassen…« in »Z’vie Zeit g’lassen« und spielte auf den Einsturz der Eiskapelle und den Klimawandel an.
2 Bericht in der SZ vom 10.09.2025
Nationalpark Berchtesgaden „Eiskapelle“ am Watzmann eingestürzt
In den Alpen werden die Folgen des Klimawandels besonders sichtbar – ganz akut auch in den Berchtesgadener Alpen. Das bedeutet für Bergsteiger zusätzliche Gefahren.
Die sogenannte Eiskapelle am Fuß der Watzmann-Ostwand in den Berchtesgadener Alpen ist eingestürzt. Dies sei eine Folge des fortschreitenden Klimawandels, teilte der Nationalpark Berchtesgaden mit. Bei der Eiskapelle handelte es sich um einen Hohlraum im Inneren des Firneisfelds auf rund 900 Metern Höhe. Seit Ende 2019 habe die Formation mehr als 575 000 Kubikmeter Firneis verloren, hieß es in der Mitteilung. Forscher hatten deshalb laut Nationalparkverwaltung das Verschwinden der Eiskapelle vorhergesagt, über den frühen Zeitpunkt des Einsturzes seien aber auch die Experten überrascht.
Akut bedeutet der Einsturz der Eiskapelle zusätzliche Gefahren für Bergsteiger: „Wir warnen Wanderer eindringlich vor dem Betreten der Reste der Eiskapelle, es herrscht im gesamten Bereich der Eiskapelle akute Steinschlaggefahr. Auch der letzte, noch stehende Eisbogen und die Eiswände am Rand können jederzeit zusammenbrechen“, sagte Nationalparkleiter Roland Baier. Vom Einsturz der Eiskapelle seien auch die Zustiege in die Watzmann-Ostwand betroffen. „Es ist bedrückend und schockierend zugleich, dass die Eiskapelle, die bereits Alexander von Humboldt im November 1797 besuchte, nun einfach weg ist“, sagte Baier. „Damit verlieren wir nicht nur eine wichtige regionale Sehenswürdigkeit, sondern auch ein überregional wertvolles Geotop.“ Der Einsturz der Eiskapelle sei ein für alle deutlich sichtbarer Beleg dafür, welche Veränderungen der Klimawandel vor Ort mit sich bringe.
Ob sich die Eiskapelle einmal neu bilden könnte, ist offen. Am Ende des Eisgrabens am Fuße der Watzmann-Ostwand würden sich auch in Zukunft winterliche Niederschlagsmassen in Form von Lawinenschnee sammeln und ein Firneisfeld mit einem Höhlensystem bilden, erklärte Andreas Wolf, der Vorsitzende des Verbandes der Deutschen Höhlen- und Karstforscher. „In welcher Größe und in welchem Ausmaß, wird die Zukunft zeigen.“
SZ 9. September 2025
https://www.sueddeutsche.de/bayern/eiskapelle-watzmann-folgen-einsturz-li.3310259

3 … und nur knapp drei Monate vorher im Merkur
Übrigens: Vor rund hundert Jahren galt die Eiskapelle tatsächlich noch als Gletscher – wies damals sogar noch eine echte Gletscherzunge auf. Mit dem Abschmelzen desselben musste sie diesen prestigeträchtigen Kreis jedoch verlassen. Selbst wenn ihr die Zunge mittlerweile fehlt: Ganz abtauen wird das Firnfeld seiner geschützten Lage und der Lawinensicherheit wegen wohl so schnell nicht. Wenn also in wenigen Jahrzehnten der letzte bayerische Gletscher von der Bildfläche verschwunden sein wird, bleibt unweit des Königssees zumindest noch ein Hauch des „ewigen Eises“ zurück.
Merkur 23.06.2025
https://www.merkur.de/bayern/einst-ein-gletscher-bayerns-tiefstgelegenes-eisfeld-war-93795630.html

4 … und aus dem vorigen Jahrhundert (Wetterwende von Hartmut Grassl)
Wie sehr u.a. die Temperatur die Vegetation beeinflußt, zeigt ein kurioses Beispiel aus meiner Heimat. Am Fuße der Watzmannostwand, der höchsten Felswand der Ostalpen, existiert noch ein Kleingletscher, die sogenannte Eiskapelle. Es ist der am niedrigsten gelegene Gletscher der Alpen, ein Mini-Eisfeld mit einigen zig Metern Mächtigkeit und einem Gletschertor vorne, aus dem das Wasser strömt. Zwar liegt er nur etwa 800 Meter über dem Meeresspiegel, doch poltern hier im Frühjahr viele Lawinen aus der Felswand herab und versorgen ihn von oben mit Eis und Schnee. Und dieses kleine Eisfeld dominiert die Vegetation der Gegend - oder genauer gesagt: die Mitteltemperatur, die darüber entscheidet, was hier wachsen kann. Um zu demonstrieren, wie die Temperatur über Pflanzenstandorte entscheidet, ist die Umgebung dieses Gletschers ein Paradebeispiel. Wenn man sich der Eiskapelle von St. Bartholomä aus nähert, durchwandert man innerhalb von wenigen Kilometern alle Vegetationszonen - von der nie vereisenden Bucht des Königssees mit seinen sogar Linden enthaltenden Laubwald, über die Nadelwaldzone, die Lärchen, die alpine Tundra bis hin zum ewigen Eis.Und wenn man dann nach oben blickt,sieht man wieder die Tundra, dann die Lärchen, dann die Fichten, dann die Buchen. Dann geht es, je höher man kommt, mit den Vegetationszonen wieder rückwärts, weil es Richtung Gipfel wieder kälter wird - von den Buchen über die Fichten und die Lärchen und die Latschen und die Tundra zu den Eisfeldern des kleinen Watzmann.
(Graßl 1999, p 19)
Es war daher sehr weitsichtig, als eine Gruppe von Wissenschaftlern 1986 in Villach, als globale Klimaänderungen durch den Menschen gerade intensiv diskutiert wurden, folgendes formulierte: »Viele wichtige wirtschaflliche und soziale Entscheidungen werden heute für langfristige Projekte wie Bewässerung, Wasserkraft, verminderung von Dürreschäden, Ackerbau, Infrastrukturim Lande und an Küsten sowie die Energieversorgung gefällt, und zwar auf der Basis, daß Klimadaten der Vergangenheit auch in Zukunft zuverlässig seien. Das ist keine gute Annahme mehr«.
(Graßl 1999, p 25)