
1 Kleine Presseschau
1.1 BR24 06.12.2023
1.1.1 “Brauchen endlich Taten”: Bayern nach dem neuen Pisa-Schock
“Debakel”, “schwärzester Tag”, “helle Aufregung”: Die Reaktionen auf die erste Pisa-Studie im Jahr 2001 waren heftig. Schülerinnen und Schüler in Deutschland hatten schlecht abgeschnitten in dieser internationalen Studie, für die 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet werden. […] Dieses Mal ist es nicht so laut, bisher jedenfalls. Am Dienstag, [5.12.2023] 22 Jahre nach dem ersten Schock, wurde die neue Pisa-Studie veröffentlicht – und die Schülerinnen und Schüler in Deutschland schneiden nochmal schlechter ab als damals. Laut der internationalen Vergleichsstudie verschlechterten sich die bundesweiten Leistungen in den drei untersuchten Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz deutlich. Schwächer hat Deutschland bei Pisa nie abgeschnitten.
1.1.2 Söder: “Schlag ins Gesicht Deutschlands”
Das bayerische Kultusministerium reagierte erstmal zurückhaltend. Ministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sagte der Nachrichtenagentur dpa: Die Ergebnisse ließen zunächst nur Rückschlüsse auf Deutschland zu, nicht auf Bayern. Ähnlich äußerte sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei seiner Regierungserklärung im Landtag: Er sprach von einem “Schlag ins Gesicht Deutschlands”. In den regionalen Vergleichen stehe Bayern aber “sicherlich deutlich besser da”.
Ministerpräsident Söder will künftig “wieder richtige Schwerpunkte für die Grundschule setzen” – auf Rechnen, Schreiben und Lesen. Ob im Umkehrschluss aktuell die falschen Schwerpunkte gesetzt werden, sagte Söder in seiner Regierungserklärung nicht. Er kündigte nur an: “Dafür muss halt manch anderes etwas zurückweichen.”
1.1.3 Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV)
Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) reagiert auf die neue Pisa-Studie ziemlich wütend. “Kann das angesichts von Lehrkräftemangel und den Lerndefiziten seit Corona – die noch lange nicht überwunden sind – irgendwen wundern?”, fragt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. “Es reicht jetzt mit den Analysen. Wir brauchen endlich Taten! Und wir müssen auch mal klar nach den Ursachen fragen, auch wenn wir die meisten längst kennen.”
1.1.4 Grünen-Schulpolitikerin: “Wir brauchen mehr”
Scharfe Kritik kommt gleich am Dienstag auch aus der Opposition im Bayerischen Landtag. “Die Pisa-Ergebnisse spiegeln schonungslos unser veraltetes, verkrustetes bayerisches Schulsystem wider”, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gabriele Triebel. Laut ihr hätte die Söder-Regierung in Bayern früher gegensteuern müssen. “Wir brauchen mehr Lehrkräfte und modernen Unterricht, eine gute Ganztagsbildung und multiprofessionelle Teams.”
1.2 Interview mit der PISA Studienleiterin Prof. Doris Lewalter.
Frau Professorin Lewalter, was sticht bei den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie besonders heraus?
Die Ergebnisse der Pisa-Studie 2022 zeigen, dass die mittleren Kompetenzen fünfzehnjähriger Schülerinnen und Schüler in Deutschland in allen drei Kernbereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen im Vergleich zu Pisa 2018 deutlich gesunken sind. Die Gruppen der leistungsschwachen Schülerinnen und Schüler sind dagegen in Deutschland im Vergleich zu Pisa 2018 in allen drei Bereichen signifikant gewachsen. Leistungsschwache Jugendliche, deren Kompetenzen sich unter Kompetenzstufe II befinden, sind nicht ausreichend auf eine erfolgreiche Teilhabe an der modernen Gesellschaft sowie auf die nächsten Schritte ihres Bildungswegs vorbereitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind sie ohne zusätzliche Förderung weder den Anforderungen weiterführender Schulen noch denen der beruflichen Ausbildung gewachsen. In Mathematik liegt ihr Anteil bei 30 Prozent, für Lesen bei 26 Prozent und für die naturwissenschaftlichen Kompetenzen bei 23 Prozent.
Sie haben auch die Motivation der Schülerinnen und Schüler untersucht. Was haben Sie diesbezüglich herausgefunden?
Bezogen auf die Motivation berichten 38 Prozent der Jugendlichen in Deutschland, Mathematik sei ihr Lieblingsfach, was im Durchschnitt der OECD-Staaten liegt. Freude und Interesse an Mathematik sowie die instrumentelle Motivation der Schülerinnen und Schüler haben sich zwischen 2003 und 2012 kaum verändert, sind jedoch in den letzten zehn Jahren signifikant gesunken. Das heißt, dass die 15-Jährigen heute zum einen weniger Freude und Interesse an dem Fach haben und zum anderen weniger Nutzen darin sehen, Mathematik zu lernen. Ein Beispiel für eine Aussage im Fragebogen: „Ich gebe mir in Mathematik Mühe, weil es mir in meinem späteren Job weiterhelfen wird”. Nur noch ein geringer Teil der Schülerinnen und Schüler erkennt den Wert der Mathematik für den Beruf und den weiteren Lebensweg.
1.3 SPIEGEL Titelstory

2 Was wir von anderen Ländern (nicht) lernen können
An einem Tag (25.04.2025) wurde von der Trump Administration die Förderung von 641 Projekten beendet. https://github.com/nrennie/tidytuesday/tree/main/2025/2025-05-06
Themen einiger Forschungsvorhaben, deren Förderung gestoppt wurde:
flood protection (Klimakrise - gibt es nicht)
race in the criminal justice system (Rassismus - doch nicht in Amerika)
mentorship of women in international relations (Männerbünde sind gefragt)
mathematics education (nicht mehr nötig wg. Elon Musk und artificial intelligence) .
3 Mathematik und Anthroposophie
Aus: “Um Phantasie zu werben“ … war er da
Beitrag von Hellmut Finsterlin (Sohn) im Sonderheft Hermann Finsterlin zum !00. Geburtstag 1887 - 1973
Er war frei und ließ sich von niemanden beeinflussen. […] Mehrere Versuche unternahm er, mit einigen Waldorflehrern in Kontakt zu kommen. Stets mißlangen solche Versuche. Deren Abhängigkeit vom Wort Steiners stieß ihn ab und auch ein gewisser Hochmut, den er überall verspürte. Es herrschte die unausgesprochene Ansicht vor, daß eigentlich nur der Anthroposoph ein Mensch ist, daß alle anderen ein solcher erst werden wollen. Einmal kam er von einem Gespräch mit dem Mathematik-Lehrer Dr. Blümel höchst ärgerlich nachhause. Er fragte mich gleich, wie dumm ich mich benommen habe, da dieser Lehrer ihm gegenüber geäußert habe, ich sei wohl “erblich belastet“. Das war ein aus der Psychiatrie stammender Ausdruck.