Spurensuche: Graf und Gräfin von Schwerin im Berchtesgadener Land

Spuren, Fundstücke und Zusammenhänge
HIST
Author

Gerd Welzl

Published

April 17, 2024

Spuren, Fundstücke und Zusammenhänge: Eine kleine Sammlung von Beobachtungen, Erkenntnissen, Befunden, die eines gemeinsam haben: Graf oder Gräfin von Schwerin und Berchtesgadener Land. Es handelt sich nicht um eine systematische Analyse, viele Fragen bleiben offen, entweder auf der Suche nach Ergänzungen oder frei für phantasievolle Anmerkungen.

1 Die Spuren

1.1 Haus Walsleben Stangaß

1.1.1 Preisausschreiben im Berchtesgadener Anzeiger

Dem Berchtesgadener Anzeiger vom 30.11.2019 und vom 7.12.2019 waren Sonderveröffentlichungen Weihnachts-Preisausschreiben beigelegt mit der Überschrift:

Als Diplomaten und Industrielle ins Berchtesgadener Land zogen

Im 19.Jahrhundert entstanden im Talkessel viele Villen und Herrschaftshäuser - Wer kennt ihre Erbauer?

Darunter war die Frage nach dem Erbauer von Haus Walsleben in der Stanggaß.

Die richtige Antwort war: Otto Graf von Schwerin.

Die Zahl der Personen, die mit dem Namen Otto Graf von Schwerin in Verbindung gebracht werden können, ist sehr groß. Selbst wenn man sich auf bestimmte Zeiträume beschränkt, ist eine Zuordnung zu einer Person durch Internetrecherche nicht möglich.

1.1.2 Postkarte

Postkarte aus dem Besitz eines Berchtesgadener Antiqitätenhändlers, die auf der Vorderseite ein Bild von Haus Walsleben zeigt:


Postkarte mit Bild von Haus Walsleben (um 1910)


Rückseite der Postkarte

1.1.3 Archiv Bischofswiesen

Eine Anfrage an das Archiv der Gemeine Bischofswiesen ergab folgende Antwort (freundliche Email von Archivar Max Hölzl vom 11.07.2022):

In den Unterlagen des Meldeamtes konnte ich herausfinden, dass ein Graf von Schwerin Otto und eine Gräfin von Schwerin Florenta in Bischofswiesen, Haus Walsleben gewohnt haben. Über Zuzug und evtl. einen Wegzug sind keine Unterlagen vorhanden.

Und als Ergänzungen am 18.07.2022:

Die […] Kinder sind in der Kartei nicht erhalten, jedoch ist eine Enkelin Barbara, evtl. Familienname von Pentz, sehr schwer lesbar, aufgeführt.

und auf Nachfrage nach einen möglichen Wohnsitz der Enkelin im Haus Walsleben am 1.08.2022:

der Eintrag in der Meldekartei enthält keinen Hinweis auf einen Wohnsitz in Bischofswiesen Ich gehe jedoch davon aus, dass die Enkelin in Bischofswiesen gewohnt hat, weil als Geburtsort Berchtesgaden eingetragen ist.

1.2 Taufbecken Berchtesgaden

1.2.1 Baugeschichte der Christuskirche

In einem Beitrag zur Baugeschichte der Christuskirche (Berchtesgaden) von Alfred Spiegel-Schmidt steht folgender Satz:

1923 schuf Steinmetz Kajetan Brandner eine Gedächtnistafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges und vier Jahre später stifteten Graf und Gräfin von Schwerin den Taufstein aus Adneter Marmor. https://berchtesgaden-evangelisch.de/kirchengemeinde/5kirchen/schoepfungskirche?view=article&id=44&catid=28


Taufbecken in der Christuskirche Berchtesgaden

Die Inschriften an den Seiten des achteckigen Taufbeckens lauten:

Graf u. Gräfin
von Schwerin
zum Gedächtnis
an ihre
verstorbenen
Kinder Odo u.
Dagmar AD 1927
Röm. 14, 7 + 8

Auch hier ist eine konkrete Zuordnung von Graf u. Gräfin von Schwerin, selbst in Verbindung mit einer Jahreszahl (1927) und den Namen zweier Kinder (Odo und Dagmar), nur schwer möglich.

1.2.2 Antworten der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Berchtesgaden

Eine erste Anfrage vom 06.06.2022 nach näheren Informationen zum Spender des Taufsteins in der Christuskirche bestätigte die Probleme bei der genaueren Identifizierung des Spenders.

Mail vom 13.06.2022 von Alfred Spiegel-Schmidt:

[…] Das Adelsgeschlecht der Grafen von Schwerin kann im Internet eingesehen werden. Um welchen Zweig es sich handelt, kann nicht ermittelt werden, da keine Vornamen angegeben sind und die verstorbenen Kinder im Internet nicht erwähnt werden.

… und nach einer Rückmail mit einem Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang zum Haus Walsleben (Druckerboden / Stanggaß) eine zweite Mail vom 22.06.2022 von Alfred Spiegel-Schmidt:

da viele Adelsgeschlechter im 19. Jahrhundert Villen in Berchtesgaden errichtet haben, ist die Verbindung vom Haus Walsleben zu den Grafen von Schwerin sehr wahrscheinlich. Leider liegen uns aber keine weiteren Unterlagen zum Bau des Hauses vor. Sie liegen, falls noch vorhanden, im Staatsarchi München.

1.3 Friedhof Nonn

Auf dem Friedhof der katholischen Kirche St. Georg im Nonner Unterland in Bad Reichenhall befindet sich die große Grabanlage der Familie von Martius.


Grabanlage der Familie Martius im Friedhof von St. Georg in Nonn

Auf der linken Seite dieser Anlage sind zwei Gedenktafeln angebracht: Eine mit der folgender Inschrift

ZUM GEDENKEN AN OTTO GRAF SCHWERIN-WILDENHOFF


Gedenktafel im Friedhof von St. Georg in Nonn

und eine zweite:


Tafel im Friedhof von St. Georg in Nonn

Eine weiter Gedenktafel ist an der rechten Seite der Grabanlage zu sehen:


Gedenktafel im Friedhof von St. Georg in Nonn

Der schwer lesbare Text lautet:

ZUM GEDENKEN AN
MARIE AGNES v. MARTIUS
GEB. GRÄFIN v. SCHWERIN-WILDENHOFF
geb. 29.11.1888 IN STEINORT MAUERSEE
gest. 2.3.1967 IN STAUFFENHOF

2 Fundstücke

2.1 Erbauer und Bewohner von Haus Walsleben/Stanggaß

Mit Hilfe der Angaben des Gemeindearchivs Bischofswiesen (Herr Hölzl) konnte im Gothaischen Genealogischen Taschenbuch der gräflichen Häuser (“Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser” 1908, S.821) folgender Eintrag gefunden werden:


Seite 821 aus Genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser

Als Sohn von Karl Ernst Heinrich Graf von Schwerin (2.) ist zu finden:

Otto Gustav Wilhelm Christian Detlef Emil, geb. Weißensee 18.Juni 1865, Kgl.Preuß. Hptm. a. D; verh. Oldenburg 7. Okt 1891 mit

Florence Wann, geb. St.Paul 22.März 1872 . [Solln bei München.]

und deren Kinder

Otto Traugott Wilhelm Graf von Schwerin (geb. 1893 in Oldenburg),

Dagmar Erika Ottilie Gräfin von Schwerin (geb. 9.07.1894 in Oldenburg).

Als Geburtsort von Florence Wann ist Saint Paul, die Hauptstadt von Minnesota, angegeben. Der Zusatz München-Solln bezieht sich auf den damaligen Wohnort, gleichzeitig auch Wohnort ihrer Schwester Bertha von Quast, geb. Wann.

Dies deutet auf Otto Graf von Schwerin und Florence Gräfin von Schwerin als Erbauer und Bewohner von Haus Walsleben (erbaut 1905) in der Stanggaß hin.

Die Inschrift auf dem Taufbecken der Christuskirche Berchtesgaden zum Gedächtnis an ihre verstorbenen Kinder Odo u. Dagmar bezieht sich offensichtlich auf die früh verstorbenen Otto Traugott Wilhelm Graf von Schwerin (Odo) und Dagmar Erika Ottilie Gräfin von Schwerin (Dagmar, gest. 13.04.1921 in Halle).

Ein (Teil-)Stammbaum mit einigen Bewohnern von Haus Walsleben ist in der folgenden Abbidung dargestellt:


2.2 Friedhof St. Georg in Nonn

2.2.1 Genealogisches zu den Grabinschriften

Auf einer Grabinschrift auf dem Nonner Friedhof findet sich ein Hinweis auf Agnes Gräfin von Schwerin geb. Gräfin von Lehndorff (1863-1947). Agnes Gräfin von Schwerin war mit Otto Heinrich Gustav Graf von Schwerin verheiratet. Deren Tochter Marie-Agnes hatte Dr. Alexander von Martius geheiratet, den Sohn des bedeutenden Chemikers Carl Alexander von Martius (geb. 1838 in München), der zu Beginn der 1880er Jahre Nonn als Alters- und Rückzugsort wählte. In dieser Zeit wurde der Stauffenhof zu einem stattlichen Herrensitz ausgebaut.


Stauffenhof in Nonn

Die folgende Abbildung zeigt einen Ausschnitt des zugehörigen Stammbaums (Personen mit Bezug zum Friedhof in Nonn sind schwarz markiert).


2.2.2 Frauenpower

2.2.2.1 Ruth Gräfin v. Schwerin

Tochter von Agnes Gräfin v. Schwerin (geb. Agnes Wanda Gräfin von Lehndorff )

Ruth Gräfin von Schwerin verbrachte ihre Jugend in Künstlerkreisen mit vielen Fernreisen und Treffen u.a. in München.

Mit ihm (Richard von Below, Ritsch) reisten Olaf und Grete im Herbst 1912 nach Ägypten. In Kairo traf man Paul von Below, dem Bruder von Ritsch, Heinrich (Heini)Graf Dönhoff, Karl Gottlieb Prinz Hohenlohe, Herbert von Richthofen und Ruth Gräfin Schwerin, die seit einem gemeinsamen Skiurlaub in Kitzbühel im Februar 1911 zum Freundeskreis des “Kefernestes” gehörten. (Olav Gulbransson 1989, 68)

2.2.2.2 Esther Gräfin von Schwerin (geb. Esther Eckbrecht von Rückheim )

Zweite Ehefau des Sohns von Agnes Gräfin v. Schwerin (Otto Karl Max Graf v. Schwerin)

Autorin des Buches (Esther Gräfin von Schwerin 1986)


Kinder von Esther Gräfin von Schwerin

3 Zusammenhänge

3.1 Genealogisches

Die Schwerins bildeten bereits im 17. Jahrhundert eine genealogische Linie heraus, Wildenhoff-Walsleben. Die Grundbesitzer besaßen Wildenhoff und sogleich in Nordbrandenburg den Besitz Walsleben. Schloss Wildenhoff diente zumeist als Hauptwohnsitz. Beide Güter waren verbunden in einem Familienfideikommiss, schon zu Zeiten von Otto Friedrich Wilhelm Graf Schwerin (1796–1860), verheiratet mit der Konsulstochter Jeanette Hay. Ihr Sohn Otto Gottfried Ludwig von Schwerin (1823–1873) übernimmt auch den Titel Erbküchenmeister der Kurmark Brandenburg, welcher dann mit dem Besitz an die nächste Generation weitergegeben wurde. Graf Otto Schwerin war ebenso Rechtsritter des Johanniterordens. Nachfolger war Otto Heinrich Graf von Schwerin (1855–1909), vermählt mit Agnes Gräfin-Lehndorff-Steinort.Letzter Erbküchenmeister und Grundbesitzer auf Schloss Wildenhoff mit Gut Walsleben im Ruppiner Land wurde Otto Karl Max Botho Graf von Schwerin-Wildenhoff (1894–1945), der als Major in den letzten Kriegstagen starb. Seine erste Frau, Gabriele Gräfin Maltzan, lebte später in Heidelberg, die zweite Frau Esther Gräfin Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin bei Bonn. Otto Graf Schwerin-Wildenhoff hinterließ neun Kinder. https://www.wikiwand.com/de/Schloss_Wildenhoff

In der obigen Beschreibung wird ein weiterer Sohn von Otto Friedrich Wilhelm Graf von Schwerin nicht erwähnt: *Karl Ernst Heinrich Graf von Schwerin (1831-1904). Es folgt ein Auszug aus dem ergänzten Stammbaum:


Aus dem Stammbaum geht hervor, dass der Erbauer des Hauses Walsleben und der Schwiegervater des späteren Besitzers und Bewohners des Gutes Stauffenhof (Dr. Alexander Martius) Cousin waren.

3.2 Räumlich-Zeitliches

3.2.1 Zu Otto Gustav Wilhelm Graf von Schwerin

Zahlreiche Adelsfamilien errichteten im 19. Jahrhundert Villen in Berchtesgaden. Was Otto Gustav Wilhelm Graf von Schwerin bewog, die Stanggaß als Standort für das Haus Walsleben zu wählen, ist nicht genau bekannt. Verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie von Martius dürften dabei keine Rolle gespielt haben.

Kleine Zeitachse zu Otto Gustav Wilhelm Graf von Schwerin

  • 7.10.1891 - Heirat von Florence Wann in Oldenburg
  • 1.02.1893 - Geburt des Sohnes Otto Traugott Wilhelm in Oldenburg
  • 9.07.1894 - Geburt der Tochter Dagmar Erika Ottilie in Oldenburg
  • 1905 - Bau von Haus Walsleben
  • 1910 - Postkarte mit Haus Walsleben

Die Postkarte ist mit einer bayerischen 5-Pfennig-Marke frankiert. Sie ist in Berchtesgaden im Jahr 10 [1910] abgestempelt und adressiert an:

Hochgeboren
Frau Gräfin von
Faber Castell
Schloss Stein
bei Nürnberg

Der Text lautet:

Liebe Tilly!
Morgen fahren
wir von hier ab
u. bleiben einen
Tag in München
dann „Freiburg i. Br.
Pension Univers”.
Wir hatten noch
schöne Tage hier u.
machten mit Ritter
Radelmayr [Radlmaier], der einige
Tage hier war Wagen-
Touren.

Bei der Adressatin handelt es sich um Gräfin Ottilie von Faber-Castell (1877 - 1944), die Enkelin von Lothar von Faber, dem Begründer des Faber-Bleistift-Imperiums, dem 1862 für seine wirtschaftlichen und sozialen Verdienste der persönliche Adelstitel verliehen worden war. Freiin Ottilie von Faber heiratete 1898 Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen. Nach dem Tod der Witwe Lothar von Fabers 1903 ging das Imperium an Graf und Gräfin von Faber-Castell über.

Da die Postkarte keine Unterschrift trägt, ist es nicht ganz einfach, die Schreiberin zu identifizieren. Vermutlich handelt es sich um die Schwester von Ottilie (Tilly), Freifrau Sophie von Hirschberg, die 1905 Freiherr Karl von Hirschberg (bayerischer Generalleutnant) geheiratet hatte. Im Internet finden sich Informationen zu Ritter Ludwig von Radlmaier [nicht Radelmayr], der 1916 in Bad Reichenhall Margarthe Sattler heiratete und im Zweiten Weltkrieg Generalleutnant war. Die Erhebung in den persönlichen Adelsstand mit dem Prädikat Ritter erfolgte dann allerdings erst im Oktober 1917.

  • 31.12.1919 - Geburt von Barbara Victoria Adelheid (Tochter von Dagmar) in Berchtesgaden

  • 21.02.1921 - Geburt von Dorothee Dagmar (Tochter von Dagmar)

  • 13.04.1921 - Tod von Dagmar Erika Ottilie in Halle

  • 1927 - Spende des Taufbeckens für die Christus-Kirche in Berchtesgadem

  • 29.04.1933 - Tod von Otto Gustav Wilhelm Graf von Schwerin (Krankenhaus Reichenhall)


Todesanzeige Otto Graf von Schwerin, DAB, Jahrgang LI. (1933, Seite 318)
  • 2.08.1933 - Tod von Florence Gräfin von Schwerin


Todesanzeige Florence, Gräfin von Schwerin, DAB, Jahrgang LI. (1933, Seite 586)

3.2.2 Haus Walsleben nach 1933 ?

Zu Dr. Ulrich von Pentz, Naudin (Mecklenbg.)

Die bis heute bestehende „Toddiner Linie“ aus dem 1. Ast, 2. Zweig stammt von diesem „Lüttke Ulrich“, urkundlich 1471 bis 1511 ab. Zu ihr gehört u. a. Karl von Pentz (1817–1897), großherzoglich mecklenburgischer Oberst und Flügeladjutant aus dieser Linie. Seiner Ehe mit Anna von Oertzen entsprossen zwei Söhne und zwei Töchter. Sohn Friedrich (* 1855), Rechtsritter des Johanniterordens, fiel 1914 vor Ypern als preußischer Oberstleutnant z.D. im Landwehr-Regiment Nr. 78. Seine Söhne waren Hans Henning (* 1890), preußischer Hauptmann a. D., Aufsichtsratsmitglied der Siemens-Planiawerke. Friedrichs († 1914) anderer Sohn war Ulrich von Pentz (* 1893), preußischer Hauptmann a. D., Herr auf Gut Naudin, das ihm 1945 enteignet wurde, Gutspächter und vormals Direktor der Landwirtschaftskammer Bremen. https://de.wikipedia.org/wiki/Pentz_(Adelsgeschlecht)

3.2.3 Zu Otto Heinrich Gustav Graf von Schwerin-Wildenhoff

Der 1838 in München geborene Carl Alexander von Martius begann nach Studienjahren in London seine Forschertätigkeit in Berlin, wo er später nicht nur Gründungsmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft wurde, sondern auch an der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie beteiligt war.

Aus dem Berchtesgadener Anzeiger von Montag, 8.April:

Auch während seiner Berliner Zeit vergaß der Chemiker Martius seine bayerischen Wurzeln nicht. Die reizvolle Umgebung Rechenhalls kannte er von mehreren Kuraufenthalten, was ihn wohl dazu veranlasste, sich am Beginn der 1880er Jahre - in nötiger Distanz zum Kurbetrieb - das nahe gelegene Nonn zum Rückzugsort und Refugium seiner späteren Lebensjahre zu wählen. Möglich ist allerdings auch, dass er diesen Schritt auf Anregung des in Reichenhall praktizierenden Arztes Dr. Georg von Liebig, Sohn seines einstigen akademischen Lehrers, vollzog.

Sein 1874 in Berlin geborener Sohn schlug nach dem Jurastudium einen anderen Weg ein. Er wurde 1911 Landrat des Kreises Darkehmen. Die Stadt liegt im historischen Ostpreußen an der Angerapp, etwa 30 Kilometer südöstlich von Insterburg. 1911 heiratete er Agnes Gräfin von Schwerin (Tochter von Otto Heinrich Gustav Graf von Schwerin-Wildenhoff, Schwester von Otto Karl Max Graf von Schwerin-Wildenhoff, geboren in Steinort / Masuren). Nach Beendigung seiner Tätigkeit als Landrat zog er vermutlich nach Nonn im Berchtesgadener Land. Nach einem Werbeprospekt aus den 1930er Jahren mieteten Dr. Alexander von Martius und seine Frau einen Teil ihres von alten Bäumen umgebenen Stauffenhofs an Sommer- und Wintergäste. Mit dem Hinweis auf nobel ausgestattete Zimmer und Salons, verbunden mit Annehmlichkeiten aller Art, dürfte sich das feudale Angebot an ein gehobenes Publikum gerichtet haben. Diese Phase, die an die Eleganz der Reichenhaller Glanzzeit in den Jahren um 1900 erinnerte, setze der Ausbruch des zweiten Weltkrieges ein Ende. (aus dem Berchtesgadener Anzeiger von Montag, 8.April, 2024)


3.2.4 Haus Walsleben nach 1933 in der Kunst


Haus Walsleben, Peter Karger, 19xx

References

Esther Gräfin von Schwerin. 1986. Kormorane, Brombeerranken. Langen Müller.
“Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser.” 1908. Perthes.
Olav Gulbransson. 1989. WIE GÖTTLICH VERRÜCKT DU BIST. Langen Müller.