Ausgangspunkt für den folgenden Beitrag ist jeweils ein älteres - meist vor 1955 entstandenes - in der Spielesammlung vorhandenes Spiel - wie z.B. das um 1910 entstandene Spear-Spiel Hoki-Poki!. Während bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein bei Spielen meist nur der Spieleverlag angegegeben und bekannt war (z.B. ein Ravensburger Spiel), wurden später häufig auch die Spieleerfinder, die Spieleautoren genannt und beworben (z.B. ein Spiel von Rainer Knizia). Bei Spielen aus der Zeit vor 1955 finden sich neben der Verlagsangabe gelegentlich auch Hinweise auf Künstler, die an der Gestaltung der Spiele beteiligt waren. Im Folgenden werden daher die Spiele aus der Spielesammlung einem Verlag zugeordnet und mit mehreren Spielen desselben Verlages gruppiert. Es folgen - soweit vorhanden - allgemeine Informationen zu den Spieleverlagen, zu Spielwarengeschäften sowie zu an der Entwicklung bzw. Gestaltung beteiligten Künstlern, bevor die Spiele aus der Spielesammlung näher beschrieben werden.
In Teil I werden die Verlage Sala, Joseph Scholz Mainz und Ravensburger berücksichtigt.
In Teil II werden die Verlage Spear, Schmidt, Goebel, Stomo, Hausser, Spielefabrik L. Kleefeld & Co., Piatnik & Söhne (38 Spiele).
In Teil III wird jeweils ein einzelnes Spiel von anderen Verlagen beschrieben.
In Teil VI werden Spiele berücksichtigt, bei denen die Verlagsangabe fehlt.
1 Spear Spiele
1.1 Verlag
Zur Geschichte von J.W. Spear & Söhne:
1879 von Jacob Wolf Spear in Fürth gegründet, produziert das Unternehmen in Nürnberg-Doos und in Enfield bei London über 115 Jahre lang internationale Spiele-Klassiker. Angesichts dieses Erfolgs verblassten wohl die harten Jahre der Nazi-Diktatur, als das jüdische Unternehmen antisemitischer Hetze und Kaufboykotten ausgesetzt war. 1939 musste Firmendirektor Hermann Spear das Unternehmen weit unter Wert verkaufen und erhielt von der Kaufsumme keinen Pfennig. Profiteur und neuer Firmenleiter war der Nürnberger Vorzeigeunternehmer Hanns Porst. Als „Euer Onkel Hanns“ verlegte er Spear-Klassiker, aber auch Propaganda-Versionen beliebter Brettspiele, etwa Bomben auf England oder Im Fluge durch Großdeutschland. Der einstige Firmenchef Hermann Spear und elf weitere Familienmitglieder wurden im Konzentrationslager ermordet.
https://artsandculture.google.com/story/9gUBlzALQsB7Ig?hl=de
Noch Anfang 1938 war J. W. Spear & Söhne mit seinen Spielen im Exportgeschäft tätig, wie ein Wechsel für eine Lieferung an einen Händler in Spa (Belgien) belegt. Nach der Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde der in diesem Zusammenhang ins Konzentrationslager Dachau verbrachte jüdische Eigentümer des deutschen Unternehmenszweigs von J. W. Spear & Söhne, Hermann Spear (Bruder Richard Spears), auf der Grundlage der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutsche Wirtschaftsleben gezwungen, sein Unternehmen zu einem Bruchteil seines Marktwertes zu verkaufen . Beteiligt an diesem Raubzug waren die Deutsche Arbeitsfront (DAF), Kreisverwaltung Nürnberg-Stadt, und als genehmigende Behörde die Regierung von Ober- und Mittelfranken. Käufer war Hanns Porst, der seit 1919 in Nürnberg erfolgreich im Fotogeschäft (Photo Porst) tätig war und das Unternehmen provisorisch mit Wirkung vom 13. Dezember 1938 übernahm. Dabei erhielt die Familie Spear nicht einmal den vom „Arisierungs“-Gutachter festgesetzten minimalen Kaufpreis. Der noch zusammen mit seiner christlichen Ehefrau Else und ihren gebrechlichen Eltern in Nürnberg lebende Firmeninhaber wurde trotz seines 1942 erklärten Übertritts zum Christentum 1943 nach Ausschwitz deportiert, wo er am 10. Juli 1943 ermordet wurde. Auch elf weitere Familienmitglieder wurden vom nationalsozialistischen Staat ermordet. Im „arisierten“ Unternehmen wurden – wie in vielen anderen deutschen Spieleverlagen in jener Zeit auch – kriegshetzerische Spiele, wie „Kurs Ost-Nordost“ (1939, Porst-Spiel 20651) sowie „U-Boote fahren gegen England“ (1940) und „Bomben auf England“ (1940, Spear-Spiel 26681) entwickelt. […] Porst versuchte, ab Mai 1940 den mit dem jüdischen Firmengründer verbundenen Markennamen „Spear“, den er wegen seiner Bekanntheit zunächst weiter benutzte, in einen Werbespruch umzuwandeln: „Spiele, aber richtig!“, um die Herkunft des Unternehmens zu verschleiern. Die Spielanleitungen wurden nun sehr oft mit dem Schriftzug „Euer Onkel Hanns“ gezeichnet, um den spielenden Kindern den neuen Firmeninhaber als väterlichen Freund zu präsentieren.Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis Mitte der 1950er Jahre, bis die Witwe Hermann Spears und die Familie Spear das teilweise kriegszerstörte Unternehmen zurückbekamen. Der Nürnberger Spielehersteller, der nun als Tochtergesellschaft des englischen Haupthauses fungierte, produzierte dann wieder auf beachtlichem Niveau, konnte jedoch die Marktbedeutung aus der Zeit vor 1933 nicht wieder erreichen. 1978 wurde die Firma in Spear-Spiele GmbH umgewandelt und schloss sich aufgrund wirtschaftlichen Drucks mit dem Spielehersteller L. Kleefeld & Co.L. zusammen. Die Produktion wurde am 31. Dezember 1984 am Nürnberger Standort eingestellt. https://de.wikipedia.org/wiki/J._W._Spear_%26_S%C3%B6hne
Nach 1945 erhielt die Familie Spear die zerstörte Fabrik an der Höfener Straße zurück und baute sie wieder auf. Über Jahrzehnte hinweg war am Nürnberger Standort auch ein Produktarchiv entstanden, das nach der Schließung der Fabrik 1984 ins englische Enfield gebracht und mit den dortigen Archivbeständen vereint wurde.
Als der Spielzeug-Gigant Mattel zehn Jahre später das Unternehmen aufkaufte, bewahrte Francis Spear, 1931 in Fürth geboren, die Spielesammlung vor der Auflösung.. 1996 eröffnete der Urenkel des Firmengründers das private Spear‘s Games Archive in der Nähe der Stadt von Ware in der Grafschaft Hertfordshire.
1.2 Künstler
1.2.1 Otto Kubel
Nachdem Otto Kubel an der Dresdner Kunstgewerbeschule ausgebildet wurde, setzte er sein Studium an der Akademie in München fort. Ursprünglich arbeitete er als Illustrator, widmete sich aber später vorrangig der Malerei. Kubel gehörte zur Künstlerkolonie „Bruker Maler“ in Amperstadt. Sein langjähriges Wohnen in der bayerischen Stadt Fürstenfeldbruck wurde durch eine nach ihm benannte Straße gewürdigt. Kubel war vor allem für seine detaillierten Märchen-Illustrationen bekannt, die in den 1920er und 1930er Jahren als Schulwandbilder und Postkarten verbreitet wurden.
Kubel begann seine berufliche Laufbahn mit einer Schreinerlehre, bevor er sich der Kunst zuwandte und eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule absolvierte. Seine Studien setzte er an der Akademie der Bildenden Künste München fort, wo er nicht nur Illustrationen, sondern auch Ölgemälde schuf, die durch ihren lockeren Pinselstrich hervorstachen.
Im Jahr 1902 zog Kubel mit seiner Frau Laura, seiner Jugendliebe, und ihren drei Töchtern nach Fürstenfeldbruck. Dort lebte die Familie in einer Künstlervilla, und Kubel richtete sein Atelier in einem nahegelegenen Gebäude ein. Er war auch gut mit anderen Künstlern in der Gegend vernetzt und nutzte das Atelier seines Freundes Eugen von Ruckteschell mit, als dieser 1907 nach Amperstadt zog. Kubel war in der lokalen Gemeinschaft sehr aktiv: Er beteiligte sich an der ersten Kunstausstellung in Bruck im Jahr 1914, war Hilfsschöffe am Amtsgericht und Mitglied des Männergesangsvereins. Er porträtierte unter anderen den damaligen Emmeringer Chorleiter Pentele. 1922 zog Kubel mit seiner Familie nach München, aber er blieb eng mit Fürstenfeldbruck verbunden. Als 1924 die Künstlervereinigung Bruck gegründet wurde, trat er ihr bei. Er starb 1951 im Alter von 82 Jahren in München. Seit der Auflösung des Grabes steht sein Grabstein auf dem Friedhof von St. Magdalena, neben den Gräbern anderer Künstler.
Trotz seiner künstlerischen Leistungen gibt es eine kontroverse Seite an Kubels Geschichte: Er war ein Sympathisant des Nationalsozialismus und trat 1933 der NSDAP bei. Diese politische Gesinnung führte dazu, dass der Name der nach ihm benannten Straße in Fürstenfeldbruck zur Disposition gestellt wurde. Darüber hinaus brach er 1933 mit der Brucker Künstlervereinigung und befürwortete ihre Auflösung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Kubel
1.3 Spielesammlung
1.3.1 Das Gänsespiel
Das Gänsespiel ist vermutlich das in Europa am weitesten verbreitete Spirallaufspiel.
Während aus der Zeit vor der Erfindung des Holzschnitts und des Buchdrucks nur noch wenige handgefertigte Gänsespiele erhalten blieben, kennt man aus der Zeit etwa ab dem 16. Jahrhundert eine wachsende Flut solcher Spiele aus vielen Ländern Europas. Es ist interessant festzustellen, daß die meisten der aus der Blütezeit der Gänsespiele stammenden Spiralen genau 63 Felder umfassen. Dahinter steht offenbar uralte Zahlenmystik. In der Antike galt jedes 7. und 9. Jahr im menschlichen Leben als gefährdet, weil in diesen Jahren die großen Veränderungen zu erwarten seien. 63 ist das Produkt aus 7 und 9, aber auch das »gefährlichste Lebensjahr«. Jedes Jahr darüber hinaus ist - auch nach Julius Cäsar - Geschenk der Götter. […]
Interessant ist auch festzustellen, daß man bei den meisten Gänsespielen immer den gleichen Überraschungen begegnet, egal, in welchem Land das Spiel erschienen ist: auf Feld 6 der Brücke, auf Feld 19 der Herberge, auf Feld 31 dem Brunnen, auf Feld 42 dem Labyrinth, auf Feld 52 dem Gefängnis, auf Feld 58 dem Tod. Diese Felder scheinen auch in einem Regelverhältnis zueinander zu stehen: die Abstände der Abstände zwischen den Ereignissen vom Beginn bis zum Ende betragen immer 6, 13, 12, 11, 10. und 6 Felder. […]
Klar wird auch die hervorragende Wirkung der Zahl 9, denn auf jedem neunten Feld steht eine Gans, das heißt auf Feld 5,14,23,32 usw. und auf Feld 9, 18, 27, 36 usw. Die Zahl 9 gibt auch bei den günstigen Anfangswürfen den Ausschlag: mit 6 und 3 kommt man auf 26, mit 5 und 4 auf Feld 53.
6 Brücke zahlt 1 und auf 12 19 Hotel zahlt 2 und setzt zweimal aus 31 Brunnen zahlt 3 und bleibt bis ein anderer Spieler ihn herauszieht (Platz tauscht) 42 Labyrinth zahlt 2 und geht auf 30 zurück 52 Gefängnis 58 Tod zahlt 3 und beginnt wieder bei 1
In der Spielesammlung ist nur der Deckel von Das Gänse-Spiel Neue Ausgabe des Spear-Spiels vorhanden.
1.3.2 Table Tennis
Aus: Deutsches Spielearchiv, Museen der Stadt Nürnberg
Kategorie: Bewegungsspiel/ Sportspiel Hersteller: J.W. Spear & Sons, Bavaria Datierung:um 1905 Material: Pappe; Papier; Holz; Eisen; Textil; Zelluloid Maße: H 14,5 cm; B 39,5 cm
Die Sportbegeisterung um die Jahrhundertwende machte keinen Halt vor den Spieleherstellern. Die beliebten Sportarten wurden sogleich für den Hausgebrauch spielerisch umgesetzt, wie Fußball, Angeln, Flohhüpfen und eben Tischtennis, das in der Spear-Produktpalette ein großer Erfolg wurde. Ein Drittel des Spear-Firmenkatalogs von 1904 besteht mechanischen Spielen und Sportspielen.
Spear war einer der ersten Hersteller und produzierte Tischtennisspiele bereits ab 1901 in 27 Ausführungen und neun Preislagen. Bestandteile waren dabei stets: 2 Schläger, 2 Bälle und ein Netz in verschiedenen Qualitätsausführungen. Besonders gehobene Ausgaben für die feine Gesellschaft hatten sogar einen Ballfänger – eine Art Greifarm, so dass man sich nicht nach dem Ball bücken musste.
https://museen.nuernberg.de/spielearchiv/sondersammlungen/spear-spiele/spears-spielekabinett/vasp/table-tennis
Das Spiel in der Sammlung hat den gleichen Inhalt, die Schrift und das Motiv auf dem Deckel sind etwas anders. Ein Rätsel gibt das verwendete Logo auf. Während das Exemplar aus dem Spielearchiv mit SPEAR’S GAMES gekennzeichnet ist, trägt das Exemplar aus der Spielesammlung ein unbekanntes Logo mit dem Zusatz TRADE-MARK Bavaria.
1.3.3 Hoki Poki!
Ein Aufkleber auf dem Schachtelboden des Sammlungsexemplars gibt einen interessanten Hinweis auf die Herkunft des Spiels.

Der vollstängige Text dürfte folgendermaßen gelautet haben:
ANTON PICHLERS WITWE & SOHN, WIEN,
BUCHHANDLUNG u. LEHRMITTELANSTALT
MAGARETENPLATZ 2. x FILIALE TEGETTHOFFSTR.10
Historischer Überblick
Pichler Elisabeth, geborene Praller, * 27. April 1783 Margareten,† 22.Oktober 1865 Wien, Buchdruckerin, Buchhändlerin, Verlegerin (“Pichlers Witwe”).
Führte nach dem Tod des Gatten die Firma für den minderjährigen Sohn Franz (* 20. August 1808 Wien, † 9. November 1891 Wien) unter der Bezeichnung “Anton Pichlers sel. Witwe” weiter und modernisierte sie laufend (1833 Anschluss einer eigenen Schriftgießerei, 1836 Aufstellung einer der ersten Wiener Schnellpressen, 1845 Angliederung einer Stereotypie). Sie eröffnete eine Niederlassung in der Stadt und verband mit der Verlagstätigkeit ein bedeutendes Kommissionsgeschäft. Die 1837 gedruckte “General-Postkarte des Kaiserthumes Österreich” von Raffelsberger ist für den Kartendruck ein bedeutendes Ereignis. 1851 trat Franz Pichler in die Firma ein (“Anton Pichlers Witwe & Sohn”), ab 1865 führte er sie allein, 1866 nahm er seinen Sohn Franz Pichler Junior auf. Der übernahm 1875 die Leitung des Unternehmens, das er 1884 um Filialen für die Buchhandlung und für die Lehrmittelanstalt erweiterte (beide ab 1893 in Wien I., Tegetthoffstr. 10). In Fortführung der Firmentradition baute Pichler den pädagogischen Verlag weiter aus und verlegte er vor allem Unterrichtsliteratur, überwiegend für Volks- und Bürgerschulen.
Bedeutenden Aufschwung nahm unter seiner Leitung auch die Lehrmittelanstalt, die – auf diesem Gebiet führend – ins In- und Ausland teils in eigenen Werkstätten erzeugte, teils importierte Lehr- und Lernmittel für die pädagogischen Erfordernisse aller Bildungs- und Altersstufen lieferte.
Der nach 1918 reduzierte Schulbüchermarkt machte eine Verlagskonzentrierung erforderlich: Pichlers Schulbücherverlag wurde der 1922 konstituierten Hölder-Pichler-Tempsky AG angeschlossen. Den Verlag der methodische Werke, der Jugendschriften und Wandtafeln sowie die Buch- und Lehrmittelhandlung führten Pichler und seine Söhne unter der alten Fa., Anton Pichlers Witwe & Sohn, weiter.
Die Lehrmittel, Bücher, Spielzeuge etc. werden heute von Sammlern hoch geschätzt und sind begehrte Sammelobjekte.
https://www.briefmarken-forum.com/t8784-privatganzsachen-von-a-pichlers-witwe-sohn
Für Hoki Poki! wurden auch Reklamebriefmarken hergestellt:

Im Internet wird auch ein vom französischen Spieleverlag Revenaz & Tabernat (RT) hergestelltes Hoki-Poki! angeboten.
https://www.ebay.de/itm/233278780535
Von Spear Spiele wurde Hoki-Poki! in zwei Versionen hergestellt: eine größere mit vier Schweinchen und eine kleinere mit nur zwei Schweinchen. Das Sammlungsexemplar wird - entgegen der Abbildung auf dem Deckel - nur mit zwei Schweinchen gespielt.


Das Spiel ist gut erhalten, das Dach des Futterhäuschens ist etwas beschädigt, die Schnüre wurden erneuert. Ziel des Spiels ist es, die Schweinchen durch Ziehen an den Schnüren Schritt für Schritt die Treppe hinauf zum Futterhäuschen zu bringen. Bei unvorsichtigem, zu heftigem Ziehen kann ein Schweinchen zurückrutschen oder die Treppe hinunterfallen und muss in diesem Fall wieder von vorne - bei der ersten Treppenstufe - beginnen. Der Spieler, dessen Schweinchen zuerst mit den Vorderbeinen im Futterhäuschen ist, hat gewonnen.
1.3.4 Der Wolf und die 7 Geißlein
Im Internet wird (wurde) ein Exemplar von Der Wolf und die 7 Geißlein angeboten.
Beschreibung
Originalkasten mit buntem Deckelbild; 30,5 x 22 x 2,5 cm. Inhalt: gefalteter, farbig illustrierter Spielplan auf dicker Pappe (quer 29 x 43 cm); Spielfiguren aus Zinn in alter Originalbemalung: 1 Wolf, 6 (statt 7) Geißlein; 3 Würfel. - Spielanleitung im Deckel. Sprache: de (Spielplan im sehr guten Zustand; 1 Geißlein fehlt; Deckelrahmen unauffällig mit zum Kasten passenden , roten Papierstreifen bezogen; Deckel gering fleckig)
https://www.zvab.com/manuskripte-papierantiquitaeten/Wolf-sieben-Gei%C3%9Flein-Kubel-Spear-S%C3%B6hne/15381476632/bd
Das Sammlungsexemplar ist gut erhalten und vollständig (1 Originalwürfel).


Es handelt sich um ein einfaches Laufspiel ohne große taktische Möglichkeiten. Der Reiz des Spiels liegt jedoch darin, dass immer ein Spieler (der Wolf) gegenüber einem oder mehreren, die immer die 7 Geißlein übernehmen, versucht zu gewinnen (6 Geißlein zu fressen). Die Spielregel befindet sich auf der Innenseite des Deckels.
1.3.5 Wettrenn-Spiel und Pferderennen
Mindestens zwei Varianten von Pferderennen mit der Verlagsangabe J.W.Spear & Söhne sind in der Spielesammlung vorhanden. :
Wettrenn-Spiel
Aus dem Internet:
Für Sammler: Wettrennen-Spiel, antik, Brettspiel von ca. 1900
Beschreibung
Antikes Wettrenn-Spiel von ca. 1900, Verlag J. W. Spear&Söhne, Nürnberg, Doos. 3-fach gefaltetes Spielbrett mit Spielvorlage auf Vorder- und Rückseite des Deckels, 6 Reiterfiguren aus Metall, gut erhalten. Ausführliche Regeln und Anleitung auf der Innenseite des Deckels in altdeutscher Schrift. Eine Spielkarte Nr. 3 fehlt, der Karton ist defekt.
https://www.kleinanzeigen.de/s-anzeige/fuer-sammler-wettrennen-spiel-antik-brettspiel-von-ca-1900/2986603026-240-2140.
Diese ältere Variante ist relativ gut erhalten (Schachtel beschädigt). Neben 3 vollständigen originalen Reiterfiguren und einer Figur ohne Fuß (starr, unbeweglich) befinden sich 3 weitere Metallfiguren unbekannter Herkunft (auf Metallfeder beweglich), ein doppelseitiger Spielplan, 6 Spielkarten sowie 3 Würfel in der Spielschachtel. Die Spielregel befindet sich auf der Deckelinnenseite.
Die deutlich jüngere Variante mit gleicher Spielregel (Deckelinnenseite, anderes Schriftbild) unterscheidet sich in einigen Punkten: Der Spielplan ist nur einseitig (identisch mit Plan A der älteren Variante), die Reiterfiguren sind größer und plastischer und auf Metallfedern beweglich. Im Sammlungsexemplar fehlen die Nummernkarten, die 3 beiliegenden Würfel sind nicht original.
Die für beide Versionen gleichlautende Spielregel beschreibt drei verschiedene Spielarten. Dabei sind stets die zwei Komponten Wetten und Rennen wesentlicher Bestandteil des Spiels. Bei Spielart I bewegt jeder Spieler diejenigen Pferde die die drei Würfel anzeigen. Bei allen Varianten entscheidet nur das Würfelglück.
1.3.6 Das lustige Flunderspiel
Aus dem Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin:
Würfelspiel. Schwarze Verpackung auf der die bunten Spielteile und Würfel abgebildet sind. Der Spieletitel in Sütterlin. Inhalt: 12 Flundern aus Karton, die jeweils aus sechs Teilen bestehen, müssen von den Mitspielern zu vollständigen Flundern mit Hilfe zweier Würfel (nicht im Spielekarton vorhanden) zusammengesetzt werden. Spielebeschreibung ist in den Deckel der Verpackung eingeklebt. Die Anleitung ist mit “Euer Onkel Hanns” unterschrieben, Hanns Porst (Begründer der Fotoladenkette Porst) erwarb das gutgehende Unternehmen 1938 von der jüdischen Familie Spear, das diese durch Zwangsverkauf aufgeben musste. Es fehlen je ein Flossen- und ein Bauchteil.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/Q7KDVJWCS4WGVUSCYMMVB4W6NLPTKV7M

Zur Geschichte der Sütterlin Schrift
Der Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin entwarf im Jahr 1911 eine neue Schrift für das Lernen der Handschrift in der Schule. Die Schrift sollte geeignet sein für die Verwendung einer Kugelspitzfeder (anstelle einer Spitzfeder) und damit ein einfacheres Schriftbild mit regelmäßigen Strichdicken ermöglichen. Dabei wird auch die Form der Buchstaben vereinfacht und aufrecht gestellt. Bereits 1915 wird die Sütterlinschrift in Preußen eingeführt, 1935 ernennen die Nationalsozialisten die Sütterlinschrifz zur Deutschen Volksschrift.
Aber bereits am 1. September 1941 wurde das Lehren der Sütterlinschrift an deutschen Schulen untersagt. Als Grund wurde ein Verbindung zur Einführung den Schwabacher Judenlettern genannt, die in keiner Weise besteht.
Diese beiden Aspekte - Verbot der Sütterlinschrift und Enteigung von J.W. Spear & Söhne - spiegeln sich in bemerkenswerter Weise in verschiedenen Ausgaben zu verschiedenen Zeitpunkten von Das lustige Flunderspiel wider. Das in den Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin aufbewahrte Exemplar dürfte wegen der Unterschrift Euer Onkel Hanns nach 1939, wegen der verwendeten Sütterlinschrift wohl vor 1942 entstanden sein.
Das auf einem Münchner Antiquitätenmarkt erworbene Exemplar von Das lustige Flunderspiel ist relativ gut erhalten. Es fehlen zwei originale Flossenteile (blauer Würfel 4, brauner Würfel 5) sowie die originalen Würfel. Die Spielanleitung ist signiert mit Verlag J.W.Spear & Söhne Nürnberg - Doos. Bemerkenswert ist die Verwendung von zwei Schriftarten: Lateinische Grundschrift (Deckel) und Sütterlin (alle Seitenteile des Deckels) sowie die Angabe des Spielwarengeschäfts, in dem das Spiel gekauft wurde.


1879 eröffnete Heinrich Roskothen eine Korbhandlung in Essen. Der gelernte Korbmacher verkaufte zunächst seine selbstgemachten Waren in Hattingen, bis er zwei Jahre später nach Duisburg zog und sich vollkommen auf den Einzelhandel konzentrierte. Der Korbpuppenwagen war der Anfang, der dann zum Verkauf von Spielzeug führte. Das war der Beginn einer langen Tradition in Essen und auch Duisburg. Als im Zweiten Weltkrieg die Stadt Duisburg zu 80 Prozent zerstört wurde, traf es auch die Firma Roskothen. Bombenangriffe in den Jahren 1941 und 1944 verursachten schwere Schäden am Gebäude.

Der wirtschaftliche Aufschwung in der Nachkriegszeit ließ das Geschäft wieder aufleben. Trotz etlicher Schwierigkeiten - in neuerer Zeit verursacht durch den wachsenden Online-Handel - leitet nun Boris Roskothen mit großem Fachwissen in der fünften Generation den Spielwarenladen.
1.3.7 Lotto
Das Lottospiel, das wir mit Bingo vergleichen könnten, besteht aus 18 Spielkarten, einem Stoffbeutel für die Chips, 90 nummerierten Holzchips (1-90) und einer Schachtel mit Glaschips für die Karten. Die Spielanleitung ist auf Papier gedruckt, das auf die Schachtel geklebt wird. Der Deckel der Box dient als Bedienfeld. Die Boxteiler sind aus Holz, während die Box selbst aus sehr hartem kastanienbraunem Karton mit silberfarbenen Buchstaben besteht.
ZUSTAND: Innenraum: Vintage in sehr gutem Zustand (9/10) Alle Kartons sind in sehr gutem Zustand, außer einem (A3), der einen kleinen Riss auf der rechten Seite hat. Die Holzmarken sind in sehr gutem Zustand, die Stofftasche auch. Die Glasmarken sind in gutem Zustand, die meisten haben einige beschädigte Kanten.
https://www.etsy.com/de/listing/1429035312/spiel-lotto-verlag-von-jw-speer-sohne?show_sold_out_detail=1&ref=nla_listing_details
Die Box des Sammlungsexemplar aus hartem Karton ist mit einem holländischen Motiv verziert: Windmühlen, Trachten, Holzschuhe. Das Spiel ist gut erhalten; die 18 Kartons sind völlig unbeschädigt. Leider sind die nummerierten Holzchips unvollständig (siehe Abbildung).
Die 18 Lottotafeln bestehen aus drei Serien von jeweils 6 Kartons mit drei Reihen von fünf Zahlen. Jede Serie ist so gestaltet, dass die Zahlen 1 bis 90 jeweils einmal auftreten (6 x 3 x 5) - etwa durch Zufallsauswahl ohne Zurücklegen.
1.3.8 Die fliegenden Hüte
Aufgrund der vielen Varianten von Die fliegenden Hüte gab, ist eine genaue Datierung des Sammlungsexemplars nicht möglich. Es handelt sich sicher um eine ältere Ausgabe mit einer Hand. Ob es sich bei den Hütchen (jeweils eines statt sechs in fünf verschiedenen Farben) um Originalhütchen handelt, ist ebenfalls unklar.
1.3.9 Wupp!
Das Spiel ist gut erhalten; lediglich die Original Spielhölzer fehlen, die jedoch nach der Spielanleitung auf der Deckelinnenseite durch Streichhölzer ersetrt werden können.
1.3.10 Meister Langohr
Ein einfaches Geschicklichkeits- (Wurf-) Spiel. Die Original-Langohren haben der andauernden Belastung nicht standgehalten und sind ersetzt worden.
1.3.11 Zauberkasten
Spear’s Zauberkasten Marke “Hokus Pokus” ist um 1930 entstanden; das Exemplar aus der Spielesammlung ist sehr gut erhalten und vollständig; die 19-seitige Erläuterung zu den Zauberspielen enthält auch einige Hinweise auf weitgehend unbekannte Spear-Spiele aus dieser Zeit.
1.3.12 Tipotip
Tipotip könnte als Vorläufer der Fingerschlagspiele bezeichnet werden. Eine aus dem Rahmen herausstehende Spielmarke wird mit einem kleinen Stoß des rechten Zeigefingers auf das Spielfeld geschleudert. Das Exemplar ist vollständig und sehr gut erhalten. Interessant auch der Reklamehinweis auf das Spear-Spiel Das lustige Flunderspiel mit Deckelbeschriftung in Sütterlin Schrift.
1.3.13 Denk fix! (Grosse erweiterte Ausgabe)
Bei dem Sammlungsexemplar handet es sich um eine sehr frühe Ausgabe von Denk fix!. Die Drehscheibe ist aus Holz; von den 96 Frage- und Antwortkärtchen sind 95 vorhanden.
1.3.14 Wer kann’s ?
Die bekannten Spears Metall-Geduldspiele in einer stabilen, gut erhaltenen Ausgabe mit Lösungsheft:
2 Schmidt Spiele
2.1 Verlag
Der gebürtige Amberger Josef Friedrich Schmidt (geboren am 24. November 1871 in Amberg, Georgenstraße A178) lebte ab 17.04.1901 in München. Im Winter 1907/08 erfindet er das Spiel “Mensch ärgere Dich nicht”. Der Fierant (Warenhändler) kannte das alte indische Laufspiel “Pachisi” und wahrscheinlich auch dessen englische Weiterentwicklung “Ludo”. Von ihnen ließ er sich zu seiner neuen Schöpfung inspirieren. So tüftelte er in Anlehnung dieser 2 Spiele an einer einfacheren Form, ohne die taktischen und strategischen Variationen der Originale. […]
1910: „Mensch ärgere dich nicht“ kommt erstmals auf den Markt, was aber nicht groß interessierte. Es blieb zunächst einmal unbeachtet.
1911: Erste Exemplare aus Schmidt´s Werkstatt waren zunächst nur für den Bekanntenkreis gedacht. Seine Werkstatt hatte bereits 10 Angestellte.
1912: Josef Friedrich Schmidt produziert das Spiel in seiner kleinen Werkstatt und gründet sein Unternehmen mit dem Logo JFSM.
1914: Der erste Weltkrieg bricht aus. Josef Friedrich Schmidt spendete mit ca. 3000 Exemplaren von der Erstauflage einen Großteil seines Lagerbestandes für die Frontbetreuung und zur Verwendung in Lazaretten. Dadurch konnten sich die verwundeten Soldaten die Langeweile vertreiben. Selbst in den Schützengräben fand man das Spiel. Dank dieser Taktik und der darauffolgenden Mundpropaganda startete das Spiel seine Erfolgsgeschichte. Daraufhin produzierte er in diesem Jahr das Spiel in Serie.
1916: Gewerbeanmeldung zur Herstellung und Vertrieb von Gesellschaftsspielen am 17.04.1916.
Wegen der großen Nachfrage des Spiels musste vorrübergehend eine Lizenz an Spear Spiele in Nürnberg vergeben werden. […] Diese Zusammenarbeit bestand bis ca. 1921/22. In dieser Zeit kamen dann auch die ersten Ausgaben mit doppelseitigen Spielplänen der Firma von Josef Friedrich Schmidt auf den Markt.
1919: Am 01.04.1919 verlegte Josef Friedrich Schmidt die Herstellung in die Blütenstraße 21/0 in München. Die Firma wurde am 28.06.1919 in “Josef Friedrich Schmidt” umbenannt. […]
1936: Sein Sohn Franz macht sich selbständig und gründet in Nürnberg die Spielefirma Franz Schmidt Nürnberg mit dem Logo FSN. Zur Abrundung seines Sortiments und um die Firma seines Vaters (J.F.S.M.) in München zu entlasten, übernahm Franz dazu die meisten Spiel-Produkte seines Vaters, ausgenommen die Erfolgstitel „Mensch ärgere Dich nicht“, „Das Lustige Topfspiel“, das „Spiele-Magazin Nr. 14“ und die „Kaleidofixe“.
1944: Totalschaden der Firma von Franz Schmidt (FSN) in Nürnberg durch einen Fliegerangriff.
1948: In Folge des Krieges und entsprechender Zerstörungen erfolgte schließlich der Neuaufbau und die Verlegung der Firma (FSN) nach München, wo Vater und Sohn kurze Zeit gemeinsam produzierten.Das Logo war zunächst “Verlag Franz Schmidt München 13”. Kurz darauf ersetzte er in München bald sein altes Logo “FSN” durch das sogenannte Zwiebeltürme-Logo. Es zeigt die Türme der Münchner Marienkirche über dem Schriftzug “Spiele Schmidt”. Dieses Logo wurde bis ca. 1970 verwendet.
2.2 Künstler
2.2.1 Lotte Oldenburg-Wittig
Lotte Oldenburg-Wittig studierte an der Kunstakademie in Leipzig. Dann arbeitete sie in Leipzig als freischaffende Künstlerin. […] In der Zeit des Nationalsozialismus war sie obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Sicher belegt ist ihre Teilnahme 1937/1938 an der 7. Großen Leipziger Kunstausstellung. Leipziger Künstler unserer Zeit und 1938/1939 an der Jahresschau Leipziger Künstler.
Sie illustrierte zahlreiche Mädchenbücher, darunter die Goldköpfchen-Reihe von Magda Trott, die Gisel-und-Ursel-Reihe von Margarete Haller und viele Bücher von Emma Gündel. Bis in die 1950er Jahre arbeitete sie vor allem für den Franz Schneider Verlag; ferner illustrierte sie zahlreiche Boje-Bücher.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lotte_Oldenburg-Wittig
2.3 Spielesammlung
2.3.1 Mensch ärgere dich nicht
Zu dem Spiel gibt es sehr viele Informationen in gedruckter Form und im Internet zu den zahlreichen Exemplaren, die im Laufe der Zeit erschienen sind. So ist es beispielsweise möglich, eine Datierung vorzunehmen:
Anfangs wurden die Farben im Uhrzeigersinn folglich angeordnet: Grün, Schwarz, Gelb und Rot.
Das Spielmaterial bestand aus je 4 Spielfiguren einer Farbe. (“Halmakegel”, “Püppchen”, süddeutsch “Männchen”, norddeutsch und seit den 1970er Jahren eingebürgert “Pöppel”). Außerdem gab es einen Holzwürfel und vier “Papp-Würfelbecher” in den vier Farben.
Schon um 1920 änderte sich dann die Farbreihenfolge. Sie war nun Schwarz, Gelb, Grün und Rot.
In einer zweiten Auflage wurde auf einen “Papp-Würfelbecher” reduziert. Die Spielanleitung wurde nicht mehr beigelegt, sondern leicht verändert und in den Karton-Deckel eingeklebt.
Bei beiden Ausgaben fehlt jegliche Firmenangabe. Auf dem Karton steht nur “D.R.G.M.” (Deutsches Reichsgebrauchsmuster) in weißer Schrift.
In dieser Zeit kamen dann auch die ersten Ausgaben mit doppelseitigen Spielplänen der Firma von Josef Friedrich Schmidt auf den Markt.
Die in den alten Ausgaben bekannten bräunlichen Würfel sind wohl eher aus der Tagua Nuss hergestellt worden.
https://alte-brettspiele.jimdofree.com/
Die Datierung des Sammlungsexemplars wird jedoch vereinfacht: Auf der eingeklebten Spielregel auf der Deckelinnenseite findet sich eine Notiz in Sütterlin-Schrift:

Das Museum im Malerwinkel in Marktbreit widmete dem Spiel eine aufwändige Sonderausstellung (10.04.2014 - 2.11.2014). Ein Vitrine trägt die Überschrift:
„Mensch ärgere Dich nicht“
Anfang 1920 Jahre

Die Tatsache, dass „Mensch ärgere Dich nicht“ im Wesentlichen eine starke Vereinfachung der Originale Pachisi und Ludo darstellt - ohne deren taktische und strategische Möglichkeiten - führte meist zu der Bewertung: reines Glücksspiel.
Dazu ein spieltheoretischer Beitrag der ETH Zürich:
Mathematik
Trotz seiner Einfachheit ist “Mensch ärgere dich nicht” kein reines Glücksspiel. Im Verlauf einer Partie kann der Spieler nämlich aktiv bestimmen, welche Spielfigur er bewegt. Seine Entscheidung trifft er mit vollständiger Information. Der dominierende Einfluss des Zufalls ist mit dem Würfeln gegeben. Für das Modell eines idealen Würfels nimmt man an, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Eins, Zwei usw. zu würfeln, je 1/6 ist und dass für mehrere Würfe die Unabhängigkeit der Ereignisse gilt. Die Frage, wie lange eine Spielfigur durchschnittlich dafür braucht, eine bestimmte Wegstrecke zurückzulegen, ist in diesem einfachen Spiel komplex, weil die Spielfiguren sich gegenseitig schlagen und wieder zum Startfeld zurückgeschickt werden können.
https://library.ethz.ch/standorte-und-medien/plattformen/virtuelle-ausstellungen/alles-ist-spiel/mensch-aergere-dich.html
Eine etwas andere Bewertung trifft Prof. Kriß in seinem Buch Im Zeichen des Ungeistes, p. 43. https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hl/id/2788778)

August Wahnschaffe gründete im Jahr 1858 die Manufakturwarenhandlung in Nürnberg am Josephsplatz 18 und handelte mit Fenster-Rouleaux, Gardinen-Verzierungen, Brittania-Löffel, Messer und Gabeln, Kaffeelöffel, Kinderlöffel, Vorlegelöffel, Hosenträger, Ziehharmonikas, Akkordeons, Concertinos, Masken, Fächer, Ballgegenstände, Feldbecher, Reiseflaschen, Zigarren-Reservoirs, Pariser Schreiballons, Damen- und Kinderarmringe (Bracelettes), Chinesische Holzdecken, Pariser Lokomotivpfeifen, elastische Figuren, Puppenzimmer, Putz- und Spezereiläden, Küchen, Theater und Spielwaren.
Ab 1882 durch den Kauf der Firma von Marie Prinoth befand sich ein Zweigbetrieb in München, Dienerstraße 22 und ab 1956 in der Sendlinger Straße 1 (Inhaber Max Daiber).
2.3.2 Spiele-Magazin Nr. 14
Im Spiele-Magazin Nr. 14 von Schmidt-Spiele aus dem Jahr 1931 sind acht Spiele enthalten: Mensch ärgere Dich nicht, Mühle, Dame, Halma, Das grosse Pferderennen, Rauf Runter (Leiterspiel), Für Dich (Farben-Würfelspiel), Das lustige Topfspiel für Jung und Alt. Zu jedem Spiel ist entweder mittels beiliegendem Zettel bzw. Schachteldeckelinnenseite (Halma) oder Spielplan (Topfspiel) eine Regel vorhanden. Das Spiel ist gut erhalten und vollständig (einschließlich der Zinn-Reiterfiguren).
Das zu dieser Zeit sehr verbreitete Topfspiel war auch einzeln erthältlich:
Im Spiele-Magazin 24 ist zwar der Originalspielplan und die Spielregel des Topfspiels enthalten, jedoch fehlt das Henkeltöpfchen (unklar ob vorgesehen). Das Exemplar aus der Spielesammlung wurde im Spielwarengeschäft H. Schweitzer in Wiesbaden verkauft. Diese Spielwarenhandlung erstellte 1896 ein Gesellschaftsspiel mit dem Titel: “Wiesbadener Rundreisespiel. - Ein neues, zeitgemäßes Gesellschaftsspiel für Jung und Alt.”

2.3.3 Max und Moritz
Das Würfelspiel nach Wilhelm Busch kann von 2 bis 6 Spielern gespielt werden. Der Schachteldeckel ist beschädigt, ansonsten ist es gut erhalten und vollständig (Spielplan, Würfel, 6 Zinnfiguren).
Bei dem erwähnten Verlag Braun & Schneider - München lagen die Bildrechte an Max und Moritz.
Der Verlag Braun & Schneider ist ein 1843 von Kaspar Braun und Friedrich Schneider gegründeter Verlag. […] Der Verlag war auch stilprägend. Zwischen 1854 und 1857 veröffentlichten die Freunde Adolf Kußmaul und Ludwig Eichrodt eine Reihe komisch überhöhter Gedichte, die unter dem Titel Auserlesene Gedichte von Weiland Gottlieb Biedermaier herauskamen. In den Fliegenden Blättern erschienen unter anderem Buschs Bildergeschichten Die kleinen Honigdiebe und Der kleine Maler mit der großen Mappe sowie 1865 Der Virtuos, die als eine der revolutionärsten und genialsten Bildergeschichten Wilhelm Buschs gilt. Als verlegerischer Glücksgriff erwies sich auch der Kauf der Bildrechte an Max und Moritz, die Kaspar Braun im Februar 1865 erwarb. Die erste Auflage von 4.000 Stück verkaufte sich zwar nur zögerlich, erwies sich aber mittel- und langfristig als der größte Verkaufserfolg des Verlages. Anlässlich des 70. Geburtstages im Jahre 1902 überwies der Verlag an Wilhelm Busch daher ein Geschenk von 20.000 Reichsmark (ca. 200.000 EUR), die Wilhelm Busch an zwei Krankenhäuser in Hannover spendete.
https://de.wikipedia.org/wiki/Verlag_Braun_%26_Schneider
2.3.4 Komm mit ins Märchenland
Direkt am Anfang der 50ziger hat die bekannte Illustratorin Lotte Oldenburg - Wittig eine neue Version vom Spiel “Kommt mit ins Märchenland” gestaltet.
Dieses Spiel besticht durch die filigranen Zeichnungen der Märchen, welche sehr geschickt wie eine Geschichte aneinandergereiht sind.
Wie auch in der älteren Ausgabe, können Kinder dazu angehalten werden das Märchen kurz zu erzählen auf dem es angekommen ist.
Das wäre dann von Vorteil, da bei einer guten Wiedergabe, das Kind beim weiteren Zug 2 Mal würfeln kann.
Auch hier ist das Schlaraffenland das begehrte Ziel.
https://www.brettspielmuseum.de/post/kommt-mit-ins-m%C3%A4rchenland-1950
Die Schachtel des Spieleexemplars ist beschädigt; Spielplan und Spielfiguren sind gut erhalten, wobei bei einer der sechs Originalfiguren der Fuß fehlt. Zwei Figuren stammen vermutlich aus einem anderen Spiel.
2.3.5 Spitz pass auf
Dieses klassische Reaktionsspiel für Kinder ist von mehreren Spielverlagen in Deutschland auf den Markt gebracht worden (siehe auch hier: Wupp! von Spear-Spiel). Das Exemplar der Spielesammlung ist gut erhalten und vollständig; das Reklameetikett auf der Spieleschachtelrückseite weist auf eine Entstehung un 1950 hin.
2.3.6 Lustiges Angelspiel
Die Fische des Lustige Angelspiels von Schmidt-Spiele sind relativ gut erhalten und wahrscheinlich vollständig; leider fehlen die Holzstäbe für die Magnetangeln.
3 Goebel Spiele
3.1 Verlag
Deutscher Verlag. Nachforschungen zufolge existierte der Verlag in den 1940er Jahren in München. Der erste Hinweis auf den Verlag findet sich im Münchner Adressbuch von 1943. Fritz Goebel produzierte dort in der Pettenkoferstraße 29 verschiedene Brettspiele unter dem Namen „Goebel Fritz & Co. G.m.b.H.“.
Ein weiterer Eintrag findet sich im Münchner Adressbuch von 1947. Dort erscheint der Verlag unter dem Namen „Goebel- Spiele G.m.b.H.“. Der Firmensitz befindet sich in der Rosenheimer Straße 145 in München.
https://boardgamegeek.com/boardgamepublisher/21263/goebel-spiele
In den 1940 Jahren erschienen in dem Verlag auch Spiele wie Wir kämpfen gegen England, zeitgemäßes Kriegsspiel.
3.2 Künstler
3.2.1 Otto Obermeier
Nach dem Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule und einem Studium an der Kunstgewerbeschule in München studierte Obermeier ab 1905 an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München bei Gabriel von Hackl. Um sein Studium zu finanzieren, zeichnete er comichafte Münchenpostkarten, die meistens das Münchner Kindl im Motiv hatten, andere Postkarten huldigten die Familie Wittelsbach oder das Oktoberfest. Dutzende dieser Motive prägten das touristische Münchenbild der 1910er Jahre. Er avancierte zum wichtigsten Gebrauchsgraphiker der süddeutschen Bierindustrie. Kaum eine Münchner Brauerei, die nicht in den 1910er Jahren ein Plakat von Obermeier in Auftrag gegeben hat. So zum Beispiel stellte Obermeier im Auftrag von Löwenbräu 1907 eine ganze Serie von St.- Benno-Bier Plakaten her, die mit Abweichungen noch bis in den 1950er Jahren gedruckt wurden. Heute noch prägen seine prägnanten Plakate das Stadtbild Münchens. Sein Werbeplakat von 1910 für das von Augustiner-Bräu. Jahrzehntelang war das legendäre Münchner Unterhaltungslokal Platzl mit einem seiner Plakate.
Um 1912 entwarf Obermeier für Bahlsen Plakate und Reklamemarken. 1924 entwarf er ein Wahlplakat für den rechtsradikalen Völkischen Block mit dem Hakenkreuz.
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Obermeier_(K%C3%BCnstler)
3.3 Spielesammlung
3.3.1 Swinegel
Ein Laufspiel nach dem Märchen von dem hochnäsigen Hasen und dem schlauen Igel (Plattdeutsch Swinegel). Das Spiel ist vollständig und relativ gut erhalten. Neben denn leichten Schäden an der Spieleschachtel ist lediglich die Befestigung eines Würfelkreisels defekt.
3.3.2 Das Lustige Labyrinth
Durch eine märchenhafte Welt wo Feen, Räuber aber auch Lindwürmer zuhause sind, führt ein Labyrinth, welches man oben links am Stern betreten kann.
Mit drei unterschiedlichen Würfeln wird dieses Spiel in Gang gesetzt.
Ein normaler Zahlenwürfel zeigt die Gehpunkte an, ein Farbwürfel zeigt auf den Sternenplätzen den farblich markierten Weg an, der Figurenwürfel jedoch kommt nur bei bestimmten Feldern zum Einsatz.
Das Zauberschloss oder die Nacht wäre solch ein Feld.
Hier wird solange gewürfelt bis z.B. bei der Nacht die Sonne erscheint, erst dann kann man seinen Gang fortsetzen.
Gewinner des Spiels ist , wer unten rechts am Mond wieder aus dem Labyrinth herausgehen kann.
Aus Brettspielmuseum https://www.brettspielmuseum.de/post/das-lustige-labyrinth
Das Exemplar der Spielesammlung ist gut erhalten (lediglich Schäden an der Spieleschachtel) und vollständig.
3.3.3 Draller
Goebel Geschicklichkeitsspiel, wahrscheinlich aus dem Jahr 1939. Kreiselspiel mit zwei unterschiedlichen Drallern (Münchner Bezeichnung für Kreisel).
3.3.4 Spatzen unterm Hut
Ein auf dem memory-Prinzip basierendes Unterhaltungsspiel. Die Drehscheibe und die 24 Hüte (vollständig) sind gut erhalten. (Beliebige Spielmarken sollten bereit liegen).
4 STOMO Spiele
4.1 Verlag
Zur Geschichte von STOMO:
Stomo ist ein sehr alter Verlag aus Österreich, der 1857 / 1868 als Wiener Druckerei Stockinger und Morsack (Stomo Spiele) gegründet wurde. In diesem Verlag erschien auch die Monopoly Version DKT - Das Kaufmännische Talent.
4.2 Spielesammlung
4.2.1 Elektro-Kontakt
Im 21. Jahrhundert gehen Kinder und Jugendliche ganz natürlich mit digitalen Instrumenten um. YouTube oder Alexa daheim sind die Helferlein, wenn sie fragen haben. Ist das für Erwachsene die Wikipedia oder vielleicht sogar noch ein Buch, sind die jüngeren schon weiter gezogen.
In meiner Kindheit gab’s zwar kein iPad und YouTube, aber zumindest etwas, was wir schon damals für ziemlich cool hielten. Es handelte sich um ein Spiel namens Elektrokontakt der 1857/1858 gegründeten Druckerei, später Spieleverlag, Stockinger und Morsack (STOMO). Von diesem Hersteller stammt auch das in Österreich sehr bekannte Das kaufmännische Talent (DKT), ein Ableger des amerikanischen Monopoly.
Das Spiel Elektrokontakt kam mit einigen Themenreihen mit jeweils fünf oft sehr liebevoll gestalteten Blättern. Bei jedem Objekt auf dem Blatt waren Löcher angebracht, die, wenn man sie in die Schachtel legte, einen Metallkontakt darunter sichtbar machten. Mit zwei über Kabel verbundenen Stiften galt es, die jeweils richtigen Objekte und Antworten zu finden. War die richtige Antwort ausgewählt, leuchtete ein kleines Lämpchen oben an der Schachtel auf. […]
Vor einigen Wochen stolperte Marco Seltenreich, Autor, Designer, Layouter und Menschenbeobachter über das Spiel und die Erinnerungen riefen Tränen bei ihm hervor (so zumindest stelle ich mir das vor). Er rief auf Facebook seine Freunde auf, ihm zu helfen, so viele Serien und Blätter wie möglich zu finden und ihm zu schicken. Und tatsächlich konnte er bis auf eine Serie alle in hoher Qualität finden und einscannen. Sein Ergebnis postete er auf Facebook, mit einem Link zu einem PDF zu allen Blättern.
https://globalmelange.com/2020/11/06/elektrokontakt-die-nostalgische-wikipedia-fuer-kinder
Für das Exemplar in der Spielesammlung sind drei vollständige Themenreihen vorhanden: - Grundserie mit Märchen, Haustiere, Tiere der Wildnis, Rechenaufgaben 1, Rechenaufgaben 2 - Serie 9 mit Aus der Vogelwelt, Schmetterlinge, Pflanzen, Maschinen, Tondichter - Serie 10 mit Schlösser, Gemüse, Klassiker Gemischte Fragen 1, Gemischte Fragen 2. Das Spiel ist funktionsbereit (Batterie gewechselt).
4.2.2 derby
Bei derby von STOMO Spiele handelt es sich um ein Pferdewettrennspiel, dass sich dadurch auszeichnet, dass sich (zunächst) alle Reiter nach einem Würfelwurf gemeinsam nach vorne bewegen. Die Reihenfolge der Pferde ändert sich durch einige verschieden nummerierte Felder und beim Erreichen von Hindernissen. Dadurch entsteht ein abwechslungsreicher Rennverlauf. (Taktische) Entscheidungen durch die Spieler sind nicht möglich. Es handelt sich also eher um einen Zufallsgenerator. Aus diesem Grund steht auch das Wetten auf einzelne Pferde (Gewinn, Platz) im Vordergrund. Interessant ist der immerwährende Totalisator. Nach Eintrag der Wettbeträge und Berechnung der Gewinne kann der Totalisator einfach durch Abheben der obersten Folie gelöscht werden.
Das Spieleexemplar ist vollständig und gut erhalten - mit einer Spielanleitung in Französisch (Geschenk von Sepp Obermaier).
4.2.3 Wirf ins Ziel
Das Wurfspiel für vier Personen von STOMO enthält vier Schleuderfiguren (Clowns) mit jeweils drei Clownmützen in den Farben blau, rot, grün und gelb (vollständig).
4.2.4 Das kaufmännische Talent
DKT – Das kaufmännische Talent ist ein Brettspiel mit einem ähnlichen Spielmechanismus wie Monopoly und basiert auf The Landlord’s Game. Es ist in Österreich eines der erfolgreichsten Brettspiele. 1936 wurde das Spiel unter dem Titel Spekulation bei der 1857/1868 gegründeten Wiener Druckerei Stockinger und Morsack (Stomo Spiele) publiziert.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde es 1940/41 in DKT umbenannt, um einer Zensur zu entgehen, da Monopoly unter der nationalsozialistischen Herrschaft seit 1936 verboten war.
In den 1960er Jahren wurden einzelne Illustrationen getauscht, ansonsten ist das Spiel unverändert geblieben. Ab 1990 wurde das Spiel von Peri Spiele verlegt. Nach dem Konkurs der Perner Produktions GmbH, dem Eigentümer des Labels Peri Spiele, im Jahre 2004 wurde DKT ab 2005 von Freyspiel verlegt[4] und 2007 von Brevillier – Urban in drei Ausgaben (Nostalgie-Edition, City-Edition, Jolly-Edition) herausgegeben. Seit 2008 wird das Spiel von Piatnik produziert.
https://de.wikipedia.org/wiki/DKT_%E2%80%93_Das_kaufm%C3%A4nnische_Talent
1936 wurde das Spiel unter dem Titel Spekulation bei der 1857/1868 gegründeten Wiener Druckerei Stockinger und Morsack (Stomo Spiele) publiziert.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde es 1940/41 in DKT umbenannt, um einer Zensur zu entgehen, da Monopoly unter der nationalsozialistischen Herrschaft seit 1936 verboten war.
Beim Exemplar der Spielesammlung handelt es sich um eine ältere Europa-Ausgabe mit den Städten Wien, Zürich, Berlin, Bruxelles Paris, Hamurg, London, München und z.B. eine Busverbindung München-Villach. Die Häuser, Hotels und karten sind Karten sind vollständig - lediglich eine (von sechs) Spielfigur fehlt.
5 Hausser Spiele
5.1 Verlag
Zur Geschichte von Hausser Spiele:
Seit 1910 produzierte die Firma Hausser Spiele und plastische Figuren in Ludwigsburg. Nach einem Umzug im Jahr 1936 nach Neustadt bei Coburg war die Firma einer der bedeutendsten Spielzeug Hersteller in Deutschland. Bekannt wurde Hausser neben seinen Spielen und Bilderbüchern vor allem wegen des Elastolin. Allein im Jahr 1938 wurden 3 Millionen Elastolin Figuren von Hausser hergestellt und in aller Welt verkauft.
Die Firma Hausser hat sich bei seinen Spielen immer auch sehr schnell den aktuellen Umständen angepasst und die Spiele dem entsprechenden Zeitgeschmack, bzw. der politischen Richtung angepasst.
Nach dem 2. Weltkrieg, hat es die Firma Hausser aber nicht geschafft, ihr sehr auf Spielzeugsoldaten und Nationalsozialismus ausgerichtetes Sortiment umzustellen. Das Elastolin wurde in den 50er Jahre durch neue Kunststoffe verdrängt und der Versuch einer Spielzeugpuppe, der Bild-Lilly wurde kein Erfolg.
Im Jahr 1983 kam das endgültige Aus für die Firma Hausser mit einem Konkurs.
https://www.e-s-g.eu/sammelgebiete/verlage/hausser/
5.2 Spielesammlung
5.2.1 Welthandel
Ein Stempelaufdruck auf der Innenseite des Deckels der Spieleschachtel gibt einen Hinweis auf die Herkunft des Spieles:
Wiens ältestes Spielwarengeschäft - “Spielwaren Hilpert” hinter dem Stephansdom - wurde im Jahr 1872 gegründet. Nach 147 Jahren schloß es im Jahr 2019 seine Pforten.
5.2.2 Hütchen Spiel
Das Wurfspiel für vier Personen von Hausser enthält vier Plastikwippen und jeweils drei kleine Stehaufhütchen in den Farben blau, rot, grün und gelb (vollständig).
5.2.3 Rate fix
Fragespiel Nr. 238 mit 47 Fragekärtchen und einer Holzdrehscheibe.
6 Spielefabrik L. Kleefeld & Co.
6.1 Verlag
Zur Geschichte der Spielefabrik L. Kleefeld & Co.:
Die Spielefabrik L. Kleefeld & Co. wurde 1884 von Ludwig Kleefeld in der Sommerstraße 16 / 18 / 20 in Fürth gegründet. Das Warenzeichen, das Kleefeld beim Königlichen Landgericht unter der Nr. 58 eintragen ließ, zeigt die über einander liegenden Buchstaben N, S und F für Nürnberger Spiele-Fabrik und darüber ein dreiblättriges Kleeblatt. Noch im gleichen Jahr wurde mit einem Deutschen Reichspatent Werbung gemacht. […]
Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu Anfang der 1920er Jahre wurden aufgrund einer soliden Finanzlage und der Ausrichtung auf internationale Absatzmärkte relativ gut überstanden, wenngleich Rohstoffkontingentierung, Handelshemmnisse, Mangel an Arbeitskräften oder Inflation ein Klima der Unsicherheit schufen. Bald wurden die Räumlichkeiten in der Sommerstraße für die Spieleproduktion zu klein. 1926 bezog das Unternehmen ein größeres Fabrikgebäude in der Nürnberger Straße 129, in dem bis zu 180 Arbeiter tätig waren. […]
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde die Spielefabrik L. Kleefeld & Co. ernsten Übergriffen ausgesetzt. So sollte die Firma umgesiedelt werden, um Platz für das seit 1936 im Nachbargebäude Nürnberger Straße 127 untergebrachte Bekleidungsamt zu schaffen. Die Brüder Bomeisl wehrten sich jedoch mit Erfolg. 1937 erhöhte sich jedoch der Druck auf die jüdischen Inhaber der Firma. Am 2. Mai 1938 schied Fritz Strauß aus der Gesellschaft aus, nach eigenen Aussagen unter Zwang durch die Handelskammer Nürnberg. Unter dem Eindruck der Arisierungsgesetze versuchten die Brüder Bomeisl nun, die Firma schnellst möglich zu verkaufen. Mit Vertrag vom 26. Oktober 1938 , nur wenige Tage vor den Novemberprogromen, verkauften Leopold und Moritz Bomeisl den gesamten Geschäftsbetrieb der Fa. Kleefeld & Co., mit Ausnahme des Grundstücks Nürnberger Straße 129, an die 1888 gegründete Firma Christian Herbart KG in Steinach/Thüringen, mit der man bereits vorher Geschäftsbeziehungen hatte. Der Inhaber Max Herbart nutzte dabei die immer drängender werdende Notlage der Brüder Bomeisl und drückte den Kaufpreis immer weiter. Letztendlich erhielten sie vom tatsächlichen Verkehrswert der Firma nicht einmal 20 Prozent. […]
Am 19. Januar 1939 wurde die Nürnberger Spielefabrik L. Kleefeld & Co. im Fürther Handelsregister gelöscht. Bis Kriegsende führte Max Herbart die Firma unter dem Namen Herbart Spiel oder Christian Herbart Spielefabrik (kurz “CH”) weiter. Das Kleeblattlogo wurde beibehalten. Der ehemalige Eigentümer Leopold Bomeisl emigrierte am 17. August 1939 zusammen mit seiner Frau Marie nach Rotterdam, von wo aus sie im Mai 1943 ins polnische Vernichtungslager Sobibor deportiert und später für tot erklärt wurden. Im November 1938 musste auch das Firmengebäude in der Nürnberger Straße 129 zwangsweise verkauft werden. Neuer Eigentümer wurde NSDAP-Funktionär Karl Holz. Allerdings wurde dies nach einer Nachprüfung einer von Hermann Göring eingesetzten Untersuchungskommission 1942 wieder rückgängig gemacht und Moritz Bomeisl wieder als Eigentümer im Grundbuch eingetragen. Er musste das Anwesen allerdings kurz darauf zwangsweise für einen kleinen Betrag wieder an Max Herbart verkaufen. Am 21. Februar 1945 wurden bei einem Bombenangriff die beiden obersten Stockwerke zerstört. Neben vielen Maschinen wurde auch das sich im Eckturm des Gebäudes befindliche Musterzimmer und das Firmenarchiv der Firma Kleefeld vernichtet. […]
Schon am 8. Mai 1945 setzten die amerikanischen Besatzungsstellen Moritz Bomeisl wieder als Treuhänder seiner Firma ein. Gleichzeitig begannen die Auseinandersetzungen mit Max Herbart um die Rückgabe der Firma, die bis 1952 andauerten. Im Fabrikgebäude waren zwei der fünf Stockwerke komplett zerstört und die anderen drei nicht nutzbar. Trotzdem begannen fünf Mitarbeiter sofort wieder mit dem Wiederaufbau und der ersten Produktion. Schon 1948 erwirtschafteten 50 Mitarbeiter einen beträchtlichen Umsatz und wenn es nicht eine schwierige Materialbeschaffung gegeben hätte, erklärte Bomeisl, dann könnte er weitere 30 bis 40 Personen einstellen. Eine gütliche Einigung mit Max Herbart scheiterte und erst Ende 1951 entschied der Wiedergutmachungssenat des Oberlandesgerichts München zugunsten der früheren Inhaber. Max Herbart wurde zur Rückgabe des gesamten Geschäftsbetriebes verpflichtet. Herbart legte Widerspruch ein und die letzten Verfahren endeten erst im August 1956 in einem Vergleich.
https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php/Spielefabrik_L._Kleefeld_%26_Co.
6.2 Spielesammlung
6.2.1 Graf Zeppelin
Die Spielanleitung weist auf ein besonderes Ereignis hin:
Kein Ereignis hat in der letzten Zeit eine derartige Begeisterung hervorgerufen wie die Fahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ unter der bewährten Führung von Dr. Eckener nach Amerika. […] Diese schnelle und sichere Fahrt, die man vor kurzer Zeit noch für ganz unmöglich hielt, beweist, daß die Beförderung mit dem Luftschiff jetzt wohl bald allgemein wird. >Der 1868 in Flensburg geborene Hugo Eckener kam als Korrespondent der Frankfurter Zeitung durch einen seiner Berichte über das Zeppelin-Luftschiff in Kontakt mit dem Grafen Zeppelin. Daraus entwickelte sich eine langjährige Zusammenarbeit. Ende der 1890er Jahre siedelte Eckener von Flensburg nach Friedrichhafen über und wurde Fahrtenleiter und Prokurist der 1909 gegründeten Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG). Nach dem Tod des Grafen Zeppelin weckte Eckener durch die Atlantiküberquerung des Zeppelins 126 und der Weltenfahrt von LZ 127 in den 1920er Jahren wieder das Interesse an Luftschiffen.
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/IAT3LXMCRI6G6GSHQYRTZVA24GDHVH37
Im Spiel wird eine Reise mit dem Zeppelin Deutschland simuliert, um auch die Geographie von Deutschland kennen zu lernen. Das Exemplar in der Spielesammlung enthält sechs Luftschiffe (auf Federn) und einen Würfel, Würfelbecher und Schalen für Spielmarken (nicht beiliegend).
6.2.2 Lache nicht zu früh
Lache nicht zu früh ist ein Spiel (Mensch ärgere dich nicht Variante) aus der Zeit, in der die Spielefabrik L. Kleefeld & Co. enteignet und unter Christian Herbart Spielefabrik (kurz “CH”) weitergeführt worden war. Das Spieleexemplar ist unvollständig.
6.2.3 Steck-Halma
Steckhalma ist ein Spiel von KLEE aus der Nachkriegszeit.
7 Piatnik & Söhne
7.1 Verlag
1824 gründete Anton Moser in Wien einen Kartenmalereibetrieb im 7. Wiener Gemeindebezirk. Nach Mosers Tod übernahm Ferdinand Piatnik 1842/1843 die Kartenwerkstatt. Als 1882 seine Söhne, Adolf und Rudolf Piatnik, in den Betrieb eintraten, erfolgte die Umbenennung der Kartenmalerei in Ferd. Piatnik & Söhne, Wien. Nach dem Tod Ferdinand Piatniks 1885 wurde das Unternehmen von seiner Witwe und den Söhnen weitergeführt.
1891 wurde das Fabriksgebäude in der Hütteldorfer Straße 229–231 im 14. Bezirk errichtet. 1896 wurde die Firma Piatnik Nándor és Fiai als Schwesterunternehmen gegründet. Piatnik expandierte weiter und kaufte 1899 von der Wiener Firma Josef Glanz den Spielkartenhersteller Ritter & Cie. in Prag und 1912 die Firma Josef Glanz selbst auf.[2] 1923 erhielt Piatnik die unwiderrufliche Staatliche Auszeichnung und damit das dauernde Recht zur Führung des Bundeswappens im Geschäftsverkehr. 1939 wurde das Wiener Stammhaus in die Familien-Kommanditgesellschaft Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne umgewandelt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1951 der Mehrfarben-Offsetdruck eingeführt. 1956 erweiterte die Spielkartenfabrik ihr Sortiment auf Brettspiele; seit 1966 werden auch Puzzles produziert.[3] 1962 wurde das Wiener Fabrikgelände um mehrere Stahlbetonhallen erweitert, 1985 nochmals. Mit Piatnik of America wurde 1989 die erste Tochtergesellschaft gegründet. https://de.wikipedia.org/wiki/Piatnik
Das Sortiment der Firma Piatnik umfasste zunächst nur Kartenspiele; erst nach 1956 wurden auch Brettspiele und Puzzles produziert. In den Anfangsjahren wurden jedoch vereinzelt auch Spiele, die zunächst als Eigenproduktionen vermarktet wurden, in das piatnik Sortiment aufgenommen.
7.2 Künstler
7.2.1 Willy Mayrl
Pressemitteilung über die Verleihung des Verdienstabzeichens der Stadt Wien aus dem Jahr 1990: Willy Mayrl bestimmt seit Jahrzehnten die künstlerische Gestaltung der Spielkarten der Firma Piatnik und hat sich auch als Landschafts- und Porträtmaler sowie als Kinderbuch-Illustrator einen Namen gemacht. Außer dieser Mitteilung ist kaum etwas im Netz über diesen begnadeten Maler und Illustrator zu finden. Eigentlich sehr schade.
Willy Mayrl hat sehr viele Bilderbücher wunderschön illustriert. Er arbeitete mit Autoren wie Dora Thaler und Helene Weilen zusammen. In Deutschland bewundert man vor allem seine Tierbilderbücher wie z.B. die Vogelhochzeit und die vielen Häschenbücher.
https://www.detlef-heinsohn.de/illus-mayrl.htm
7.3 Spielesammlung
7.3.1 Schwarzer Peter mit Tieren
Das Schwarze Peter Kartenspiel der Spielsammlung ist vollständig; lediglich eine Karte ist leicht beschädigt.
7.3.2 Typ-Dom
Spieleautor Franz Weigl hat scheinbar anfangs das Spiel Typ-Dom selbst veröffentlicht. Später ging es in das Programm vom Piatnik über. Es sind zahlreiche Ausgaben bekannt, die erste von 1936. Weigl verstand sich anders als andere Verleger zu der Zeit als Spieleautor und hat u. a. für Schmidt Spiele gearbeitet.
Das Exemplar in dre Spielsammlung ist gut erhalten; lediglich ein Buchstabe fehlt.
7.3.3 Kaspi
Auch hier ist die östereichische Variante von Fang den Hut zunächst bei Kaspi Spiele Wien (in einer Version für 4 Spieler) erschienen, bevor sie im Piatnik-Verlag (für 4 bzw. 6 Spieler) publiziert wurde.
Spielwarengeschäft Herold in Wien Josephsstadt - 1914 bis 2021
















































































































