1 1901: Als am Tristramweg die Zyklamen blühten
Auf dem Tristramweg, wo die Zyklamen blühten, am düsterheroischen Königssee schritten wir zeitlose Wochen. Tausendmal Gesprochenes ward tausendmal wiederholt, klang uns immer neu, von neuen Küssen tausendmal besiegelt.
Aus: Roda Rodas Roman von Alexander Roda Roda

In Roda Rodas Roman lernt Roda Roda die damals berühmte russische Tänzerin Manja Karinskaja kennen und verbringt mit ihr einige Wochen in Berchtesgaden, wobei neben dem Tristramweg und dem Königsseeweg noch weitere Orte wie der Malerwinkel erwähnt werden. Im Roman wird teilweise wörtlich aus Briefen von und an Adele Sandrock zitiert die im Nachlass von Roda Roda gefunden und veröffentlicht wurden, d.h. die Romanfigur Manja Karinskaja war in der Realität die Schauspielerin Adele Sandrock, in der Realität war Roda Roda vom 18.Juli bis zum 9.August 1901 in Berchtesgaden.
2 2013 - 2023: Als die Tristramschluchweg gesperrt und aufwendig saniert wurde
Renaissance eines Schluchtwegs
Zehn Jahre lang war die Tristramschlucht gesperrt, wer von Berchtesgaden nach Bischofswiesen wollte, dem blieb nur der Fußweg entlang der Staatsstraße. Nach jahrelangen Verhandlungen zwischen Deutscher Bahn und Gemeinde sowie anschließenden umfangreichen Sicherungs- und Sanierungsarbeiten ist der Tristramweg nun endlich wieder begehbar.
Rund 1,8 Kilometer lang, verläuft der Tristramweg durch die teils enge Schlucht der Bischofswieser Ache zwischen Gmundbrücke und Uhlmühle. Nur das Rattern des im Talgrund fahrenden Zuges unterbricht regelmäßig die hier herrschende Stille, die in den vergangenen Jahren noch größer geworden ist. Sperrschilder auf beiden Seiten der Schlucht verboten nämlich eine Begehung aus Sicherheitsgründen, die Strecke war gesperrt.
Ausschlaggebend dafür war ein damals von der Bahn in Auftrag gegebenes Steinschlaggutachten. Das kam zu dem Ergebnis, dass der Bahnverkehr und die Fußgänger von Steinschlag bedroht sind. Die Bahn stellte daraufhin ein Sanierungskonzept vor, das allerdings ausschließlich die Bahnstrecke berücksichtigte und nicht den gemeindlichen Weg. Bei der Bahn hielt man die Gemeinde für zuständig, die Kommune dagegen sah bei dem Gesamtprojekt die Bahn als Grundstückseigentümerin in der Pflicht. Eine entsprechende gerichtliche Auseinandersetzung endete dann mit einem Vergleich. Schließlich konnte ein Sanierungskonzept entwickelt werden, das beide Seiten gleichermaßen zufrieden stellte.
2021 sollte die Tristramschlucht endlich wieder für Fußgänger freigegeben werden. Doch dann kam der 17. Juli 2021, als der Talkessel von einem Jahrhunderthochwasser heimgesucht wurde. Und das machte auch vor der Tristramschlucht nicht Halt. Die Schäden waren massiv. Im Bereich zwischen der Bachingerbrücke und dem Färberwinkl gingen mehrere Muren ab und Bäume stürzten auf den Wanderweg. Große Teile des Hauptkanals zwischen Bischofswiesen und Berchtesgaden waren zerstört und auch an der Bahnanlage waren wieder erhebliche Reparaturen zu bewerkstelligen, So kam es, dass noch einmal über zwei Jahre vergingen, bis die Sanierung jetzt abgeschlossen werden konnte.
Insgesamt steckten die Deutsche Bahn und die Gemeinde Bischofswiesen rund 2 Millionen Euro in das Projekt, 800000 Euro entfallen auf die Gemeinde, die allerdings mit Zuschüssen aus dem staatlichen Unwetterfonds rechnen kann. Aufwändig zu errichten waren vor allem die Steinschlagschutznetze aus Stahl, teilweise ergänzt durch Abrollschutzmauern oberhalb des Weges. Damit sich das Stahlnetz im Ernstfall ausreichend ausdehnen kann, musste der Wanderweg in manchen Bereichen etwas tiefer in Richtung Ache verlegt werden. Erneuert wurden auch mehrere Durchlässe und Brücken. »Außerdem haben wir den Weg komplett neu aufgekiest, in weiten Bereichen ist er auch ein wenig breiter geworden«, sagt der Bischofswieser Geschäftsleiter Rupert Walch. Die für die Baumaßnahme zwischenzeitlich errichtete Baustellenzufahrt wurde wieder komplett zurückgebaut, sie ist jetzt mit einem Tor versperrt. Der Fußgänger nutzt die wenige Meter unterhalb liegende enge Passage neben den Bahngleisen. Denn – und das betont auch Rupert Walch noch einmal – der Tristramweg soll auch künftig kein Radweg, sondern ein reiner Wanderweg sein.
Ulli Kastner
Berchtesgadener Anzeiger
19.10.2023
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