Derzeit (2025) gibt es in Weiden (Oberpfalz) drei Gymnasien:
- Augustinus Gymnasium
- Kepler-Gymnasium
- Elly-Heuss-Gymnasium
Das Augustinus-Gymnasium wurde 1903 errichtet und ist damit das älteste der aktuell drei Gymnasien in Weiden. 1903 wurde das Gebäude fertiggestellt und der Schulbetrieb aufgenommen. Allerdings kam es zu Problemen mit dem Namen; eine etwas voreilig angebrachte goldene Inschrift LUITPOLD-GYMNASIUM (Prinzregent-Luitpold-Gymnasium) musste mangels Genehmigung nachträglich durch ein schlichtes Humanistisches Gymnasium ersetzt werden. 1907 wurden die ersten Reifeprüfungen abgelegt. Nach der Überprüfung und Zuteilung von Lehrkräften durch die Militärregierung konnte im Januar 1946 der Unterricht wieder beginnen. 1953 kam es zu einem Brand und dem Verlust des gesamten Dachgeschosses, was beim Wiederaufbau zur Ergänzung eines dritten Obergeschosses genutzt wurde. 1965 erhielt die Schule auf eigenen Antrag den Namen Augustinus-Gymnasium.
Das heutige naturwissenschaftlich-technologische, sprachliche und wirtschaftswissenschaftliche Kepler-Gymnasium blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Es ging aus der 1869 in Weiden eröffneten Gewerbeschule hervor, die 1877 in eine Realschule umgewandelt und 1927 zur Oberrealschule erweitert wurde. Im April 1945 wurde der Unterricht zunächst eingestellt, im Februar 1946 erfolgte die Wiedereröffnung als “Oberschule für Jungen” durch die amerikanische Militärregierung, bevor wenig später die alte Bezeichnung “Oberrealschule” wieder eingeführt wurde. 1962 wurden erstmals auch Mädchen aufgenommen. 1965 erfolgte die Umwandlung in ein mathematisch-naturwissenschaftliches und neusprachliches Gymnasium mit dem Namen “Kepler-Gymnasium”.
Gegründet wurde das Elly-Heuss-Gymnasium im Jahr 1907 von einer Gruppe Weidener Honoratioren als „Höhere Töchterschule“, geleitet wurde sie zunächst von den Armen Schulschwestern. Aus der Töchter- und späteren Mädchenschule entwickelte sich in mehreren Phasen und Verzweigungen das sechsjährige „Lyzeum“, die „Mädchenmittelschule“ und 1951 die „Mädchenoberrealschule“. Im Jahr 1969 entschied sich der Weidener Stadtrat für den Namen „Elly-Heuss-Gymnasium“ nach der Politikerin und Sozialreformerin Elly Heuss-Knapp. Die seit 1937 städtische Schule wurde schließlich im Jahr 1970 zu einem staatlichen Gymnasium.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1965 trugen also die Höheren Schulen in Weiden folgende Bezeichnungen: Humanistisches Gymnasium, Oberrealschule und Mädchenoberrealschule.
Albert von Schirnding stammt aus einer böhmisch-bayerisch-italienischen Adelsfamilie. Er ist Lyriker, Erzähler, Essayist und Literaturkritiker. Bekannt geworden ist er u.a. als Interpret griechischer Philosophie. Schirnding ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz.
Aus dem Klappentext des Buches Jugend, gestern von Albert von Schirnding (von Schirnding 2015)
Aus dem Kapitel ABSCHIED VOM GENIEVERDACHT des Buches Jugend, gestern.
Als ich eingeladen wurde, im Juni 1959 im Münchner Tukanem zu lesen, das damals identisch war mit dem Theatersaal des Regina am Maximiliansplatz, war ich vierundzwanzig und absolvierte weit entfernt von der Landeshauptstadt in Weiden in der Oberpfalz, mein erstes Jahr als Referendar am dortigen Gymnasium. «Weiden ist mit nur als Bahnstation der über Regensburg gehenden Linie nach Berlin ein Begriff, die ich in lang zurückliegenden Jahren sehr oft gefahren bin», schrieb die mich einer Korrespondenz würdigende Ina Seidel. Sollte das ein Trost sein? Eher das Gegenteil. Ich war aber durchaus trostbedürftig, zumindest in den ersten Monaten des als trostlose Verbannung empfundenen Aufenthalts an einem Ort, der eine geradezu programmatische Reizlosigkeit auf seine Fahnen geschrieben hatte, geschrieben gehabt hätte; es wehten ja keine. Auch daß mein Vater hier geboren war, um sechzehnjährig aus der Schule zu fliegen, in der ich das Unterrichten lernen sollte, machte die Fallhöhe meines Sturzes nicht geringer. Ich hätte mich dann und dort einzufinden, hatte es im autoritären Bürokratendeutsch des kultusministeriellen Schreibens geheißen. Das «Dort» hieß für einen Altphilologen Tomi am Schwarzen Meer, …
[für alle, die es höchstens zum Besuch einer Oberrealschule gebracht haben: Tomi (Tomis) am Schwarzen Meer ist die Stadt, in die der römische Dichter Ovid von Kaiser Augustus verbannt wurde. Im historischen Zentrum dieser Stadt - heute Constanța, eine rumänische Hafenstadt am Schwarzen Meer - wurde 1887 das Ovid-Denkmal des italienischen Bildhauers Ettore Ferrari errichtet.]
… was immerhin eine gewisse Auswertung der traurigen Wirklichkeit bedeutete, auch wenn der Genieverdacht - es ist der aus dem Zusammenbruch der Kindheit gerettete halbbewußte Glaube, zu einer höheren Bestimmung geboren zu sein - nicht ganz ausreichte, mich mit Ovid zu identifizieren. Das «Dann» war der 2. Dezember 1958, ich konnte mich an einen kälteren nicht erinnern. Die Herbergsuche führte in ein in besonders häßlicher Vorstadtgegend gelegenes Zimmer, das unbeheizbar war. Ich musste mir einen von diesen Heizkörpern besorgen, in deren Bannkreis man sich auf einer Seite Verbrennungen, auf der anderen Seite Frostbeulen zuzieht. Und ich fror auch im Bett, so daß auch an diesem sonst verläßlichen Zufluchtsort an Lesen nicht zu denken war, geschweige an Schreiben. Ohnehin wäre in den Augen der Vermieterin, einer grämlichen Kriegerswitwe, jenes eine abwegige, dieses eine abartige Beschäftigung gewesen.
Die Schüler waren brav, hatten aber schwere Zungen. Die intelligenten sahen aus wie ein ins Unreife übersetzter Max Reger, auf den sich der geballte künstlerische Lokalpatriotismus der Stadt erstreckte. Etwa ein Drittel der Schülerschaft rekrutierte sich aus den Insassen des sogenannten Bischöfichen Knabenseminars, eines Neubaus, der von der Schule aus durch einen Verbindungsgang zu erreichen war und dessen Studiensäle zugleich als Unterrichtsräume dienten. Die zum Priesterberuf erkorenen waren in eigenen Klassen zusammengefaßt, sie sollten um Gotteswillen nicht in Berührung mit den verdorbenen Stadt- und noch verdorbeneren Fahrschülern kommen. Da ich als Halbwüchsiger an einer Stenographieprüfung teilgenommen hatte und ein Zeugnis vorweisen konnte, das mir 130 Silben pro Minute bescheinigte, durfte ich in einer dieser Seminarklassen Stenographieunterricht geben.
Ich hatte mir den Auftakt meiner pädagogischen Laufbahn etwas anders vorgestellt. Die Sache war die, daß ich immer schon, das heißt, seit ich zwölf war, nach dem Zerrinnen der eisblockfesten Gewißheit, zum Komponisten Beethovenschen Formats (ich hatte die Biographie von Schindler gelesen) geboren zu sein, unbedingt Lehrer werden wollte, weiß Gott, warum. Das war also auch noch in Weiden (oder: in den Weiden, wie die Alteingesessenen sagten) [sollte es nicht in der Weiden heißen?] kein Brotberuf, sondern eine faustdicke Sehnsucht.
(von Schirnding 2015, 142–44)
Jugend, gestern Jahre - Tage - Stunden erschien 2015 zum 80. Geburtstag von Albert von Schirnding, zehn Jahre später denkt er in dem Buch War ich da? Von Ankünften und Abschieden im Rückblick auf sein eigenes Leben über die Frage nach, was es für uns Menschen heißt, «da» zu sein.
Ein kleiner Auszug aus diesem Buch ebenfalls über seine Referendarzeit in Weiden:
… Einstweilen verschlug es mich nach dem Staatsexamen laut einer kurz angebundenen Mitteilung des Kultusministeriums im Dezember 1958 nach Weiden in der Oberpfalz. Dort sollte ich an dem Gymnasium, aus dem mein Vater vor einem halben Jahrhundert dimittiert worden war, mein Referendariat ableisten. […] Ganz so abgeschnitten von jedem kulturellen Glanz hatte ich mir den Ort meiner pädagogischen Ausbildung dann aber doch nicht vorgestellt. Die Verwandten, denen ich meinen künftigen Aufenthaltsort nannte, kannten Weiden allenfalls als Bahnstation auf der Fahrt von München nach Berlin. Dabei war es die freilich nie besuchte Geburtsstadt des Vaters. Auch die Max Regers, aber der war lange tot.
Der Winter 1958 war außergewöhnlich kalt, und das abgelegene Zimmer, in dem ich nach langer Suche landete, war unheizbar. Umso schöner wurde der Sommer, der Jahrhundertsommer 1959. Die berufliche Beanspruchung ließ uns Referandaren viel Freizeit. Die Schüler hatten unter den teilweise verknöcherten Lehrern wenig zu lachen; man hatte es leicht, als wohlwollender Anfänger, der seinerseits unter Druck stand, ihre Zuneigung zu gewinnen. Hinter der Drastik der Unterrichtsmethoden unseres Ausbilders in den alten Sprachen steckte mehr Menschlichkeit, als ich zunächst wahrnahm. Auch wollte er uns in seinen Vorführstunden vielleicht besonders beeindrucken. Jedenfalls erlebte ich, mit meinen Leidensgenossen hinten an der Wand stehend, wie vierzehnjährige Schüler ohne Anwendung körperlicher Gewalt verbal windelweich geprügelt wurden, bis sie in schlotternde Angstbündel verwandelt waren. Es war eine Pädagogik, die das alte Wort, Bildung werde nur dem geschundenen Menschen zuteil (die griechische Vokabel bedeutete wie das deutsche «schinden» eigentlich das Abziehen der Haut bei lebendigen Leib), in die Tat umsetzte. Ich war nahe daran, dagegen lautstarken Protest zu erheben, was schon ganz am Anfang das Ende meiner Lehrerlaufbahn zur Folge gehabt hätte. An den zuverlässig immer sonnigen Nachmittagen traf man die gar nicht unterdrückt wirkenden Schüler an einem kleinen Waldsee, wo die gesamte Weidener Jugend sich zu tummeln schien, wurde mit Händeklatschen begrüßt und ließ sich auf Wasserwettkämpfe ein. Eine theoretische Auseinandersetzung mit Gerhard Nebels Appell zur Re-Inthronisation eines absoluten Autoritätsbegriff stand mir noch bevor.
Ich durfte in einer vierten Klasse Stenographie-Unterricht erteilen; mit zwei Schülern aus dieser Klasse bin ich heute noch befreundet. Anfang Mai übertrug man mir für die erkrankte Deutschlehrerin die Lektüre des «Faust» in der Abiturklasse. Zwischen dem (überwundenen) Gabelsberger und dem (unüberwindbaren) Goethe verringerte sich der nur scheinbar ungeheure Abstand im Hinblick auf die zu unterrichtende Adressaten: beides war Lernstoff. Dem Jahr in Weiden verdanke ich jenseits der Schule ein weiteres enorm bereicherndes Erlebnis: Ich lernte die Oberpfalz als Heimat kennen und lieben. Am Faschingsdienstag führte ein Ausflug mit den Seminarkollegen nach Nabburg; alle Glocken läuteten, die Einwohner versammelten sich zu einer Nachmittagsmesse. In Tirschenreuth machte ich dem Geburtshaus des Sprachforschers Johann Andreas Schmeller meine Aufwartung. Ein Wochenende in Amberg bestätigte die Bemerkung unseres Oberstudiendirektors, Amberg sei im Gegnsatz zum oppidum Weiden eine urbs. Waldsassen erwies sich als ursprüngliches Schirdingsches «Hoheitsgebiet». Eine Wanderung von Ebnath zur Luisenburg machte mit der Schönheit des Fichtelgebirges vertraut. In Wunsiedel wandelte ich auf den Spuren Jean Pauls, dessen «Flegeljahre» ich gerade gelesen hatte.
(von Schirnding 2025, 57–59)




