Zwei Seiten - Forsthaus in BGL und Ergebnisse der Gebäude- und Wohnungszählung

Das (geplante) Forsthaus im Berchtesgadener Talkessel - zensus2022
BGL
Author

Gerd Welzl

Published

July 17, 2024

1 Das Forsthaus im Berchtesgadener Talkessel

1.1 Plan A

Anfang 2021 plant der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten den Bau eines Forsthauses im Mooshäuslmoos (Außengebiet von Bichofswiesen).

Forstzentrum soll gebaut werden: Sturm der Entrüstung bei Bürgern
[…] Der Forstbetrieb Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten plant im Außenbereich, in einem Feucht- und Moorgebiet, ein Forstzentrum. Das passt selbst der Gemeinde nicht ins Konzept: Einen Antrag auf Vorbescheid zum Neubau lehnten die Volksvertreter einstimmig ab. Gebaut werden könnte trotzdem, denn die Staatsforsten sind dazu privilegiert. Widerstand formiert sich.
[…] Noch befinden sich die Planungen zwar in einem frühen Stadium. Tatsache ist aber: Die Eingriffe in das Mooshäuslmoos, das ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Spazierwegen und Wald ist, wären nicht zu übersehen.
[…] Dr. Daniel Müller, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, sagt, dass es einen »großen Bedarf für Wohnraum für Mitarbeiter« gebe. […] In der Vergangenheit hatte der Forstbetrieb im Besitz befindliche Forsthäuser und damit dringend benötigten Wohnraum teils meistbietend verkauft, etwa am Höglwörther See in Anger. In Aufham, Inzell und Bad Reichenhall betreibt der Forstbetrieb Berchtesgaden, der sich über das Berchtesgadener Land, den Rupertiwinkel und das östliche Chiemgau erstreckt, noch Forsthäuser, wie Daniel Müller bestätigt.
[…] … »immerhin hatte der Forstbetrieb in der Vergangenheit bereits in Bischofswiesen ein Forsthaus, das er verkaufte«.
[…] Bei den Bayerischen Staatsforsten hofft man, noch dieses Jahr eine Bauvoranfrage zu stellen und eine Genehmigung zu bekommen. »Wenn diese positiv beschieden wird, könnten wir bereits im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen.« In den Reihen der Bürger will man sich wappnen und »alles rechtlich Mögliche tun«, um das Forstzentrum zu verhindern.
(Berchtesgadener Anzeiger, 29.04.2021)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/bischofswiesen_artikel,-forstzentrum-soll-gebaut-werden-sturm-der-entruestung-bei-buergern-_arid,629714.html

Wegen der Bürgerproteste wird nach Standortalternativen gesucht.

1.2 Plan B

im September 2021 wird ein weitere möglicher Standort ins Spiel gebracht: Schönau, nahe der Ache gegenüber dem »Achenstüberl«, mit Erschließung über den Königsseer Fußweg.

Berchtesgadener Anzeiger, 29.09.2021

Grünes Licht für Forsthaus gegenüber dem »Achenstüberl«
Die Bayerischen Staatsforsten Berchtesgaden wollen auf ihrem Grundstück gegenüber dem Gasthaus »Achenstüberl« ein Forsthaus mit einem Nebengebäude bauen. Dazu muss die Gemeinde ein Verfahren zum Erlass einer Ortsabrundungssatzung einleiten, sodass die Fläche, die nun im Außenbereich liegt, dem Innenbereich zugeordnet werden kann. Den Antrag dazu stellten die Bayerischen Staatsforsten. Der Gemeinderat erteilte dem Antrag in der jüngsten Sitzung das Einvernehmen.
Damit der Forstbetrieb überhaupt bauen kann, muss die Gemeinde das entsprechende Verfahren mit Trägerbeteiligung in Gang setzen. Das ist nötig, um eine Ortsabrundungssatzung erlassen zu können. Nur mit dieser Satzung kann die Gemeinde dem Forstamt den geplanten Bau auf dem Grundstück ermöglichen. Bürgermeister Hannes Rasp informierte den Gemeinderat, dass die Bayerischen Staatsforsten in das angedachte Forsthaus zwei Dienstwohnungen und zwei Büros einbauen wollen. Das Nebengebäude werde als Garage oder Lagerraum genutzt.
Auf Nachfrage erklärte der Leiter des Forstbetriebes der Bayerischen Staatsforsten in Berchtesgaden, Dr. Daniel Müller, der Forstbetrieb brauche dringend eine Unterkunft für zwei Mitarbeiter. In das geplante Forsthaus, für das auch der in der Gemeinde heftig umstrittene Standort Bischofswiesen zur Debatte steht (wir berichteten), sollen nach Dr. Daniel Müller der Revierleiter des Reviers Berchtesgaden West und ein Berufsjäger einziehen. Der Leiter des Berchtesgadener Forstamtes betonte gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«: »Wir brauchen den Wohnraum dringend.« Nach Dr. Daniel Müller prüfe das Landratsamt Berchtesgadener Land derzeit, ob auf dem Grundstück in Schönau am Königssee Baurecht bestehe, weil eben nicht klar sei, ob in Bischofswiesen gebaut werden könne.
Zumindest seitens der Gemeinde sei ein Forsthaus in Schönau am Königssee denkbar. »Es ist eine schöne Sache, wenn das Forstamt einen Sitz in der Gemeinde hat«, sagte Hannes Rasp und machte damit deutlich, dass nach seinem Dafürhalten nach den ihm vorliegenden Informationen nichts gegen das Bauvorhaben spreche.
Andreas Zechmeister (FWG) gab zu bedenken, dass das geplante Forsthaus nahe der Ache dann womöglich hochwassergefährdet sei. Hannes Rasp beruhigte ihn. »Das wird das Wasserwirtschaftsamt genau prüfen.«
Bevor die Kommune die Ortsabrundungssatzung erlassen kann, werden alle Träger öffentlicher Belange beteiligt – auch das Wasserwirtschaftsamt. Dr. Caren Lagler (CSU) erkundigte sich nach der Erschließung des geplanten Forsthauses. Diese könne über den Königsseer Fußweg erfolgen, der öffentlich gewidmet ist, erklärte Hannes Rasp. Anfallende Kosten – wie etwa die Erschließungskosten – hätten die Bayerischen Staatsforsten zu tragen, fügte er erklärend hinzu. Auch um eine Ausgleichsfläche müsse sich der Antragssteller kümmern. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dem Antrag der Bayerischen Staatsforsten seitens der Gemeinde das Einvernehmen zu erteilen.
(Berchtesgadener Anzeiger, 29.09.2021)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/schoenau-am-koenigssee_artikel,-gruenes-licht-fuer-forsthaus-gegenueber-dem-achenstueberl-_arid,656661.html

Auch Plan B wird nicht weiter verfolgt, aber nicht wegen des Widerstands aus der Nachbarschaft, sondern weil die für die Nutzung des Gebäudes vorgesehen Personen »überraschend privat für einen jeweils geeigneten Wohnraum sorgen können«

Doch kein Forsthaus in Schönau am Königssee
Nachdem vor einigen Jahren bereits der Neubau eines forstlichen Betriebsgebäudes in Bischofswiesen gescheitert war, soll nun auch das in Schönau am Königssee geplante Projekt nicht realisiert werden. Allerdings laut Forstbetrieb Berchtesgaden nicht wegen des Widerstands aus der Nachbarschaft, sondern weil die für die Nutzung des Gebäudes vorgesehen Personen »überraschend privat für einen jeweils geeigneten Wohnraum sorgen können«.
Der Forstbetrieb weist darauf hin, dass seit Jahren dringend benötigter Wohnraum für Beschäftigte der Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb Berchtesgaden fehlt. Weil nun aber privat für Wohnraum gesorgt werden konnte, seien die Gründe für den Neubau des geplanten Forsthauses mit zwei Wohneinheiten für Beschäftigte im südlichen Teil aktuell nicht mehr gegeben.
So zogen die Bayerischen Staatsforsten nun ihren Antrag für den Erlass einer Innenbereichssatzung für eine Teilfläche des Flurstücks 672 Gemarkung Königssee (Bereich Stiller Winkl) bei der Gemeinde Schönau am Königssee zurück. Der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, Dr. Daniel Müller, bedankte sich beim Bürgermeister Hannes Rasp und der Gemeinde Schönau am Königssee für die gute Zusammenarbeit beim Planungsverfahren.
Auch wenn sich in der Nachbarschaft Protest formiert hatte, stellt der Forstbetriebsleiter klar, dass die Bayerischen Staatsforsten »selbstverständlich nur dort Anträge stellen, wo sie von einer öffentlich-rechtlichen Genehmigungsfähigkeit überzeugt sind«. Dr. Müller weiter: »Die Sorgen der Bürgerinitiative ›Graf-Arco-Straße‹ wurden immer ernst genommen. Bei mehreren Gesprächen am Forstbetrieb und vor Ort im Rahmen einer Gemeinderatssitzung wurde versucht, auf die Bedenken der Bürger einzugehen. Über die Zeit wurde auf alle wesentlichen Einwände der Behörden, Gemeinderäte und Nachbarn eingegangen und die Planung wurde immer wieder angepasst, bis die beantragte Satzungsänderung absehbar wurde.«
In den vergangenen Wochen und Tagen wurde noch mit zwei Sachverständigenbüros die zeitnahe Erstellung eines artenschutzrechtlichen Gutachtens beziehungsweise eines Gutachtens zur Analyse einer etwaigen Hochwassergefährdung besprochen. »Damit sollten die letzten Bedenken der Kritiker versachlicht werden«, betont Müller.
Die Bayerischen Staatsforsten leisten im Berchtesgadener Land einen wichtigen Beitrag für den Schutz der Heimat vor Steinschlag, Lawinen und Hochwasser. Als Erholungsraum für Einheimische und Gäste, Lebensraum für seltene und geschützte Arten, Ursprung von ökologischen Rohstoffen und mit seinen Arbeitsplätzen im Ländlichen Raum ist der Wald immens wichtig für die Menschen. Deshalb mahnt Dr. Daniel Müller: »Ohne hoch motivierte und qualifizierte Beschäftigte lässt sich der Staatswald nicht erfolgreich durch den Klimawandel steuern. Mittelfristig wird sich daher ein erneuter Bedarf an Wohnraum für Beschäftigte ergeben.« fb/UK
(Berchtesgadener Anzeiger, 12.07.2023)
https://www.berchtesgadener-anzeiger.de/region-und-lokal/lokales-berchtesgadener-land/schoenau-am-koenigssee_artikel,-doch-kein-forsthaus-in-schoenau-am-koenigssee-_arid,803756.html

Die Tatsache, dass im Berchtesgadener Talkessel der Wohnungsbedarf für hoch motivierte und qualifizierte Beschäftigte überraschenderweise nun durch private Initiative gedeckt werden konnte, und damit der Antrag für den Erlass einer Innenbereichssatzung für eine Teilfläche des Flurstücks 672 Gemarkung Königssee (Bereich Stiller Winkl) bei der Gemeinde Schönau am Königssee zurückgezogen wurde, könnte außerhalb des Talkessels auf leichte Verwunderung stoßen. Schließlich wird dadurch eine nicht unerhebliche Summe von (Steuer-)Geldern eingespart, von den bereits ausgebebenen Summe für die Planungen, Gutachten durch Sachverständigenbüros usw. ganz abgesehen. In diesem Zusammenhang könnten Informationen über die Zahl der vorhandenen Wohnungen und deren Nutzung, differenziert nach Stadt/Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land, besonders interessant erscheinen.

2 zensus2022

Am 4.07.2024 wurden erstmals Ergebnisse des Zensus 2022 von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder veröffentlicht. https://www.zensus2022.de/DE/Home/_inhalt.html

Eine der ersten Schlagzeilen bezog sich auf den Wohnungsleerstand: https://www.zensus2022.de/DE/Aktuelles/PM_Zensus_2022_Ergebnisveroeffentlichung_Wohnungen_Leerstand.html

Schlagzeile einer der ersten Pressemitteilungen zun den Ergebnissen von zensus2022

2.1 Methode

Der Zensus ist generell darauf ausgelegt, bundesweit vergleichbare Ergebnisse zu einen Stichtag (hier 15.05.2022) zu liefern. Grundsätzlich gibt es beim Zensus zwei getrennte Bereiche; zum einen die klassische Bevölkerungszählung, um herauszufinden, wie viele Menschen in Deutschland leben; zum anderen die Gebäude- und Wohnungszählung, die zeigt, wo und wie diese Menschen leben, wobei nur Gebaüde mit Wohnraum berücksichtigt werden. Dazu sind alle Privatpersonen und Unternehmen auskunftpflichtig, die Eigentümer oder auch Verwalter von Wohnraum sind. Für Wohnungen und Gebäude gibt es keine flächendeckenden Register. Daher werden etwa 17,5 Mio. Besitzerinnen und Besitzer von Eigentumswohnungen oder Wohngebäuden in Deutschland postalisch befragt. Um die Namen und Anschriften von Eigentümern zu erhalten werden z.B. Grundsteuerdaten herangezogen. Das bedeutet auch, dass die Gebäude- und Wohnungszählung keine Stichprobe sondern eine flächendeckende Vollerhebung ist. Im folgenden ein Auszug aus einem Interview mit Ulrike Timm, Teiprojektleiterin für die Gebäude - und Wohnungszählung beim Zensus 2022 im Statistischen Bundesamt:

Wenn ich jetzt die Aufforderung bekomme, als Wohnungsbesitzerin Angaben für die Gebäude- und Wohnungszählung zu machen, welche Fragen muss ich denn dann beantworten?
Das sind eigentlich nur relativ wenige Fragen. Sie bekommen Fragen zu Ihrem Gebäude, wie Baujahr, Heizungsart oder wie viele Wohnungen sind in dem Gebäude? Bei einem Einfamilienhaus ist das zum Beispiel eine Wohnung. Neu ist hier auch eine Frage zur Energieart. Das heißt, was wird denn in der Heizung verbrannt? Das ist vor dem Hintergrund energieeffizientes Sanieren wichtig oder auch, wenn man darüber nachdenkt, wieviel Gas wir denn in Zukunft noch kaufen wollen – das sind natürlich aktuelle Fragestellungen. Für Ihre Wohnung haben sie so Fragen wie zur Quadratmeterzahl, zur Raumanzahl, aber auch die Miete. Das ist auch ganz neu und ein wichtiges Merkmal, dass wir dieses Mal die Nettokaltmiete dabei haben. br /> Was wir auch noch erheben sind bei einem Leerstand die Dauer und der Grund des Leerstandes. Das ist ebenfalls ein neues Merkmal. So kann man in den Leerstandsregionen gucken: Woran liegt es dann? Sind das wirklich Sanierungsfälle, die jahrelang auf eine Baumaßnahme warten? Oder ist das eher der übliche Leerstand, der bei einem normalen Umzug zustande kommt?
https://www.zensus2022.de/DE/Mediathek/Podcast/Podcast_zum_Zensus_Folge2.html

2.2 Daten

Erfreulicherweise sind sowohl die Daten der Bevölkerungszählung als auch die Daten der Gebäude- und Wohnungszählung frei verfügbar. Unter https://www.zensus2022.de/DE/Aktuelles/Gebaeude_Wohnungen_VOE.html lassen sich Tabellen im xlsx Dateiformat mit den für die Regionalebene auf Gemeinde/Stadt heruntergebrochenen Zähldaten herunterladen. Dass dies nicht selbstverständlich ist zeigt sich beispielsweise beim Versuch, angeblich öffentlich verfügbare Daten des Robert Koch Instituts (RKI) zur Stoppt COVID-Studie herunterzuladen (Anmeldungen von Privatpersonen müssen wir leider ablehnen und bitten daher freundlich hiervon abzusehen). https://notizen-gerd-welzl.netlify.app/posts/post-StopptCOVID/

Diese Tabelle enthält Ergebnisse aus dem Zensus 2022 zum Stichtag 15.05.2022 zu Gebäuden mit Wohnraum nach Art des Gebäudes, Baujahr, Eigentumsform, Heizungstyp, Energieträger, Zahl der Wohnungen und Gebäudetyp-Bauweise sowie Ergebnisse zu Wohnungen nach Art des Gebäudes, Gebäudegrößen, Baujahr und Eigentumsform des Gebäudes, Heizungstyp und Energieträger des Gebäudes, Wohnungsnutzung, Miethöhe, Wohnfläche, Zahl der Räume, Eigentümerquote und Leerstand.
Blatt: CSV-Wohnungen https://www.zensus2022.de/DE/Aktuelles/Gebaeude_Wohnungen_VOE.html

2.3 Beschreibung der Ergebnisse für den Landkreis Berchtesgadener Land

Die folgenden Auswertungen beziehen sich auf die auf den Landkreis Berchtesgadener Land reduzierte Tabelle der Gebäude- und Wohnungszählung. Untersuchte Merkmale sind

  • Wohnungsnutzung
  • Grund für Leerstand
  • Dauer des Leerstands.

Ziel der Beschreibungen war es dabei, regionale Unterschiede im Landkreis aufzudecken und insbesondere die Sitation in der Gemeinde Schnönau a. Königssee zu beschreiben.

2.3.1 Wohnungsnutzung

Das Merkmal Wohnungsnutzung hat folgende Ausprägungen:

  • Von Eigentümer/-in bewohnte Wohnungen (EIGENNUTZUNG)
  • Vermietete Wohnungen (MIETWOHNUNG)
  • Privat genutzte Ferien- oder Freizeitwohnungen (FERIENWOHNUNG)
  • Leerstehende Wohnungen (LEERSTAND).

2.3.1.1 Univariate Beschreibungen

Wohnungsnutzung im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt Eigennutzung Mietwohnung Ferienwohnung Leerstand Summe
Ainring 2167 2313 45 149 4674
Anger 1114 816 22 79 2031
Bad Reichenhall, GKSt 3422 6876 418 485 11201
Bayerisch Gmain 683 838 75 73 1669
Berchtesgaden, M 1544 2431 251 313 4539
Bischofswiesen 1319 2087 115 154 3675
Freilassing, St 3056 5649 78 262 9045
Laufen, St 1636 1779 52 111 3578
Marktschellenberg, M 434 370 28 41 873
Piding 1168 1460 44 72 2744
Ramsau b.Berchtesgaden 449 263 42 47 801
Saaldorf-Surheim 1528 841 17 71 2457
Schneizlreuth 407 210 34 23 674
Schönau a.Königssee 1306 1281 178 128 2893
Teisendorf, M 2455 1325 41 153 3974
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

Die Basis für alle weiteren Analysen sind die beobachtene Absolutzahlen. Die insgesamt 54828 Wohnungen im Landkreis Berchtesgadener Land verteilen sich gemäß voriger Tabelle auf die einzelnen Gemeinde/Städte aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Nutzungsarten. So gab es z.B. in der Gemeinde Schönau a. Königssee am 15.05.2022 178 leerstehende Wohnungen sowie 128 Ferienwohnungen.

Für einen Vergleich zwischen Gemeinden/Städten des Landkreises sind prozentualle Häufigkeiten der verschiedenen Nutzungsarten besser geeignet.

Prozentuale Wohnungsnutzung im Gemeinden/Städten im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt Eigennutzung Mietwohnung Ferienwohnung Leerstand Summe
Ainring 46.36% 49.49% 0.96% 3.19% 100.00%
Anger 54.85% 40.18% 1.08% 3.89% 100.00%
Bad Reichenhall, GKSt 30.55% 61.39% 3.73% 4.33% 100.00%
Bayerisch Gmain 40.92% 50.21% 4.49% 4.37% 100.00%
Berchtesgaden, M 34.02% 53.56% 5.53% 6.90% 100.00%
Bischofswiesen 35.89% 56.79% 3.13% 4.19% 100.00%
Freilassing, St 33.79% 62.45% 0.86% 2.90% 100.00%
Laufen, St 45.72% 49.72% 1.45% 3.10% 100.00%
Marktschellenberg, M 49.71% 42.38% 3.21% 4.70% 100.00%
Piding 42.57% 53.21% 1.60% 2.62% 100.00%
Ramsau b.Berchtesgaden 56.05% 32.83% 5.24% 5.87% 100.00%
Saaldorf-Surheim 62.19% 34.23% 0.69% 2.89% 100.00%
Schneizlreuth 60.39% 31.16% 5.04% 3.41% 100.00%
Schönau a.Königssee 45.14% 44.28% 6.15% 4.42% 100.00%
Teisendorf, M 61.78% 33.34% 1.03% 3.85% 100.00%
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

Die Tabelle zeigt die unterschiedliche Nutzungsverteilung im Landkreis - z.B. 62.45% vermietete Wohnungen in Freilassing gegenüber 31.16% in Schneizlreuth. Der Anteil von Ferienwohnungen ist mit 6.15% in Schönau a. Königsee am höchsten.

Aus diesen Zahlen lassen sich auch Leerstandsquoten ableiten.

Zu berücksichtigen ist dabei jedoch

  1. die besondere Definition laut Erläuterungen zum zensus2022:

LEQ
Leerstandsquote (in %): Die Leerstandsquote (Wohnungen) stellt den Anteil der leerstehenden Wohnungen an allen bewohnten und leerstehenden Wohnungen dar. Nicht berücksichtigt sind: Ferien- und Freizeitwohnungen sowie gewerblich genutzte Wohnungen. Die Berechnung erfolgt für Wohnungen in Wohngebäuden (ohne Wohnheime).
Blatt: Erläuterungen zur Methodik
https://www.zensus2022.de/DE/Aktuelles/Gebaeude_Wohnungen_VOE.html

  1. und die nach Auskunft des Zensus-Auskunftdienstes (E-mail vom 17.07.2024) unterschiedliche Datenbasis bei der Berechnung. Mit der bisher veröffentlichen Regionaltabelle lassen sich diese Quoten nicht reproduzieren.

Nachfolgende Tabelle zeigt die unterschiedlichen Ergebnisse:

  • LEQN: berechnet aus den Nutzungsdaten
  • LEQ: Variable LEQ
Leerstandsquoten im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt LEQn LEQ
Ainring 3.22 3.13
Anger 3.93 4.18
Bad Reichenhall, GKSt 4.50 4.15
Bayerisch Gmain 4.58 4.24
Berchtesgaden, M 7.30 6.69
Bischofswiesen 4.33 4.40
Freilassing, St 2.92 2.76
Laufen, St 3.15 2.92
Marktschellenberg, M 4.85 4.69
Piding 2.67 2.70
Ramsau b.Berchtesgaden 6.19 5.43
Saaldorf-Surheim 2.91 2.90
Schneizlreuth 3.59 3.07
Schönau a.Königssee 4.71 4.50
Teisendorf, M 3.89 3.67
LEQN: eigene Berechnungen LEQ: Statistisches Bundesamt, zensus2022

Zur Berechnung von Leerstandsquoten sind verschiedene Varianten denkbar, die durch Verwendung unterschiedlicher Nenner entstehen. Während der bisherigen Berechnung als Nenner die Anzahl aller Wohnungen ohne Ferienwohnungen in der jeweiligen Region zugrunde lag, wäre auch ein Bezug auf die Gesamteinwohnerzahl einer Region sinnvoll. Im folgenden sind die vorhandenen Wohnungsnutzungzahlen auf jeweils 100 Einwohner einer Stadt/Gemeinde bezogen (die Kategorie bewohnt ist die Summe aus EIGENNUTZUNG und MIETWOHNUNG).

Anzahl von Wohnungen je 100 Einwohner nach Wohnungsnutzung
Gemeinde/Stadt Eigennutzung Mietwohnung Ferienwohnung Leerstand bewohnt
Ainring 95.6 102.1 2.0 6.6 197.7
Anger 92.8 68.0 1.8 6.6 160.8
Bad Reichenhall, GKSt 110.7 222.5 13.5 15.7 333.2
Bayerisch Gmain 98.3 120.6 10.8 10.5 218.9
Berchtesgaden, M 89.5 140.8 14.5 18.1 230.3
Bischofswiesen 83.3 131.8 7.3 9.7 215.1
Freilassing, St 95.5 176.5 2.4 8.2 272.0
Laufen, St 88.5 96.3 2.8 6.0 184.8
Marktschellenberg, M 91.4 77.9 5.9 8.6 169.3
Piding 95.7 119.7 3.6 5.9 215.4
Ramsau b.Berchtesgaden 96.1 56.3 9.0 10.1 152.4
Saaldorf-Surheim 92.5 50.9 1.0 4.3 143.4
Schneizlreuth 101.0 52.1 8.4 5.7 153.1
Schönau a.Königssee 92.2 90.5 12.6 9.0 182.7
Teisendorf, M 92.1 49.7 1.5 5.7 141.8
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

2.3.1.2 Multivariate Analysen

Eine klassische multivariate Analysemethode für den hier vorliegenden Datentyp (Konfidenztafel) stellt die Korrespondenzanalyse dar. Vereinfacht ausgedrückt wird dabei versucht, durch Dimensionreduktion die Daten aus mehreren Dimensionen auf ein zweidimensionales Bild zu komprimieren, wobei wesenliche Aspekte erhalten bleiben sollen (hier: erklärte Varianz). Dadurch ist es möglich, ein sog. Biplot zu erstellen, indem - in diesem speziellen Fall - sowohl die Regionen (GEMEINDE/STADT) als auch die Merkmale (Wohnungsnutzung mit den Ausprägungen: Eigennutzung, Mietwohnung, Ferienwohnung, Leerstand) dargestellt werden können. Im Biplot benachbarte Regionen sind durch ein ähnliches Nutzungsspektrum, benachbarte Nutzungskategorien durch eine hohe Korrelation charakterisiert. Neben dieser rein geometrischen ist auch eine andere Interpretation möglich (besonders in manchen Fachbereichen, z.B. bei der Auswertung von soziologischen Daten): eine Zusammenfassung von Merkmalen zu Komponenten/Faktoren, deren Interpretation manchmal etwas willkürlich erscheint. An den Achsen ist dann die durch die jeweilige Komponente (Dimension) erklärte Varianz (in Prozent) angegeben.

Geometrische Interpretation:

Aus dieser Abbildung lässt sich beispielweise ablesen, dass sich die Wohnungsnutzung in Ramsau b. Berchtesgaden und in Schneizlreuth ähnlich darstellt, ebenso auf andere Weise in den Orten Teisendorf, Saaldorf-Surheim und Anger.

Hauptkomponenten:

Die sog. Ladungen der 1. Hauptkomponente sind im Biplot auf der x-Achse dargestellt. Im vorliegenden Fall kann diese interpretiert werden als Gegensatz aus den Merkmalen Mietwohnung, Ferienwohnung, Leerstand (mit positiven Ladungen) und dem Merkmal Eigennutzung (negative Ladungen). Diese Komponente trennt besonders gut die größeren Städte/Märkte (Freilassing, Bad Reichenhall, Berchtesgaden) mit einem geringen Anteil von eigengenutzen Wohnungen (31% -34%) von Orten wie Saaldorf-Surheim, Teisendorf, Schneizlreuth mit einem hohen Anteil von eigengenutzen Wohnungen (60% - 64%). Die zweite Komponente (dargestellt auf der y-Achse) wird im wesenlichen durch die Merkmalspaare Ferienwohnung/Leerstand (hohe positive Ladungen) sowie Mietwohnung/Eigennutzung (geringe negative Ladungen) konstruiert. Diese Komponente trennt beispielsweise die bereits erwähnten Cluster Ramsau/Schneizlreuth (Anteil der Wohnungen mit Leerstand oder Feriennutzung: 8.5%, 11.1% ) und Saaldorf-Surheim/Teisendorf/Anger(Anteil: 3.6% - 4.9%).

In der nächsten Abbildung wird das Ergebnis der Korrespondenzanalyse interaktiv dargestellt und ermöglicht - auch zur Vermeidung von Überinterpretationen - die Einblendung von tatsächlich beobachteten Prozentzahlen. Bei Berührung von Punkten (Regionen) und Dreiecken (Nutzungsformen) mit der Maus können die relative Häufigkeiten abgelesen werden: Frequency (Häufigkeit des Merkmals bezogen auf die Gesamtzahl der Wohnungen im Landkreis Berchtesgadener Land) und bei Regionen Row pct Häufigkeit der jeweilige Nutzungsart in der Region , bzw. bei Nutzungsarten Column pct Verteilung einer Nutzungsart auf die Regionen. Die in Klammern angegebenen Prozentzahlen beziehen sich auf eine weitere Varianzzerlegung und sind für eine Deskription nicht weiter interessant.

2.3.2 Grund für Leerstand

Das Merkmal Grund für Leerstand hat folgende Ausprägungen:

  • innerhalb von 3 Monaten für den Bezug verfügbar (kurzfristig)
  • Laufende bzw. geplante Baumaßnahmen (Baumaßnahmen)
  • Geplanter Abriss oder Rückbau (Abriss/Rückbau)
  • Verkauf (Verkauf)
  • Künftige Selbstnutzung (Selbstnutzung)
  • Sonstiger Grund (Sonstiges)

2.3.2.1 Univariate Beschreibungen

Gründe für Wohnungsleerstand im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt kurzfristig Baumaßnahmen Abriss/Rückbau Verkauf Selbstnutzung Sonstiges Summe
Ainring 30 32 22 3 23 34 144
Anger 19 18 4 3 13 22 79
Bad Reichenhall, GKSt 181 109 17 41 35 99 482
Bayerisch Gmain 25 13 0 5 5 20 68
Berchtesgaden, M 89 89 36 13 30 63 320
Bischofswiesen 51 34 38 8 4 19 154
Freilassing, St 68 56 38 21 27 54 264
Laufen, St 36 24 9 0 8 29 106
Marktschellenberg, M 11 8 0 4 6 9 38
Piding 27 17 7 7 7 14 79
Ramsau b.Berchtesgaden 16 12 3 0 6 11 48
Saaldorf-Surheim 19 19 9 4 7 12 70
Schneizlreuth 6 5 0 4 4 4 23
Schönau a.Königssee 40 27 12 7 11 28 125
Teisendorf, M 25 52 14 15 21 33 160
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

Auch hier sind wieder die prozentualle Häufigkeiten der verschiedenen Begründungen für einen Wohnungsleerstand besser geeignet um zwischen Gemeinden/Städten des Landkreises zu vergleichen.

Prozentuale Gründe für Wohnungsleerstand im Gemeinden/Städten im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt kurzfristig Baumaßnahmen Abriss/Rückbau Verkauf Selbstnutzung Sonstiges Summe
Ainring 20.83% 22.22% 15.28% 2.08% 15.97% 23.61% 100.00%
Anger 24.05% 22.78% 5.06% 3.80% 16.46% 27.85% 100.00%
Bad Reichenhall, GKSt 37.55% 22.61% 3.53% 8.51% 7.26% 20.54% 100.00%
Bayerisch Gmain 36.76% 19.12% 0.00% 7.35% 7.35% 29.41% 100.00%
Berchtesgaden, M 27.81% 27.81% 11.25% 4.06% 9.38% 19.69% 100.00%
Bischofswiesen 33.12% 22.08% 24.68% 5.19% 2.60% 12.34% 100.00%
Freilassing, St 25.76% 21.21% 14.39% 7.95% 10.23% 20.45% 100.00%
Laufen, St 33.96% 22.64% 8.49% 0.00% 7.55% 27.36% 100.00%
Marktschellenberg, M 28.95% 21.05% 0.00% 10.53% 15.79% 23.68% 100.00%
Piding 34.18% 21.52% 8.86% 8.86% 8.86% 17.72% 100.00%
Ramsau b.Berchtesgaden 33.33% 25.00% 6.25% 0.00% 12.50% 22.92% 100.00%
Saaldorf-Surheim 27.14% 27.14% 12.86% 5.71% 10.00% 17.14% 100.00%
Schneizlreuth 26.09% 21.74% 0.00% 17.39% 17.39% 17.39% 100.00%
Schönau a.Königssee 32.00% 21.60% 9.60% 5.60% 8.80% 22.40% 100.00%
Teisendorf, M 15.62% 32.50% 8.75% 9.38% 13.12% 20.62% 100.00%
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

Ganz allgemein fällt ein relativ hoher Anteil von Sonstiger Grund als Leerstandsgrund auf (für den ganzen Landkreis 20.87%). Das erschwert sicherlich die Interpretation der Ergebnisse. In Schönau a. Königsee sollten fast ein Drittel der leerstehenden Wohnungen innerhalb von drei Monaten für den Bezug zur Verfügung stehen.

2.3.2.2 Multivariate Analysen

2.3.3 Dauer des Leerstandes

Das Merkmal Dauer des Leerstands hat folgende Ausprägungen:

  • Leerstandsdauer von weniger als 3 Monaten (WENIGER3MON)
  • Leerstandsdauer von 3 bis weniger als 6 Monaten (3-6MON)
  • Leerstandsdauer von 6 bis weniger als 12 Monaten (6-12MON)
  • Leerstandsdauer von 12 oder mehr Monaten (MEHR12MON)

Beim Merkmal Dauer des Leerstands handelt es sich um einen orderd factor. Es gibt eine vorgebene Anordnung der Ausprägungen: WENIGER3MON < 3-6MON < 6-12MON <MEHR12MON. Damit sind andere Darstellungsformen möglich. Zunächst aber wieder die üblichen Tabellen.

2.3.3.1 Univariate Beschreibungen

Leerstandsdauer im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt weniger3mon 3-6mon 6-12mon mehr12mon Summe
Ainring 18 13 19 97 147
Anger 13 13 9 48 83
Bad Reichenhall, GKSt 106 65 73 237 481
Bayerisch Gmain 25 11 4 36 76
Berchtesgaden, M 63 32 44 177 316
Bischofswiesen 29 19 20 87 155
Freilassing, St 67 34 28 135 264
Laufen, St 12 12 23 63 110
Marktschellenberg, M 5 7 9 24 45
Piding 21 15 13 31 80
Ramsau b.Berchtesgaden 11 4 6 24 45
Saaldorf-Surheim 0 6 12 47 65
Schneizlreuth 6 0 6 12 24
Schönau a.Königssee 37 23 29 42 131
Teisendorf, M 12 19 16 103 150
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022
Prozentuale Leerstandsdauer im Gemeinden/Städten im Landkreis Berchtesgadener Land
Gemeinde/Stadt weniger3mon 3-6mon 6-12mon mehr12mon Summe
Ainring 12.24% 8.84% 12.93% 65.99% 100.00%
Anger 15.66% 15.66% 10.84% 57.83% 100.00%
Bad Reichenhall, GKSt 22.04% 13.51% 15.18% 49.27% 100.00%
Bayerisch Gmain 32.89% 14.47% 5.26% 47.37% 100.00%
Berchtesgaden, M 19.94% 10.13% 13.92% 56.01% 100.00%
Bischofswiesen 18.71% 12.26% 12.90% 56.13% 100.00%
Freilassing, St 25.38% 12.88% 10.61% 51.14% 100.00%
Laufen, St 10.91% 10.91% 20.91% 57.27% 100.00%
Marktschellenberg, M 11.11% 15.56% 20.00% 53.33% 100.00%
Piding 26.25% 18.75% 16.25% 38.75% 100.00%
Ramsau b.Berchtesgaden 24.44% 8.89% 13.33% 53.33% 100.00%
Saaldorf-Surheim 0.00% 9.23% 18.46% 72.31% 100.00%
Schneizlreuth 25.00% 0.00% 25.00% 50.00% 100.00%
Schönau a.Königssee 28.24% 17.56% 22.14% 32.06% 100.00%
Teisendorf, M 8.00% 12.67% 10.67% 68.67% 100.00%
Quelle: Statistisches Bundesamt, zensus2022

3 Kein Fazit