Peter Brook
Das Vorwort zum Buch Wanderjahre Schriften zu Theater, Film & Oper 1946 - 1987 von Peter Brook:
»Ich habe niemals an nur eine einzige Wahrheit geglaubt. Weder meiner eigenen, noch der von anderen. Ich glaube, alle Schulen , alle Theorien können an gegebenen Ort, zu gegebener Zeit nützlich sein. Allerdings habe ich entdeckt, daß man nur leben kann, wenn man sich leidenschaftlich und absolut mit einem Standpunkt identifiziert.
In dem Maße jedoch, wie die Zeit vergeht, wie wir uns verändern, wechseln die Ziele, und der Standpunkt verschiebt sich. Wenn ich jetzt auf das zurückblicke, was ich in vielen Jahren geschrieben habe und bei so vielen unterschiedlichen Gelegenheiten geäußert habe, fällt mir eins auf, das stets gleich geblieben ist. Damit ein Standpunkt überhaupt irgendwelchen Nutzen haben kann, muß man sich ihm total verschreiben, ihn bis aufs Blut verteidigen. Doch gleichzeitig ist da diese innere Stimme: »Nimm es nicht zu ernst. Hold on tightly, let go lightly«
(Brook 1989, 11)
Dieser allgemeingültige Aspekt scheint im Titel der englischen Originalausgabe deutlicher zum Ausdruck zu kommen: The Shifting Point (1987).

Bertolt Brecht
Reicher Mann und armer Mann
standen da und sah´n sich an.
Da sagt der Arme bleich:
Wär ich nicht arm,
wärst du nicht reich.

Konrad Zuse

Erich Kästner

»Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf«
Aus einer Ansprache von Erich Kästner auf der Hamburger P.E.N.-Tagung am 10. Mai 1953
(Kästner 2012, p 14)
Hermann Hesse

Denn denen, die behaupten, dass sie in all den Jahren stets mit einem Fuß im Konzentrationslager gewesen seien, müsse er antworten, dass er “nur jene Hitlergegner ganz ernst nehmen könne, die mit beiden Füßen in jenen Lagern waren, nicht mit dem einen im Lager, mit dem anderen in der Partei.”
Brief an Deutschland, 23. April 1946
Hermann Hesse - Die Briefe Band 6: Große Zeiten hinterlassen große Schutthaufen - Die Briefe !940 - !946
Leonard Cohen

Forget your perfect offering
there is a crack, a crack in everything
That´s how the light get in.
LEONARD COHEN THE FUTURE ANTHEM
Dank an Beate und Albert
Hermann Finsterlin

Im thaugrünen Tal von Posilipo lebte ein Paar. Sie standen in der Blüte der Jahre und mochten ziemlich gleichaltrig sein; man hätte sie für Zwillinge halten können. Niemand kümmerte sich um die Beiden, die freundlich waren zu jedermann, den zufällig sein Schritt in die Einsamkeit führte, aber die dennoch eine so restlose Geschlossenheit zur Schau trugen, daß man ihnen die Bedürfnislosigkeit nach menschlichem Verkehr von vorneherein ansah. Wenn man ihre Wohnstätte betrat, so vermißte man vor allem jedes Zeugnis der gepriesenen Kultur.
(aus: Das höchste Lied um 1916)
Albert von Schirnding

Die Rolle eines «Schlossherrn» auf dem Land ist mir schon gar nicht auf dem Leib geschrieben: Ich müsste in Trachtenjoppe, einem Gamsbart auf dem Hut, an den jahreszeitlichen festgelegten ländlichen Feiern teilnehmen, müsste vor allem auf die Jagd gehen, statt, was ich manchmal tue, auf einem Hochsitz zu klettern, um zu - lesen! (Von Schirnding 2025, p 124-125)
Gerd Gigerenzer

SPIEGEL: Trauen Sie den amtierenden Politikern eine Veränderung zu?
Gigerenzer: Wir bräuchten mehr Politiker, die Rückgrat haben. Ein Politiker mit Rückgrat vertritt eine Meinung, erklärt, warum es seine Meinung ist und bleibt auch dabei, wenn ihm sprichwörtlich der Wind ins Gesicht bläst. Wenn ich an den zurückliegenden Wahlkampf denke, schäme ich mich für mein eigenes Land: Viele Politiker üben sich darin, Fragen nicht zu beantworten. Sie geben nur Floskeln von sich. Das merken die Menschen, und dann fühlen sie sich im Stich gelassen. Ich fühle mich auch alleingelassen von Politikern, die ständig reden, aber immer nur allgemeine inhaltliche Leere von sich geben. Ich glaube, das ist ein Grund, warum das Vertrauen in deutsche Politiker so niedrig ist.
Spiegel Interview von Maik Großekathöfer, 09.03.2025
Nicușor Dan

Die Mathematik, hat Nicușor Dan einmal in einem Interview gesagt, ist fast wie Literatur und Kunst. Eine Form, Fragen über das Sein zu stellen und sich durch die Art der Fragen dann auch selbst näherzukommen.
https://www.sueddeutsche.de/politik/rumaenien-praesident-stichwahl-nicusor-dan-li.3252965
Erich Mendelsohn (Architekt)

In Berchtesgaden waren wir noch
Bei Finsterlin, Du kennst ihn doch
Er macht so komische Häuschen
Schaun aus wie Schnecken und Mäuschen
Es kommt ihm gar nicht darauf an
Ob jemand drin wohnen kann.
Auch hat er einen Baukasten gemacht
Der ist für seinen Bub und sein Mädel gedacht.
Brief von Erich Mendelsohn an seine Tochter (5. Februar 1922)
Fred Sinowatz (Österreichischer Bundeskanzler, Mai 1983 bis Juni 1986)

Im ORF-Mittagsjournal vom 11.03.1986 während des Wahlkampfes zur Bundespräsidentschaft über Kurt Waldheim:
Wir nehmen zur Kenntnis, dass er nicht bei der SA war, sondern nur sein Pferd bei der SA gewesen ist.
David Spiegelhalter

Widmung in seinen Buch Die Kunst der Statistik
Den Statistikern dieser Welt mit ihren liebenswerten Eigenschaften der Pedanterie, Großzügigkeit und Integrität - stets bestrebt, aus den verfügbaren Daten das denkbar Beste zu machen.
Giuliano da Empoli

Aus seinem Buch (p. 100) Der Magier im Kreml
Es ist klar, dass in der Politik Heilen besser ist als vorbeugen. Wenn man einen Anschlag verhindert, bevor er stattfindet, merkt es niemand, wenn man allerdings in seiner Reaktion Stärke zeigt, die Schuldigen festnagelt, dann erzeugt das ein ordentliches politisches Kapital.
Melania Trump

Eine Nation, der das Lernen heilig ist, schützt ihre Bücher, ihre Sprache, ihre Wissenschaft und ihre Mathematik.
Schriftwechsel Voltaire - Friedrich der Große

Je mehr man altert, je mehr überzeugt man sich, daß Seine heilige Majestät, der Zufall, gut drei viertel der Geschäfte dieses miserablen Universums besorgt.
